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Neuer Archepassagier: Schwäbischer Dickkopf-Landweizen

20.2.2013 - Der „Schwäbische Dickkopf-Landweizen“ ist neuer und damit erster Archepassagier im Archejahr 2013. Das Slow Food Projekt dient dem Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschaft.

Aus der Mitteilung der Arche-Kommission:

"Der Anbau der sogenannten „Dickkopfweizensorten“ prägte seit den 1880-er Jahren - neben dem bis dahin dominierenden typischen Dinkel - mehr als 70 Jahre auch die süddeutsche Landwirtschaft und damit das regional-kleinbäuerliche Landschaftsbild unserer Region. Die verschiedenen Dickkopfweizensorten bildeten eine bedeutende Brücke zwischen der früheren Ära des Dinkelanbaus und der späteren Ära des Anbaus von modernen Weizenhochzuchtsorten. Doch diese damals regional erfolgreichen „Dickkopfsorten“ aus Hohenheim und vor allem die „Dickkopfdinkelsorten“ (wie Jägers Alb und Ochsenhausener Weizenbastard), entstanden durch gezielte Kreuzungen zwischen Dickkopfweizen und einheimischem Dinkel. Heute gibt es sie kaum noch. Sie können nämlich unter heutigen Intensiv-Anbaubedingungen und Voraussetzungen mit den modernen Weizenhochzuchtsorten kaum konkurrieren und rentabel angebaut werden, obwohl sie reich an Klebereiweiß und Antioxidantien sind, und auch im Geschmack sehr harmonisch zwischen Dinkel und Weizen stehen. Im vorletzten Winter bewies der Schwäbische Dickkopf-Landweizen zudem eine ausgesprochene Frosthärte.


Erfolgreiche Rekultivierung

Erst in einem Alt- und Landsorten-Sortiment aus der langjährigen Sammel- und Evaluierungstätigkeit von Prof. Dr. Jan Sneyd konnte in den 1990-er Jahre an der Fachhochschule Nürtingen (heute: HfWU Nürtingen-Geislingen) ein äußerst
seltener, qualitativ hochwertiger „Dickkopfgenotyp“ (Dickkopfweizen x Dinkel, Triticum aestivum x spelta, „Schwäbischer Dickkopf Landweizen“) entdeckt, ausgelesen, getestet und in einem aufwendigen Projekt in Zusammenarbeit mit dem
Bäckerhaus Veit aus Bempflingen erfolgreich weitervermehrt und rekultiviert werden. Da es sich dabei um eine regionale historische Sorte handelt, deren Namen aber unbekannt ist (- es handelt sich dabei nicht um eine Rückkreuzung!), wurde sie von seinem Wiederentdecker „Schwäbischer Dickkopf-Landweizen“ genannt. Mit dieser Bezeichnung wurde sie nun auch in die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Kulturpflanzensorten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aufgenommen.

Premiere auf der Slow Food Messe in Stuttgart

Im diesem Jahr wird diese Sorte auch von einem Biolandbetrieb angebaut, der einen Biobäcker beliefert – wir dürfen uns also über die verschiedenen Backwaren, die es damit von verschiedenen Produzenten geben wird, freuen! Wie bereits im letzten Jahr, wird der Schwäbische Dickkopf-Landweizen und einige Produkte daraus auch auf der Slow Food Messe in Stuttgart vertreten sein!"


Text: Roman Lenz

Bild oben: Dickkopf-Weizen-Ähre auf dem Acker des Haldenhof bei Beuren | Jan Sneyd


Prof. Jan Sneyd bei der Ernteprobe des Dickkopf-Landweizen | Bäckerei Veit


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