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Schulverpflegung: Eine kritische Stellungnahme von Slow Food zur BMEL-Qualitätsoffensive

29.1.2016 - Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat den Startschuss für die Qualitätsoffensive "Macht Dampf - Für gutes Essen in Kita und Schule" verkündet. Die lange überfällige Auseinandersetzung mit dem Thema Schulverpflegung ist zwar zu begrüßen, der Ansatz ist jedoch fragwürdig.

Wenn der Staat das Essen in Kita und Schule für verbesserungswürdig hält, muss er sich selbst für eine flächendeckende Veränderung einsetzen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fordert Eltern auf, sich für besseres Essen einzusetzen und sich zur Umsetzung der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) einzumischen. Nur darf man nicht allein von Eltern erwarten, dass sie für die Verbesserung des Essens in der Schulkantine sorgen.

Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, kritisiert: "Es ist erfreulich, dass das BMEL das Anliegen hat, allen Kindern in Kita und Schule eine gesunde Ernährung zu ermöglichen. Allerdings bietet die neue Kampagne kein Konzept zur politischen Umsetzung und delegiert die Verantwortung an die Eltern."

Wenn der Staat das Essen in Kita und Schule für verbesserungswürdig hält, muss er sich selbst für eine flächendeckende Veränderung einsetzen. Dazu muss er die erforderlichen Bedingungen schaffen, entsprechende Regelungen durchsetzen und das notwendige Geld bereitstellen. Für eine gute Bildungsqualität können schließlich auch nicht die Eltern zur Verantwortung gezogen werden.

Mit der Ausdehnung der Schulzeiten verschiebt sich die Ernährungsverantwortung für junge Menschen vom Privaten in die Öffentlichkeit. Daher ist der Staat hier auf neue Weise gefordert. Was ist unserem Land die gute Ernährung seiner Kinder wert? Wie kann das, was gewünscht wird, konsequent politisch durchgesetzt werden? Und schließlich: Was ist denn nun eine gute Verpflegung? Die DGE-Standards, die das Ministerium als Richtschnur propagiert, reichen hier nicht weit genug, weil sie ethische, ökologische und soziale Werte noch völlig außer Acht lassen.

Ernährungs- und Geschmacksbildung durch eine Schulverpflegung, die nachhaltig und fair produziert und kulinarischen Genuss bietet - das ist wünschenswert, und dazu herrscht allgemein Einigkeit. Doch um dies auf den Weg zu bringen braucht es mehr und Anderes als den Appell des Bundesministers an die Eltern und seine an die Öffentlichkeit gerichtete Forderung, man müsse "das kleine Einmaleins der Ernährung im Unterricht" verankern.

Eine Stellungnahme von Slow Food Deutschland zum wichtigen Thema der täglichen Verpflegung unserer Kinder und Jugendlichen in pädagogischen Einrichtungen. Autorin: Lotte Rose, Mitglied in der Kinderkommission von Slow Food Deutschland. Positionspapier herunterladen

Quelle: Pressemeldung von Slow Food Deutschland vom 29. Januar 2016

Bild: © Slow Food Archiv

 

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