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Klimawandel: Appell von Slow Food an die UN-Klimakonferenz in Marrakesch

9.11.2016 - Die Mitverantwortung der Agrarindustrie für den Klimawandel muss zu einem zentralen Thema der kommenden UN-Klimakonferenz in Marrakesch werden. Slow Food fordert ein weltweites Umdenken bei Fleischkonsum und Bodenverbrauch.

In Marrakesch findet vom 7. bis 18. November 2016 die 22. Vertragsstaatenkonferenz (COP 22) zur Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zum Klimawandel statt. Im Unterschied zur COP 21, die das Thema Landwirtschaft vollständig vernachlässigte, bezieht die COP 22 das Thema ein, allerdings eher marginal. Die Versammlung wird nämlich über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft diskutieren, ohne allerdings die enorme Verantwortung zu berücksichtigen, die die Agrarindustrie selbst dafür trägt.

Entscheidende Rolle des Lebensmittelsystems beim Klimawandel

Slow Food bleibt daher bei seiner kritischen Position und fordert von den Vertretern der Länder und der internationalen Institutionen, die sich in Marrakesch versammeln, die entscheidende Rolle des Lebensmittelsystems durch seine enge Verbindung mit dem Klima ernsthaft in Betracht zu ziehen und nicht an den Rand der Diskussion zu verbannen. Dieser Appell bleibt weiterhin dringend und höchst wichtig. Das erste Element, an dem gearbeitet werden muss, betrifft die industrielle Fleischproduktion und den Fleischkonsum, die 14,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen verursachen. Es erfordert eine radikale, gemeinsame Maßnahme: Erstens zur Verbrauchererziehung, um die Ernährungsgewohnheiten zu ändern und den Fleischanteil deutlich zu verringern, zweitens zur Förderung und Auszeichnung von modellhaften kleinen und mittleren Zuchtbetrieben und drittens zur Verringerung der intensiven Zuchtbetriebe. Slow Food engagiert sich mit der Kampagne Slow Meat in diesem Sinne.

Ein anderer Bereich betrifft die Bodenfruchtbarkeit. Ein gesunder, lebendiger Boden, der reich an organischen Substanzen ist, garantiert die Ernährungssicherheit, erhält die biologische Vielfalt und trägt dazu bei, uns vor Umweltkatastrophen, vor dem Klimawandel, vor Hungersnöten zu bewahren. Ihn zu schützen ist unerlässlich, um den Menschen, Pflanzen und Tieren eine Zukunft zu garantieren. Laut Slow Food muss der Boden unbedingt als Gemeingut anerkannt und vor zu starker Zementierung, vor Verschmutzung, Erosion, Verlust der organischen Materie und der biologischen Vielfalt geschützt werden. Deshalb gehört Slow Food zu den Förderern der europäischen Initiative People4Soil.

Modell der Agrarindustrie ist obsolet

Carlo Petrini, Präsident von Slow Food, erklärt dazu: "Maßnahmen zu den Fragen Fleischproduktion und -konsum sowie Bodenfruchtbarkeit bedeutet, das Modell der Agrarindustrie mit ihrem unendlichen Wachstum und dem wirtschaftlichen Liberalismus zu ändern. Die Auswirkungen dieses Systems erweisen sich als immer verheerender. Um das Problem des Klimawandels zu bewältigen, müssen die Regierungen endlich ihr Engagement für die Begrenzung der Emissionen erneuern und verstärken, aber das genügt nicht: Es ist ein Paradigmenwechsel – in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht – notwendig, und auch in den Diskussionen bei der COP 22 müssen internationale politische Maßnahmen gefördert werden, die das derzeitige Lebensmittelsystem radikal umwälzen können."

Quelle: Pressemitteilung von Slow Food vom 4. November 2016

Bild oben: Eröffnungszeremonie der 22. UN-Klimakonferenz in Marokko. | © UNFCCC https://www.flickr.com/photos/unfccc/albums/72157673774423682

Mehr Informationen:

Europäische Bürgerinitiative People4Soil

Slow Food Positionen zur Agrarpolitik

UN-Klimakonferenz (Englisch)


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