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Slow Food Messe 2015 - Den Boden unter den Füßen nicht verlieren

12.4.2015 - Rettet unsere Böden - unter diesem Aufruf diskutierten Agrar- und Ernährungsexperten am dritten Tag des diesjährigen Markt des guten Geschmacks - die Slow Food Messe in Stuttgart die Bedrohung unserer wichtigsten Nahrungsgrundlage: Uns schwindet der Boden unter den Füßen.

In den großen Agrargebieten und Kornkammern der Welt wie Nordamerika und der Ukraine wird jährlich fast ein Prozent der fruchtbaren Krume des Ackerbodens unwiederbringlich ausgelaugt. Sandstürme und Überschwemmungen in deutschen Regionen zeigen, dass auch hierzulande Gefahr droht.

"Nur 10 Prozent der weltweiten Bodenfläche sind zur Nahrungsmittelerzeugung geeignet, aber unsere derzeitige Bewirtschaftung durch industrielle Landwirtschaft bedroht die Bodenfruchtbarkeit", erklärt Wilfried Bommert, Institut für Welternährung. "Wir sägen seit Jahren auf dem Ast, auf dem wir sitzen." Dazu komme die fortschreitende Versiegelung von Boden durch Infrastruktur und Städtebau.

Günther Czerkus vom Verband der Berufsschäfer fügt hinzu: "Wenn wir Boden nicht nachhaltig nutzen, können wir ihn nur einmal nutzen. Versiegelter Boden ist unwiederbringlich verloren. Wir müssen extrem sorgfältig mit dem Leben im Boden umgehen." Nachhaltige Beweidung wie zum Beispiel durch die Wanderschäferei spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie bewirkt einen Wachstumsimpuls der Pflanzen sowohl über- als auch unterirdisch; Vegetation und Wurzelwerk entwickeln sich. Ein weiter Wurzelhorizont verhindert Erosion, bindet CO2, filtert das Regenwasser und unterstützt die Biodiversität. "Das gibt dem Boden eine Zukunft", erläutert Czerkus weiter. Der Erhalt von beweidetem Grasland sei grundlegend für den langfristigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, der biologischen Vielfalt und für den Klimaschutz.

"Wir müssen denken und handeln in fruchtbaren Landschaften und immer die Vielfalt möglich machen", unterstreicht auch Anita Idel, Veterinärin und Lead-Autorin des Weltagrarberichts. Die Bodenexpertin empfiehlt langfristiges Optimieren der Ressourcen statt Maximieren des kurzfristigen Ertrags.

Dieses Umdenken in der Bewirtschaftungsweise der landwirtschaftlichen Flächen ist Teil der Ernährungswende, die zur Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nötig ist. Schlüssel dazu sind eine kleinteiligere Bewirtschaftung und vielfältige Flächennutzung, durch ökologische Landwirtschaft mit wechselnder Fruchtfolge ebenso wie beweidetes Grasland. "Eigentum verpflichtet - das Nutzen des Bodens muss der Allgemeinheit nützen", sagt Bommert abschließend.

Die jährliche Leitmesse von Slow Food Deutschland in Stuttgart hat bis zum heutigen Sonntag geöffnet. 481 Aussteller bieten ihre handwerklich hergestellten Produkte an, von Alblinsen bis Whisky, die alle die strenge Slow-Food-Qualitätsprüfung bestanden haben. Der bunte Markt wird mit einem vielfältigen Rahmenprogramm umrahmt, bei dem sich die Besucher auf kurzweilige Art über Themen rund um Lebensmitteln informieren können.

Quelle: Pressemitteilung von Slow Food Deutschland vom 12. April 2015

Bild oben: Bodenschüzer - Wanderschäfer mit Diepholzer Moorschnucken. Die Schafe werden in Naturschutzgebieten der niedersächsischen Diepholzer Moorniederung gehütet, die inmitten des Städtedreiecks Hannover – Osnabrück – Bremen liegen. Dort halten sie die Landschaft offen und pflegen so einen Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. | © Stefan Abtmeyer

Mehr Informationen:

Der Markt des guten Geschmacks - die Slow Food Messe

Arche-Passagier Diepholzer Moorschnucke


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