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Terra Madre Salone del Gusto 2016: Es geht um die Zukunft der Erde

29.6.2016 - Die Essenskultur der Welt und die Weltpolitik des Essens sind zentrale Themen der Slow Food Biennale Terra Madre Salone del Gusto vom 22. bis zum 26. September in Turin. Erstmals finden die Kongresse, Events und Happenings dezentral in vielen historischen Gebäuden der piemontesischen Metropole statt.  Es werden mehr als 5.000 Delegierte aus 160 Ländern, über 800 Aussteller, 300 Slow Food Presidi und 500 Lebensmittelgemeinschaften des Terra Madre Netzwerks erwartet.

Aus der Pressemeldung von Slow Food International vom 21. Juni 2016:

"Terra Madre Salone del Gusto ist ein Event mit großer politischer Reichweite, denn es sammelt die Anliegen von allen, die sich in einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion wiedererkennen und an die Landwirtschaft in kleinem Maßstab glauben. Die Veranstaltung verleiht jener Welt der Lebensmittelproduktion eine Stimme, die „die Erde liebt“, und stellt sie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Seit 2004 - als Terra Madre zum ersten Mal stattfand - bis heute hat Slow Food sich als Sprecher dieser Anliegen bei den Institutionen und der Zivilgesellschaft einen Namen gemacht. Diese Rolle wurde noch unterstrichen durch die Ernennung von Carlo Petrini zum FAO-Sonderbotschafter für das Null-Hunger-Programm in Europa vor Kurzem, aber auch durch die Präsenz von Slow Food in den Beratungsprozessen der europäischen Politik. Dies alles wird gerade durch das Netzwerk der Lebensmittelgemeinschaften von Terra Madre und ihrer Delegierten in 160 Ländern möglich, die in Turin ein umfangreiches Programm mitgestalten: elf große Konferenzen im Teatro Carignano und 40 Terra Madre Foren im Castello del Valentino und Torino Esposizioni.

Wer kontrolliert das Ernährungssystem?

Die Kontrolle des Ernährungssystems von der Saatgut- bis zur Dünger- und Pestizidproduktion steht im Mittelpunkt des Dialogs zwischen der Expertin für Ernährungspolitik Marion Nestle und dem Aktivisten und EU-Parlamentarier José Bové. Ihr Gespräch hat den Titel “Sie sind Giganten, aber wir sind viele”. Ebenfalls um das Thema Ernährungssystem geht es im nächsten Termin, der Schwerpunkt ist hier aber die landwirtschaftliche Praxis, nämlich die Agrarökologie, die das System umstürzen könnte, da sie auf Vielfalt basiert und die natürlichen Ressourcen schont: Zu dem Gespräch “Kann Agrarökologie die Welt ernähren?” wurden Miguel Altieri, einer der wichtigsten Verfechter dieser im wörtlichen Sinne “im Feld” angewandten Wissenschaft, und Yacouba Savadogo eingeladen, der durch den Einsatz von traditionellen Anbautechniken ein Stück Sahelzone wieder zum Leben erweckt hat. Und dann diskutieren die Wirtschaftsfachleute Serge Latouche, Eric Holt-Gimenez und Stefano Zamagni darüber, dass die Vorstellung eines unendlichen Wachstums auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht mehr nachhaltig ist – ihr Thema heißt “Eine neue Welt ist nicht nur möglich, sondern notwendig”.

Wie verändert Landwirtschaft den Planeten?

In drei Gesprächen diskutieren Direktoren von bedeutenden Turiner Museen mit international berühmten Künstlern und Fachleuten: In “Der Planet Erde, gesehen von oben und in den Gesichtern der Menschen” trifft Alberto Barbera vom Nationalen Kinomuseum auf den Regisseur und Fotografen Yann Arthus-Bertrand, der 30 Jahre lang den Einfluss des Menschen auf die Natur aus der Luft gefilmt hat; in “Die Beziehung zur Erde in der modernen Kunst” spricht Carolyn Christov-Bakargiev von der Turiner Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst (GAM) mit dem indischen Künstler Amar Kanwar über die Fähigkeit der Kunst, politische Veränderungen, die Umwelt und Landschaft betreffen, zu spiegeln; in “Lebensmittel und Landwirtschaft in Ägypten früher und heute” begleitet Christian Greco die Teilnehmer bei der Entdeckung eines der ältesten Landwirtschaftssysteme der Welt, während die Soziologin und Ägyptologin Malak Said Ahmed Rouchdy die beherrschende Rolle der Lebensmittel in den jüngsten Krisen des Landes darstellt.

Wie können wir das Lebensmittelsystem verändern?

Alice Waters, Ronnie Finley und Edward Mukiibi sprechen über Nutzgärten, die in der afrikanischen Provinz ebenso wie auf Terrassen und in Schulhöfen Amerikas eine wahre urbane und ländliche Revolution auslösen. Vier international berühmte Chefs – Gastón Acurio, Michel Bras, Olivier Roellinger und Altin Prenga – erzählen von ihrer Rolle als Sprecher von kulturellen, ökologischen, ethischen und sozialen Anliegen. Franco Berrino und Andrea Pezzana diskutieren über den Einfluss, den unser tägliches Essen auf unsere Gesundheit haben kann, und der Gründer von Emergency, Gino Strada, der Comiczeichner Zerocalcare und Edward Loure Ole Parmelo, Gewinner des Goldman Environmental Prize, untersuchen die Beziehung zwischen Nahrung, Konflikten und Migration. In der einzigen Konferenz, die nur in italienischer Sprache zu hören ist, geht es schließlich um Lebensmittel und Agro-Mafia: Don Luigi Ciotti und Giancarlo Caselli werden von den theatralischen Intermezzi von Tiziana di Masi begleitet.

In den 40 Terra Madre Foren, die der Diskussion und dem Austausch der Delegierten dienen und die für Publikum geöffnet sind, werden noch weitere Themen behandelt: die Umweltauswirkungen des steigenden Fleischkonsums, Trinkwasserknappheit, die Niederschläge einer Landwirtschaft, die auf dem System der (häufig genveränderten) Monokultur basiert, die Produktketten von Kakao und Kaffee, die Welt des Öls, Rohmilchkäse."

Mehr Informationen:

Terra Madre Salone del Gusto 2016 ist online! (19.5.2016)

Deutsche Terra-Madre-Delegierte 2016 im Porträt

Terra-Madre-Netzwerk: Die Treffen

Zur Website von Terra Madre Salone del Gusto 2016

Veranstaltungskalender des Terra Madre Salone del Gusto 2016


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