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Slow Food Asia Pacific Festival: "Überfischung bedroht Ernährung vieler Menschen!"

19.11.2015 - Auf dem zweiten Slow Food Asia Pacific Festival im südkoreanischen Goyang sprach heute Ursula Hudson, Mitglied im internationalen Vorstand von Slow Food und Vorsitzende von Slow Food Deutschland, zur aktuellen Lage der Fischerei und der Fischbestände.

Wie bei allen großen Slow-Food-Veranstaltungen kommen beim Slow Food Asia Pacific Festival Vertreter aus dem internationalen Slow-Food-Netzwerk und Besucher zusammen, um sich bei Konferenzen und Workshops zu verschiedenen Themen weiterzubilden und auszutauschen. Traditionelle Produkte und Gerichte, vor allem aus den asiatischen und pazifischen Ländern, stehen zur Verkostung bereit. Ein vielfältiges Konferenzprogramm stellt Themen rund um das Lebensmittelsystem in den Blickpunk.

Das internationale Slow-Food-Netzwerk ist vor allem in den asiatischen Ländern in den letzten Jahren schnell gewachsen, und ein größeres Slow-Food-Event auf dem asiatischen Kontinent durfte da nicht fehlen. Das Slow Food Asia Pacific Festival fand zum ersten Mal vor 2 Jahren in Seoul statt. Eine große internationale Slow-Food-Delegation, angeführt von Slow-Food-Gründer Carlo Petrini, 180 Erzeuger, Aussteller und Konferenzsprecher sowie Vertreter von Esskulturen aus der ganzen Welt sind in diesem Jahr mit dabei.

Unter den Schwerpunktthemen der fünftägigen Veranstaltung ist auch das hochaktuelle Thema Fisch und Fischerei, dem eine ganze Konferenzserie gewidmet wird. Viele Fischbestände sind überfischt und kurz vor dem Aussterben. Die Lebensgrundlage vieler handwerklicher Fischer ist durch große industrielle Fischflotten bedroht, die auch Ökosysteme am Meeresgrund durch ihre erbarmungslosen Schleppnetze zerstören, die alles vom Meeresgrund abkratzen, was ihnen auf dem Weg begegnet.

Hudson verdeutlichte in ihrer Rede, warum wir um das Ökosystem Meer und Ozean zu bangen haben. Im Atlantik sind laut der EU-Kommission 63 Prozent der Bestände überfischt, im Mittelmeer sogar über 82 Prozent. Der Fischkonsum ist in den letzten Jahren enorm angestiegen, aber die globale Verteilung ist ungerecht: Von den 126 Millionen Tonnen, die 2009 auf den Tellern landeten, wurden auf dem afrikanischen Kontinent nur 9,1 Kilogramm pro Kopf verzehrt, in Asien aber 20,7 Kilogramm pro Kopf. Da die europäischen Gewässer nahezu leergefischt sind, fischen die Flotten der EU und anderer Industriestaaten nun an anderen Orten der Welt, wo sie teilweise sogar den Ländern des Globalen Südens ihre Fischereirechte abkaufen und den lokalen Fischern durch ihre hohe Fangkapazität kaum Fisch übrig lassen. Während der dort gefangene Fisch in Europa auf den Tisch gelangt, bleibt der einheimischen Bevölkerung oft nichts oder nur kleines Geld. Die Ernährungssicherheit der Bevölkerung in den dortigen Küstenanrainerstaaten ist extrem gefährdet, da sie oft auf Fisch als Haupteiweißquelle angewiesen ist.

„Wenn die Fischbestände zurückgehen ist die Nährstoffgrundversorgung vieler Menschen bedroht, ebenso wie ihre Erwerbsmöglichkeiten. Ein Rückgang des Fischreichtums in ihren Gewässern nimmt Millionen von Menschen ihr Recht auf Nahrung“, erklärt Hudson. Sie ging weiter auf zerstörerische moderne Fangtechniken wie Schleppnetze und Langleinenfischerei ein, die durch ihre hohe Fangkapazität nicht nur die Bestände dezimieren, sondern auch große Mengen ungenutzt, tot oder verletzt, ins Meer zurückwerfen.

Die Probleme sind gewaltig, aber jeder kann einen Beitrag zu einem besseren, faireren Lebensmittelsystem leisten, erläuterte Hudson abschließend: „Es geht, wie bei der Landwirtschaft, um ein nachhaltiges Wirtschaften, um die Lebensmittelsouveränität und Ernährungssicherheit unserer Mitmenschen. Es geht um den Erhalt der Fanggründe von Kleinfischern und deren Lebensgrundlagen, bei uns und überall auf der Welt. Es geht um die für uns alle unendlich wichtigen Ökosysteme im Meer und in Binnengewässer, und um den Schutz und den lebendigen Erhalt von ganz besonderen Lebensräumen, denen der Küsten, der fließenden Übergänge von Wasser und Land“.

Text: Sharon Sheets

Bild oben: Fischer in der südkoreanischen Hafenstadt Busan entladen Riesenkalamare. Fisch ist fester Bestandteil auch der Küche Südkoreas, wo zur Zeit das Slow Food Asia Pacific Festival stattfindet. | Bildquelle: Wikicommons / lamoix | https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Squid_Throwing,_Busan,_South_Korea.jpg

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