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FAO-Bericht: 17 Prozent der Tierrassen weltweit vom Aussterben bedroht

9.2.2016 - Der in den letzten Tagen veröffentlichte Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) enthält eine Reihe von wichtigen, besorgniserregenden Daten: 17 Prozent der Tierrassen weltweit sind vom Aussterben bedroht. Dieser Prozentsatz steht für eine Gesamtzahl von 1.458 Rassen einschließlich der schon ausgestorbenen. Von 2005 bis 2014 ist der Anteil der bedrohten Rassen um 2 Prozent angestiegen.

Die FAO scheint dies mit dem Bestehen von hochspezialisierten industriellen Zuchtbetrieben zu verbinden, in denen die Produktion von einer begrenzten Zahl sehr ertragreicher Rassen beherrscht wird. Slow Food unterstützt mit den 58 Presidi zu Tierrassen die Züchter und Hirten bei der Bewahrung, während im Katalog der Arche des Geschmacks, der schützenswerte Rassen sammelt, bereits 340 aufgeführt sind.

"In der Geschichte der Natur und des Menschen war das Aussterben von Arten und Rassen immer etwas Normales", erklärt Piero Sardo, Präsident der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt. "Während einige Arten und Rassen ausstarben, wurden sie allerdings natürlicherweise durch andere ersetzt. Der wesentliche Unterschied zu heute ist, dass der Mensch diesen Prozess beschleunigt hat. Erst jetzt beginnen wir zu verstehen, zu welchem genetischen, wirtschaftlichen und kulturellen Preis. Der letztere wird normalerweise vernachlässigt, aber wenn man eine Rasse verliert, verliert man damit auch die kulturelle Beziehung zur eigenen Geschichte und Arbeitsweise."

José Graziano da Silva, Generaldirektor der FAO, betont in seinem Vorwort zum Bericht, dass die Tierrassen direkt zum Lebensunterhalt von Millionen Menschen beitragen, darunter 70 Prozent der Armen in den ländlichen Gemeinschaften der Welt. Der biologischen Vielfalt der Tierrassen wird also eine wesentliche Rolle für die Landwirtschaft, die ländliche Entwicklung und die Lebensmittel- und Ernährungssicherheit zuerkannt.

Beispiele von internationalen Slow Food Presidi zum Schutz von Nutztierrassen: das Ankole-Langhornrind in Uganda; das schwarze Schwein von den Nebroden in Italien; der Bison aus den großen amerikanischen Ebenen in den USA; das schwarze Ogye-Huhn aus Yeongsan in Südkorea.

Die deutschen Slow-Food-Biodiversitäts-Projekte finden Sie hier Biodiversität

Zu den deutschen Passagiere in der Arche des Geschmacks kommen Sie direkt unter Arche-Passagiere

Um mehr zu erfahren, besuchen Sie die internationale Website des Observatoriums zur Biodiversität von Slow Food.

Zum FAO-Bericht: The Second Report on the State of the World’s Animal Genetic Resources for Food and Agriculture

Quelle: Pressemeldung von Slow Food International vom 5. Februar 2016 

Foto: Rotes Höhenvieh - die Rinderrasse wurde im vergangenen Jahr als Passagier der Arche des Geschmacks in Deutschland aufgenommen. Die Dreinutzungsrinder wurden in ihren jeweiligen Zucht- und Nutzungsregionen so lange verdrängt, bis das Rote Höhenvieh schließlich fast überall vom Aussterben bedroht war. | © Rotviehhof am Jurasteig, Familie Graml


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