Terra Madre Tag

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Mutter Erde zeigt ihre Schätze

29.11.2013 - Slow Food Deutschland zelebriert am 10. Dezember in Köln den Terra Madre Tag. Produzenten feiern und werden gefeiert, ihre Produkte von der Küche des Museum Ludwig kulinarisch veredelt. Es gibt Marktstände und Vorträge rund um die biologische Vielfalt auf dem Acker und im Stall. Im Mittelpunkt steht ein virtuelles Rettungsschiff der „Arche des Geschmacks“, ein Projekt der internationalen Slow Food Stiftung für Biodiversität.

Aus der Pressemitteilung von Slow Food Deutschland vom 28. November 2013:

Zum fünften Mal zelebriert die weltweite Slow Food Bewegung den Terra Madre Tag am 10. Dezember. Zentraler Veranstaltungsort des deutschen Events im internationalen Konzert ist das Ludwig im Museum in Köln. Terra Madre, die Feier für “Mutter Erde” und ihre Genüsse, ist in jedem Jahr den unzähligen kleinen Lebensmittelproduzenten gewidmet, den Bauern, Fischern, Gärtnern, Tierhaltern, Züchtern, die dafür sorgen, dass die Vielfalt der Nutzpflanzen und Tiere erhalten bleibt – und damit auch der Reichtum des Geschmacks und Genusses.

Die Kölner Veranstaltung schiebt die Slow Food Arche des Geschmacks ins Rampenlicht. Auf diesem virtuellen Rettungsschiff sind allein in Deutschland inzwischen vierzig seltene Nutztierrassen, Nahrungspflanzen und Lebensmittel versammelt, die für immer von der Speisekarte zu verschwinden drohten. Slow Food will sie behüten, bewahren, vermehren und stemmt sich damit gegen die anhaltende dramatische Verengung der agrarischen und kulinarischen Vielfalt.

Großes Titel-Foto oben: Die Alblinse, Passagier auf der Arche des Geschmacks seit 2005, wird teilweise noch mit Pferdegespannen gesät. Diese Methode ist besonders bodenschondend. Die Verdichtung von Ackerboden durch schwere Landmaschinen ist ein zunehmendes Problem. | © Slow Food Archiv


Arche-Passagiere sind die Stars der Veranstaltung

Stars der Kölner Veranstaltung sind das Glanrind und der Bremer Scheerkohl, das Alpine Steinschaf und der Lausitzer Nelkenapfel, das Bunte Bentheimer Schwein und das Filder-Spitzkraut, der Weißlacker Bergbauernkäse und die Burger Brezel sowie viele andere Arche-Passagiere. Auf dem kleinen Markt im Restaurant Ludwig im Museum können die Arche-Produkte von den Besuchern probiert und gekauft werden. Der Arche-Markt bleibt ab 12 Uhr den ganzen Tag geöffnet. Aber nicht allein die Produkte, vor allem die Erzeuger sollen gewürdigt werden. Viele von ihnen präsentieren die Arche-Produkte persönlich am Marktstand. Mit Sabine Opfer wird eine der wenigen Metzgermeisterinnen Deutschlands ihre Nordhessische Ahle Wurst vorstellen, Schafzüchter Thorsten Trapp wird zwei Alpine Steinschafe mitbringen. „Wir feiern die vielen Kümmerer, die mit ihrem Einsatz im Stall, auf den Feldern und in den Obstplantagen dafür sorgen, dass seltene Genüsse nicht verloren gehen“, sagt die Slow Food Deutschland Vorsitzende Ursula Hudson und: „Wir müssen endlich begreifen, dass biologische Vielfalt nicht nur im tropischen Regenwald oder in den Korallenriffen gefährdet ist, sondern auch in unmittelbarer Nähe, in den Ställen, auf den Feldern, in unseren Töpfen!“

Foto oben: Bauer Karlfried Simon aus Waldböckelheim mit seinen Glanrindern. Die Rasse gehört zu den Passagieren der Arche des Geschmacks.| © Stefan Abtmeyer

Die Küchenchefs des „Ludwig“ haben ihre Menüpläne für diesen Tag komplett umgestellt und kochen gezielt mit Arche-Produkten. Essen, was man retten will – das alte Slow Food-Motto kommt in Köln zu neuen Ehren. Auf der Karte steht unter anderem das Murnau-Werdenfelser Rind, die Alblinse oder ein Schluck Sekt von der Champagner-Bratbirne.


Einfalt oder Vielfalt der Landwirtschaft

Am Nachmittag werden Agrarexperten das Thema Agro-Biodiversität, also die Vielfalt in der Landwirtschaft, zum Thema ihrer Vorträge machen. Die bekannte Agrarexpertin und Tierärztin Anita Idel und Dorothea Wamper vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt wollen mit den Besuchern diskutieren und sie über Einfalt und Vielfalt der bäuerlichen und industriellen Landwirtschaft informieren. Ursula Hudson spricht anschließend mit Erzeugern und Slow Food Aktivisten über die Arche des Geschmacks. „Wir wollen die Besucher auffordern, in ihrem kulinarischen Gedächtnis vergessene Genüsse aufzuspüren.“

„Die Kölner Veranstaltung ist Teil des riesigen weltweiten Programms zum Terra Madre Tag“, sagt Slow Food Deutschland Pressereferentin Anke Klitzing und nennt gleich einige Beispiele: In Rumänien lässt die Slow Food Gruppe Transsilvanien „Kindheitsrezepte“ aufleben und kocht „fast vergessene Dessertvariationen“. In Tansania wollen Slow Food Aktivisten die Ernte in einem Schulgarten in ein kollektives Mahl verwandeln. In Venezuela steht der Terra Madre Tag ganz im Zeichen der Kartoffel und ihrer Erzeuger. Mexiko meldet einen zweitägigen Marathon zum Thema „Nahrungsmittel und Umwelt“, während Slow Food Perth in Australien den Frauen der Aborigines und ihren Kochkünsten eine Bühne bereitet.


Rund um den Globus wird Mutter Erde gefeiert

In mehr als 100 Ländern wird gefeiert und informiert. „Terra Madre bringt weltweit alle zusammen, die nachhaltig unsere Lebensmittelkette bereichern – mit dem Ziel, Geschmack und biologische Vielfalt gegen die Zudringlichkeiten des Agromolochs zu verteidigen“, sagt Ursula Hudson. Auch in anderen deutschen Städten finden Veranstaltungen der örtlichen Slow Food Gruppen statt. Es gebe keinen besseren Weg, die Bedrohung des lokalen und regionalen Reichtums an Nahrungsmitteln sinnlich zu vermitteln, als solch einen Tag weltumspannend zu feiern, erklärt Hudson. Alle Slow Food Convivien auf allen Kontinenten malen so an einem gemeinsamen Bild von der kulinarischen Vielfalt und ihrem fragilen Zustand.

Foto oben: Terra Madre Tag in Mexiko. | © Slow Food Archiv

Die Slow Food Stiftung für Biodiverstität

Die Arche des Geschmacks ist ein Projekt der internationalen Slow Food Stiftung für Biodiverstität in Bra, Italien. Das Projekt wurde 1996 ins Leben gerufen, um fast vergessene traditionelle Lebensmittel, die in Gefahr sind, völlig zu verschwinden, zu katalogisieren und bekannt zu machen, nach dem Motto: Essen, was man retten will.

Die Agro-Biodiversität ist Teil des großen Netzwerks des Lebens. Sie umfasst alle Nutztiere, unsere Kulturlandschaften, die Kulturpflanzen und ihre wilden Verwandten, die Gesamtheit aller genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. Sie ist die Grundlage der weltweiten Sicherung unserer Nahrung. Und sie befindet sich in einem Zustand heftiger Schrumpfung. Das bunte Angebot unserer Märkte täuscht. Nur noch rund ein Viertel der vor 100 Jahren angepflanzten Pflanzenvielfalt wird heute genutzt. Die Welternährung basiert zu einem Großteil auf nur noch einem Dutzend Kulturpflanzenarten. Lokale und regionale Sorten verschwinden. Von einst weit über 1 000 Apfelsorten sind heute nur noch zehn Prozent übrig geblieben und in den Regalen der Supermärkte liegen die immer gleichen vier, fünf Sorten. Die züchterische Selektion und Fokussierung der industriellen Landwirtschaft auf wenige Leistungsmerkmale reduziert die Vielfalt auf ein kleines Potenzial von Hochertragspflanzen und -tieren, die im Zuge der Globalisierung weltweit verbreitet werden. Doch die Schatztruhe der Natur ist reicher, größer und vielfältiger gefüllt. Dieser Reichtum muss bewahrt werden.


Mehr Informationen:

Terra Madre Tag 2013

Arche des Geschmacks

Terra Madre - ein Buch von Carlo Petrini


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