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Terra Madre Tag 2015: Visions-Workshop Ernährungsbildung

3.11.2015 - Kinder und Jugendliche werden zunehmend in pädagogischen Einrichtungen mit Essen versorgt. In der Debatte um die Qualität der Gemeinschaftsverpflegung kommt jedoch manches zu kurz. Slow Food Deutschland und Slow Food Hannover laden deshalb am Donnerstag, den 10. Dezember, am weltweiten Terra-Madre-Aktionstag von Slow Food, zu einem Visions-Workshop Ernährungbildung ein.

Slow Food setzt sich ein für Schulessen, das im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung und Ernährung gut, sauber und fair ist. Essen bietet vielseitige Lerngelegenheiten. Die Verpflegungsaufgaben pädagogischer Einrichtungen können mit den Bildungsaufgaben innovativ verbunden werden und so ein alltagsnahes, ganzheitliches und praktisches Lernen ermöglichen. Räumliche, zeitliche und soziale Rahmungen der Mahlzeit können so gestaltet werden, dass Genuss und Gastlichkeit beim Essen selbstverständlich werden. Partizipation in allen Ebenen und soziales Lernen machen aus Essensempfängern verantwortungsbewusste Ko-Produzenten. Dabei gewinnen Aspekte der Nachhaltigkeit, Saisonalität, Regionalität, Diversität, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Fairness in der Nahrungsproduktion politisch und praktisch an Bedeutung. Alle, die ihren Anteil an der Bildung und an der Ernährung von Kindern und Jugendlichen haben, Multiplikatoren, Entscheider und Vertreter von Verbänden und Interessensgruppen sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Kooperationspartner der Veranstaltung sind das Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Stadt Hannover und das Haus der Jugend.

Terra-Madre-Tag - der globale Aktionstag der Slow-Food-Bewegung

Anlass der Veranstaltung ist der internationale Terra-Madre-Tag der Slow-Food-Bewegung, der jedes Jahr am 10. Dezember mit hunderten Veranstaltungen in über 150 Ländern gefeiert wird. An dem weltweiten Aktionstag stehen regionale Esstraditionen, eine reiche Vielfalt auf unseren Tellern und das Engagement für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem im Mittelpunkt.

Visions-Workshop: Ernährungsbildung
Termin: Donnerstag, 10. Dezember 2015, 17:30 Uhr im Haus der Jugend, Hannover
Veranstaltungsort: Haus der Jugend, Maschstraße 22 - 24, 30169 Hannover

Das Programm

17:30 Uhr: Empfang

18:00 Uhr: Begrüßung
Dr. Ursula Hudson
, Vorsitzende Slow Food Deutschland

Grußwort: Christian Meyer, Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

18:15 Uhr: Initiativreferat
Prof. Dr. Lotte Rose
, Frankfurt University of Applied Sciences, Kinder- und Jugendkommission Slow Food Deutschland

18:30 Uhr: Gedankenaustausch im Gespräch
Dr. Ursula Hudson, Minister Christian Meyer, Prof. Dr. Lotte Rose

18:50 Uhr: Start von FoEBi "Forum Ernährungsbildung"

19:00 Uhr: An die Arbeit! Visionen sammeln

Kulinarisch begleitet wird der Workshop vom Ausbildungsrestaurant "Café Nanas" und den "Topfstars" im Haus der Jugend

Die Teilnahme am Visions-Workshop Ernährungsbildung ist für Sie kostenfrei. Eine Anmeldung bis zum 3. 12. 2015 ist erforderlich.

Wer kann teilnehmen? Die Veranstaltung richtet sich an slle, die ihren Anteil an der Bildung und an der Ernährung von Kindern und Jugendlichen haben. Multiplikatoren, Entscheider und Vertreter von Verbänden und Interessensgruppen, z. B. aus den Bereichen: Politik, Ministerien und Verwaltungseinrichtungen, Pädagogik, Bildungseinrichtungen, Schulträger, Ernährungs- und Sozialwissenschaft, Erziehung, Hauswirtschaft, Schüler- und Elternvertretungen, Lebensmittelhandwerk und Gastronomie, Versorger aus Land- und Ernährungswirtschaft, Handel, Verbraucherschutz, Umwelt- und Naturschutzverbände und Journalisten.

Kontakt und Anmeldung:

Slow Food Hannover
Frank Buchholz
Paul-Ehrlich-Str. 12 b
30952 Ronnenberg
Telefon: (05 11) 46 38 94 und (01 70) 3 26 00 98
Fax: (05 11) 41 52 70
E-Mail: hannover@slowfood.de

Mehr Informationen:
Info-Flyer als PDF herunterladen

Positionspapier: "Gut, sauber, fair in der Gemeinschaftsverpflegung von Kita und Schule"


Hintergrund

Fragen der Verpflegung junger Menschen werden von Bildungsfragen abgetrennt, statt sie als ganzheitliche Einheit zu begreifen. Zwischen den Programmen zur Ernährungs- bildung und der alltäglichen Mittagsversorgung werden kaum Verknüpfungen hergestellt. Die Speisen in Schule und KiTa sind für Kinder und Jugendliche nur als fertiges Endprodukt eines langen und arbeitsteiligen Produktionsprozesses erfahrbar. Sie sind damit für sie eine entfremdete Konsumware. Die Gemeinschaftsverpflegung fördert damit die Herausbildung des unwissenden und ignoranten Verbrauchers.

Junge Menschen sind oft nicht mehr in der Lage zu kochen, weil in Familien nicht mehr gekocht wird. Die Praxis der Schul- und KiTa-Verpflegung setzt diese Erfahrungsverluste jedoch fort. Entsprechende Lernerfahrungen werden in singuläre Bildungsprogramme ausgesondert. Die pädagogische und soziale Realität und Rahmung der Gemeinschaftsverpflegung junger Menschen stehen hinter den ökonomischen, ernährungsphysiologischen, logistischen und normativ-programmatischen Fragen völlig zurück. Auch das Recht auf kulinarischen Genuss als elementares Menschenrecht spielt in der Debatte zur Gemeinschaftsverpflegung nur eine nachrangige Rolle.

Abwechslungsreiche Regionalwirtschaften sind chancenlos, stattdessen führt die Speisenproduktion in zentralisierten Großbetrieben nach festgelegten Standards mit den immer gleichen industriellen Technologien, Rezepturen und Roh- stoffen zwangsläufig zur Gleichförmigkeit der Mahlzeiten. Große Mengen von Essensresten unterwandern die bundes- politischen Bemühungen zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung.


Der Terra Madre Tag

Jedes Jahr im Dezember begeht das Netzwerk von Terra Madre rund um den Globus einen Festtag, der über 2 000 Lebensmittelbündnisse, 1 300 lokale Slow Food Gruppen (Convivien) und 200 000 Teilnehmer in 150 Ländern einbezieht.

Viele lokale Initiativen weltweit vereint in einem Fest – dies ist der Grundgedanke des Terra Madre Tages. Gemeinsam wird an diesem Tag die Bedeutung des lokalen Essens und das Recht aller Menschen auf den Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln gefeiert. Picknicks und Festtafeln, Filme und Konzerte, Besuche auf Bauernhöfen, Kampagnen, Angebote zur Ernährungs- und Geschmackserziehung, Gespräche und Diskussionen – hunderte solcher Veranstaltungen finden am 10. Dezember auf allen fünf Kontinenten statt.

Mit dem Terra Madre Tag will Slow Food das weltweite Netzwerk stärken. Mitglieder, Bauern aus den Projekten zum Schutz der biologischen Vielfalt, Lebensmittelbündnisse, Köche, Akademiker, Jugendliche, Musiker, Vereine und andere Organisationen organisieren dazu gemeinsame Veranstaltungen, um die Philosophie von Terra Madre bekannt zu machen und die lokale Lebensmittelwirtschaft zu stärken.

Mehr Informationen:

Terra Madre Tag


Bilder: © Frank Buchholz


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de