Startseite > Aktuelles > 2015 > Tierschützer verhandeln mit Wiesenhof

Veggie-Wurst: Tierschützer verhandeln mit Wiesenhof

21.9.2015 - Die Tierrechtskämpfer von „Peta“ könnten sich eine Kooperation mit dem Geflügelkonzern vorstellen, wenn der seine „Änderungsfähigkeit“ beweist. Am 1. Oktober treffen sich beide Seiten zu einer ersten Sondierung. Ein Bericht von Manfred Kriener.

Die Tierrechtsorganisation Peta und der Geflügelriese „Wiesenhof“ wollen möglicherweise zusammenarbeiten. Am 1. Oktober beginnt eine Verhandlungsrunde, in der beide Seiten sondieren, unter welchen Bedingungen das Peta-Logo die vegane Produktlinie des Konzerns zieren könnte. Die zur PHW-Gruppe gehörende Marke Wiesenhof nutzt den derzeitigen Veggie-Boom und verkauft mit gutem Erfolg, ähnlich wie „Rügenwalder“ und andere Fleischfabriken, auch rein vegane Zubereitungen. Veggie-Fleischwurst, -Mortadella und -Wurstaufschnitt werden auf Soja- und Erbsenbasis hergestellt. Jetzt könnte Wiesenhof als ethische Plakette ausgerechnet das Peta-Logo für diese Produktlinie bekommen.

Das mag überraschen, denn Peta hatte immer wieder mit schockierenden Undercover-Videos die skandalöse Tierhaltung von Wiesenhof-Betrieben und -Zulieferern aufgedeckt und den Konzern „sturmreif geschossen“, so ein Peta-Aktivist. Aufgrund der Recherchen der Tierrechtsorganisation waren wiederholt Staatsanwälte in Marsch gesetzt worden, die wegen Tierquälerei ermittelten und die verheerenden Zustände bestätigten.

Trotz der jahrelangen Konfrontation mit Wiesenhof haben die Tierschützer keine Berührungsängste, wie Peta-Manager Edmund Haferbeck erklärte. Es mache keinen Sinn, nur die reine Lehre zu predigen, wenn man nicht auch dafür sorge, dass „gewaltfreie vegane Produkte“ in großem Stil für die Verbraucher verfügbar seien. Peta erwartet allerdings Gegenleistungen von Wiesenhof. Der im niedersächsischen Visbek ansässige Geflügel-Großproduzent müsse „seine Änderungsfähigkeit“ beweisen und zeigen, dass er tatsächlich umdenke. Er müsse auch seine konventionelle Tierproduktion reduzieren. Derzeit sei bei Wiesenhof aber einiges „in Bewegung“ geraten, sagt Haferbeck, der zugleich betont, dass Peta keine monetären Interessen verfolge und sich das Logo auf Lebensmitteln „mit keinem Cent“ bezahlen lasse.

Wiesenhof-Produkte waren nach den von Peta aufgedeckten Skandalen in der Enten-, Puten- und Hühnerhaltung von mehreren Lebensmittelhändlern aus den Regalen verbannt worden. Bei „Rewe“ will man jetzt aber Frieden mit dem Geflügelmäster schließen. Wie das „Handelsblatt“ meldet, würden wieder Produkte des umstrittenen Unternehmens aufgenommen. Zuvor hatten Rewe-Manager auch mit Peta gesprochen. Der Friedensschluss dürfte also auch mit den jetzt anberaumten Verhandlungen zwischen Tierschützern und dem Geflügelkonzern und der Aussicht auf eine vom Tierschutz-Logo geadelte Produktlinie zusammenhängen.

Wiesenhof zeigte sich zuletzt auch gegenüber dem Deutschen Tierschutzbund dialogbereit. So stellte sich der Fleischbaron und Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann – „ich sage nicht, dass wir perfekt sind“ – einem Streitgespräch mit Tierschutzpräsident Thomas Schröder in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dem Gespräch lobte Wesjohann das gegenüber dem Ausland „hohe Qualitätsniveau“ der deutschen Massentierhaltung. Er sei zu noch besseren Haltungsformen in der Geflügelmast bereit, wenn dies vom Markt auch bezahlt werde. Wiesenhof beschäftigt nach eigenen Angaben rund 5.700 Mitarbeiter bei einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.

Der Ingolstädter Tierarzt, Slow Food-Vorstandsmitglied Rupert Ebner, verfolgt die „Annäherung von Tierschützern und Skandalkonzern mit großem Interesse“. Solche Verhandlungen und Gespräche seien grundsätzlich nicht falsch, zumal Wiesenhof durch die wachsende gesellschaftliche Sensibilität in Sachen Fleischkonsum und Massentierhaltung gewaltig unter Druck stehe. Peta müsse aber aufpassen, dass man nicht die vegane Produktlinie als ethisch korrekt labelt, während gleichzeitig in den Geflügelställen schauerliche Zustände herrschten.

Bild oben: PETA-Werbeplakat für vegane Ernährung. | © Peta/Newsroom

Weitere Informationen:

Slow Thema: Tiere in der Landwirtschaft


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de