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EU-Milchverordnung: Italiens Kampf den Käse aus echter Milch

4.7.2015 - Die EU-Kommission hat die italienische Regierung dazu aufgefordert, das bestehende nationale Verbot des Einsatzes von Milchersatzmitteln wie Milchpulver, Kondensmilch oder rekonstituierter Milch bei der Erzeugung von Milchprodukten abzuschaffen. Slow Food lehnt diese Direktive entschieden ab.

Bis jetzt werden in Italien Milcherzeugnisse nur mit echter, frischer Milch hergestellt. Das ist anscheinend nicht im Sinne der EU-Kommission: Sie wirft dem Land vor, dass das nationale Verbot von Milchersatzmitteln „den freien Handel von Waren einschränkt.“ Slow Food unterstützt das italienische Verbot und appelliert an die italienische Regierung, in der Sache nicht nachzugeben. Ganz im Gegenteil, das Verbot sollte nach Meinung von Slow Food auch auf andere EU-Länder ausgeweitet werden. Der Einsatz von hochverarbeiteten Milchersatzmitteln bedroht die traditionelle handwerkliche Herstellung und die Vielfalt an traditionell hergestellten Produkten, an Milch und Käse – und leistet der Verbrauchertäuschung Vorschub.

Handwerkliche Käseproduktion hat das Nachsehen

Die Auflage der EU-Kommission geht in die falsche Richtung und ihre Umsetzung zulasten von traditionellem Wissen und biologischer Vielfalt. Die italienische Position sollte nicht aufgeweicht werden sondern geradezu Modell für die handwerkliche Käseproduktion in Europa sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass Qualitätsprodukte immer mehr durch industriell erzeugte Produkte ersetzt werden, die zunehmend auf natürliche Zutaten verzichten. Genau deswegen bedarf es einer verstärkten Bewusstseinsbildung der Konsumenten auf europäischer Ebene, damit sich auch die Gesetzgebung anderer Länder in Zukunft die Erzeugung qualitativ hochwertige Lebensmittel fördert und nicht einschränkt.

Piero Sardo, Präsident der Slow Food Stiftung für Biodiversität äußerte seine Besorgnis: „Wir hoffen, dass die italienische Regierung dieses Gesetz verteidigen wird. Nach der Schokolade ohne Kakaobutter und dem Wein ohne Weintrauben versucht die Agrarindustrie sich jetzt auch des für Italien wichtigen Molkereisektors anzunehmen. Die Annahme der Forderung aus Brüssel hätte verheerende Konsequenzen für diesen schon angeschlagenen Wirtschaftssektor.“
Heutzutage stehen die Erzeuger von handwerklich erzeugten traditionellen Käsesorten, Rohmilchkäse und Almkäse, die Verfechter traditioneller Techniken und einheimischer Tierrassen vor vielen Herausforderungen, wenn sie ihre Produkte handwerklich sauber herstellen wollen. Eine schwerfällige Bürokratie und hohe Vermarktungskosten bereiten vielen Kleinerzeugern schon jetzt täglich Probleme. Das kulinarische Erbe der Milcherzeugnisse darf nicht noch stärker gefährdet werden, wie etwa durch diese Forderung.

Slow Food Käsemesse Cheese in Bra feiert das handwerkliche Können

Slow Food arbeitet eng mit Erzeugern handwerklicher Käseprodukte aus der ganzen Welt zusammen und bringt diese alle zwei Jahre bei der internationalen Slow-Food-Käse-Biennale Cheese im piemontesischen Bra zusammen. Bei der diesjährigen 10. Ausgabe der Cheese vom 18. - 21. September werden wieder Hunderte handwerklicher Erzeuger aus aller Welt ihre Qualitätsprodukte dem internationalen Publikum präsentieren.

Bild oben: Handwerklich hergestellter Käse aus echter Milch auf der Cheese 2013 in Bra (Italien). | © Slow Food Archiv

Quelle: Pressemitteilung von Slow Food International vom 1. Juli 2015. Übersetzung: Sharon Sheets.

Mehr Informationen:
Slow Food Messe Cheese


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