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Slow-Meat-Kampagne: Engagement für nachhaltigen Fleischkonsum

8.12.2015 - Die internationale Slow-Food-Kampagne "Slow Meat"engagiert sich für verantwortungsvollen und nachhaltigen Fleischkonsum. Die erste Slow-Meat-Konferenz fand in Denver, Colorado (USA) im Sommer 2014 statt, auch bei Slow Food Deutschland ist Fleisch zu einem zentralen Thema geworden. Ein Jahresrückblick von Sharon Sheets.

From-Nose-To-Tail: Ganze Tiere essen statt Verschwendung

Auf dem Markt des guten Geschmacks, der jährlichen Slow Food Messe in Stuttgart, fand im April eine Kochwerkstatt zur Ganztierverarbeitung statt. Die Besucher konnten bei der Verarbeitung der einzelnen Teile eines Schafes zuschauen und dabei interessante Tipps zur Verwertung und Fakten zu der oft vorkommenden Verschwendung vieler Fleischteile erfahren. Häufig wird nur ein relativ geringer Anteil eines geschlachteten Tieres verzehrt. Vor allem in Deutschland und anderen Industriestaaten können oft nur die edlen Fleischteile gewinnbringend verkauft werden. Beim Schaf liegt der verzehrte Anteil des geschlachteten Tieres mit lediglich 33 Prozent noch niedriger als bei Rind, Schwein und Geflügel. Wegen der geringen Anzahl an Schlachttieren ist selbst eine sekundäre Verwendung zum Beispiel für Tierfutter oft nicht rentabel, und viel gutes, nahrhaftes Schaffleisch landet im Abfall – ein erschreckendes Beispiel für die Schieflage des industrialisierten Lebensmittelsystems.

Bild oben: Spitzenkoch Detlev Ueter und Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, beim Workshop zum Thema "Ganze Tiere essen" auf dem Markt des guten Geschmacks - die Slow Food Messe 2015.  | © Sharon Sheets


Artgerechte Tierhaltung: Wenn Fleisch, dann richtig!

Fleischverzehr und damit auch die Fleischerzeugung weisen viele Problemstellen auf, von präventiver Antibiotikanutzung zu Tierleiden in der Massenproduktion und der Monopolisierung von Agrarland für Futtermittelproduktion. Aber Fleisch und seine Erzeugung können auch Bestandteil einer ökologisch wertvollen Landwirtschaft, einer reichen Esskultur und ausgewogenen Ernährung sein. Nicht notwendigerweise der komplette Verzicht, sondern eher der gemäßigte Verzehr von gutem Fleisch aus transparenter und nachhaltiger Landwirtschaft sind für Slow Food der sinnvollste Weg. Fleischverzehr muss vor allem mit artgerechter Tierhaltung einhergehen. Massentierhaltung steht aus ethischen wie aus Umweltgründen außer Frage. Rupert Ebner, Schatzmeister von Slow Food Deutschland, Tierarzt und Umweltreferent der Stadt Ingolstadt, machte sich dieses Jahr auf zahlreichen Podiumsdiskussionen für das Thema artgerechte Tierhaltung stark, unter anderem beim Weltsalon „Artgerechtes München“. 

Bild oben: Podiumsdiskussion "Artgerechtes München" im Weltsalon auf dem Tollwood Winterfestival in München mit Rupert Ebner (2. v. li.), Tierarzt, Umwelreferent der Stadt Ingolstadt und Mitglied im Vorstand von Slow Food Deutschland; Christine Strobl, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München; Getraud Gafus, Bäuerin und Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Toni Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte. | © Bernd Wackerbauer

Zur Sendung über die Podiumsdiskussion mit Podcast | CV aktuell: Artgerechtes München |

Slow Food Positionspapier - Artgerechte Tierhaltung


Es geht auch anders!

Unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“ führt Slow Food Deutschland in Kooperation mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit 2013 Aktionstage zum Thema Lebensmittelverschwendung in verschiedenen Städten durch, die neben praktischen Tipps für Verbraucher auch den Blick auf die Zusammenhänge der gesamten Lebensmittelkette werfen. So beginnen diese Aktionen immer am Vortag mit einem Besuch bei Lebensmittelerzeugern, die unter anderem wegen ästhetischen Standards wie Größe oder Einheitlichkeit ihre Ernte nicht vollständig vermarkten können. Die auf dieser Erntetour von den Teilnehmern gesammelte „Ausschussware“ wird dann am Folgetag bei einer öffentlichen Kochaktion in ein leckeres Gericht verarbeitet, bei dem sich die Besucher des Aktionstags selber vom guten Geschmack dieser verschmähten Lebensmittel überzeugen können.

Während der gemeinsamen Mahlzeit an einem öffentlichen Ort gibt es Tischgespräche, bei denen Experten zum Beispiel über die Folgen der fehlenden Lebensmittelwertschätzung informieren und Anregung für ein nachhaltiges Handeln geben. Dieses Jahr im November hatte der „Zu gut für die Tonne“ Aktionstag in Koblenz zum ersten Mal das Schwerpunktthema Fleisch. Bei einem Besuch bei einem Wanderschäfer und einem Ziegenhof in der Vulkaneifel hatte die bunt gemischte Besuchergruppe die Gelegenheit, gute Beispiele der Fleischerzerzeugung kennenzulernen, die im Einklang mit dem Ökosystem leben, das sie bewirtschaften. Hier werden die Tiere bis zum letzten Moment mit größtem Respekt behandelt. Das tut nicht nur den Tieren gut, sondern trägt auch zu hochqualitativen Fleisch- und Milcherzeugnissen bei.

Die Wanderschäferei ist ein gutes Beispiel für die gegenseitige Ergänzung von Viehzucht und Natur. Die Schafe leben nicht nur ressourcenschonend, sondern tragen auch zum Schutz des Grünlandes, das sie abgrasen, und zum Schutz der Artenvielfalt bei. Allerdings gibt es nur noch wenige Wanderschäfer, da dieser Beruf wenig profitabel ist und nur wenige junge Leute den Beruf aus Leidenschaft – sicherlich nicht aus ökonomischen Gründen - aufgreifen.

Bild oben: Besuch bei Wanderschäfer Helmut Reuter (sen.) und Matthias Reuter (jun.) auf der Weide im Rahmen der Tour zu Schaf & Ziege.

Mehr Informationen zum Aktionstag und der Tour zu Schaf & Ziege


Slow Food Kuttelgespräche

Slow Food Deutschland hat im Jahr 2014 die Veranstaltungsreihe der Slow Food Kuttelgespräche ins Leben gerufen. "Kutteln“ als Teil der Wortneuschöpfung „Kuttelgespräche“ sind bewusst gewählt. Kutteln gehören zu den Innereien und lösen im kulinarischen Kontext starke, oft widersprüchliche Reaktionen aus: Sie werden als Lebensmittel von manchen abgelehnt, von anderen als Spezialität geliebt oder sogar mit heimatlichen Ernährungstraditionen identifiziert. Symbolhaft stehen sie in dieser Veranstaltungsreihe für unangepasste, provokative und neue Sichtweisen von Slow Food. Bei einer gemeinsamen Kochaktion diskutieren Experten, was gutes Fleisch und nachhaltigen Konsum ausmacht. Am 10. Dezember 2015 findet anlässlich des Terra Madre Tages das dritte Kuttelgespräch in Würzburg statt. Das Gespräch dreht sich um Fragen der Zucht, Haltung und Fütterung von Nutztieren und deren Schlachtung und Verarbeitung. Im Anschluss wird ein Menü mit Passagieren aus der Arche des Geschmacks – wie dem Rhönschaf – serviert.

Bild oben: Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, demonstriert beim ersten Slow Food Kuttelgespräch die beeindruckende Größe von Kuhkutteln. Dieser große Magen und andere Innereien vom Rind wie Leber, Nieren und Lunge waren im Ganzen als Anschauungsbeispiele für die Gäste des Terra Madre Tags von der Herrmannsdorfer Bio-Metzgerei in Glonn in den Veranstaltungsraum mitten in München gebracht worden. | © Andrea Huber

Erstes Slow Food Kuttelgespräch

Zweites Slow Food Kuttelgespräch

Drittes Slow Food Kuttelgespräch

Mehr Informationen:

Slow Thema: Tiere in der Landwirtschaft

Slow Meat Kampagne


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de