Startseite > Aktuelles > 2018 > Slow Food begrüßt Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu neuen Gentechnikmethoden

Slow Food begrüßt Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu neuen Gentechnikmethoden

26.7.2018 – Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 25. Juli 2018 entschieden, dass alle Organismen als gentechnisch veränderte Organismen anzusehen sind, die durch klassische Mutagenese-Technik sowie durch neue Gentechnikmethoden erzeugt wurden. Somit fallen neue Gentechnikmethoden wie das Genome Editing mit CRISPR/Cas9 unter das Gentechnikrecht und unterliegen denselben Sicherheitskontrollen wie GVO. Slow Food begrüßt das Urteil des EuGH, da Lebensmittel und andere Produkte, die durch diese Techniken entstanden sind, künftig gekennzeichnet werden müssen und die Wahlfreiheit von Verbrauchern, sich beim Einkauf bewusst für oder gegen GVO zu entscheiden, geschützt wird.

Das Urteil kam gestern zur Freude vieler Verbraucherschutzorganisationen, die sich in den letzten Monaten für die klare Klassifizierung neuer Züchtungstechniken als GVO eingesetzt hatten, denn diese verändern das Erbgut von Organismen ebenfalls, nur mit unterschiedlichen Techniken. Die CRISPR-Methode ist eine Art Genschere, mit der Erbinformationen ein- und ausgeschaltet werden können, in dem man an einer exakt definierten Stelle den Erbgut-Strang - die DNA - zerschneidet, so dass die unerwünschte Erbinformation herausgetrennt wird. Im Anschluss werden die beiden Strang-Teile wieder zusammengefügt. Nach dem gestrigen Urteil des EuGH werden diese und ähnliche neue Gentechniken auch als Mutagenese-Technik eingestuft und fallen unter die Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG, die GVO als einen Organismus definiert, dessen genetisches Material so verändert worden ist, wie es auf natürliche Weise durch Kreuzen und/oder natürliche Rekombination nicht möglich ist. Diese Einstufung neuer Gentechnik-Verfahren des EuGH verteidigt das Vorsorgeprinzip gegenüber industrieller Interessen. Nun sind die EU-Institutionen und Mitgliedstaaten gefragt, die Regulierung neuer Gentechnikverfahren umzusetzen.

Marta Messa, Leiterin des europäischen Slow-Food-Büros in Brüssel, kommentierte die Entscheidung des EuGH wie folgt: „Die heutige Entscheidung sendet eine klares politisches Signal und spricht sich für Landwirte und landwirtschaftliche Betriebe aus, die Biodiversität schützen, und zwar nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt. Slow Food wird genau im Blick behalten, ob sich die einzelnen Mitgliedstaaten daran halten, neue durch Biotechnologie veränderte Lebensmittel als genmanipulierte Organismen zu behandeln und auszuweisen. Es darf keine Lücke geben, die eine andere Auslegung erlaubt. Sowohl für die Bürger als auch für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Umwelt und Biodiversität, wäre es verheerend gewesen, wenn durch Genmutation entstandene Organismen durch das Urteil nicht mit genmanipulierten gleichgesetzt worden wären“.

© Getty Images



Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de