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Terra Madre Salone del Gusto: Slow Foodies aus 170 Ländern zeigen gemeinsam Flagge für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem

Viele junge Menschen bildeten die Terra-Madre-Delegation 2018 aus Deutschland. | © Elgin Hertel

1.10.2018 – Terra Madre ist das Slow-Food-Netzwerk, das die Slow-Food-Philosophie tagtäglich in die Praxis umsetzt, ob auf dem Feld, auf See, in der Küche oder im urbanen Garten. Es besteht aus Erzeugern, Fischern, Köchen, Imkern, indigenen Gemeinschaften, Tierzüchtern und anderen Vertreterinnen und Vertretern entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette aus 170 Ländern. Alle zwei Jahre kommen sie zum Terra Madre Salone del Gusto in Turin, Italien, zusammen. Rund 90 Teilnehmende bildeten die deutsche Terra-Madre-Delegation.

Vor Ort konnten sie sich untereinander sowie mit Delegierten aus anderen Ländern vernetzen und austauschen sowie deutsche Projekte wie die Slow Mobile einem internationalen Publikum vorstellen.

Die von Slow Food, der Region Piemont und der Stadt Turin in Zusammenarbeit mit dem italienischen Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft organisierte Veranstaltung Terra Madre Salone del Gusto vereint die internationale Messe für Qualitätslebensmittel Salone del Gusto mit der Terra-Madre-Konferenz, dem Treffen traditioneller Kleinerzeuger aus dem internationalen Slow-Food-Netzwerk. In einer vielfältigen Reihe von Konferenzen, Workshops und Vorträgen wurden Umwelt- und Agrarpolitik, Fischerei, Lebensmittelverschwendung, artgerechte Tierhaltung und Fleischkonsum, Klimawandel sowie das Lebensmittel und unser Konsum in seinen kulturellen Bezügen diskutiert. Diese größte internationale Slow-Food-Veranstaltung fand vom 20. - 24. September 2018 in Turin, Italien, statt.


Treffen von 4.000 Slow-Food-Delegierten

Beim Terra-Madre-Welttreffen standen die Vernetzung, die Gemeinschaft sowie ein lösungsorientiertes Denken für eine bessere Zukunft im Zentrum des Geschehens − in den Konferenzen, Workshops genauso wie bei den Treffen der insgesamt über 4.000 Delegierten aus aller Welt. Dazu tauschten sich die Teilnehmenden aus, erarbeiteten gemeinsam Lösungen für Umweltprobleme und Klimaherausforderungen und zeigten gemeinsam Flagge für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem. Die Terra-Madre-Parade mit Delegierten aus aller Welt zeigte wieder deutlich, dass sich Slow Food die Vielfalt an Farben, Kulturen, Geschmäckern, Regionen und Traditionen auf die Fahne schreibt und sich für deren Erhalt einsetzt.

Bild oben: Terra-Madre-Delegierte aus aller Welt bei der Abschlussveranstaltung des Slow-Food-Welttreffens Terra Madre Salone del Gusto 2018 in Turin, Italien. | © Slow Food Archiv


Kulinarische Vielfalt Deutschlands

Im internationalen und italienischen Marktbereich konnten Besuchende handwerkliche und traditionelle Produkte verschiedener Gemeinschaften probieren und erwerben. Die spezifische Geschichte, regionale Verwurzelung und Herstellungsweise des Produktes standen bei der Produktpräsentation im Vordergrund. Das kulinarische Erbe verschiedenster Regionen bekam beim Terra Madre Salone del Gusto einen Schauplatz der Anerkennung. Slow Food Deutschland war hier mit sechs Ausstellern vertreten. Vor Ort dabei waren die Brauerei Clemens Härle, die Andechser Molkerei, das Fickenschers Backhaus, die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, der Hohenloher Holunderzauber und die deutsche Knoblauch Räucherei.

Bild oben: Deutschland-Bereich beim Terra Madre Salone del Gusto 2018. | © Sharon Sheets


Inhaltliches Programm zu den brennenden Themen des Lebensmittelsystems

Neben einer Standpräsenz war Slow Food Deutschland auch am Rahmenprogramm des Terra Madre Salone del Gusto beteiligt. Bei einer Pressekonferenz des internationalen Slow-Food-Vorstandes verwies Ursula Hudson auf die Bedeutung der EU-Agrarpolitik für Drittländer durch eine auf Export und Industrie getrimmte Politik. Europa müsse dringend Verantwortung für Umweltschäden und durch den Klimawandel verursachte Fluchtursachen im globalen Süden übernehmen. In diesem Zuge forderte Hudson auch die Umstellung auf eine ganzheitliche Gemeinsame EU-Ernährungspolitik. Das Podium „Ende der Käfighaltung“ moderierte dagegen Slow-Food-Deutschland-Schatzmeister Rupert Ebner. Hierbei wurde klar, dass ein Ende des Leides von Tieren in Käfighaltung primär aus ethischen Gründen geschehen müsse. Allerdings sei die Umstellung auf Freilandhaltung auch aus Klima-, Umwelt- und Qualitätssicht unumgänglich.

Bild oben: Rupert Ebner auf dem Podium (2. v. l.) | © Sharon Sheets


Im globalen Norden müssen wir dringend die Debatte um tierische Produkte voranbringen

Um Tiere in der Landwirtschaft ging es auch beim Podium „Weniger aber dafür besseres Fleisch aus artgerechter Tierhaltung“, moderiert von Ursula Hudson. Hierbei stellte Hudson die dringende Forderung auf, sich bei Tieren in der Landwirtschaft nicht nur über die Nachhaltigkeit von Fleisch Gedanken zu machen, denn vor allem bezüglich des Tierwohls seien Milchprodukte mindestens gleichermaßen problematisch. Wichtig sei es, so Hudson, dass man nicht nur über die Konsummengen diskutiere, sondern vor allem über das System, denn zwischen tierischen Produkten aus artgerechter Freilandhaltung und aus industrieller Massentierhaltung lägen Welten aus Umwelt-, Klima- und Tierwohlsicht. Zwei Vertreter aus Lateinamerika machten die Zuhörenden darauf aufmerksam, dass die Fleischreduktions- und Qualitätsdebatte bei tierischen Produkten eine Debatte des globalen Norden sei, denn auf dem lateinamerikanischen Kontinent sei der Fleischkonsum noch mehr an Rituale gebunden, die Wertschätzung tierischer Produkte sei noch gegeben und auch der Konsum beschränke sich hier auf ein tragbares Maß. Im Gegenteil dazu führe der übermäßige Konsum tierischer Produkte im globalen Norden – vor allem in Europa und Nordamerika – zu fatalen Folgen im globalen Süden, man denke an die Desertifikation und Dürre sowie Abholzung des Regenwaldes zum Futteranbau für europäische Masttiere. Europa und Nordamerika seien aufgerufen, Verantwortung für ihr globales Handeln zu übernehmen und Tiere wieder als fühlende Wesen anzusehen und ihnen ein würdiges Leben zuzugestehen.

Bild oben: Ursula Hudson (Mitte) moderiert eine Konferenz im Meat Cluster über nachhaltigen Konsum tierischer Produkte. | © Sharon Sheets


Austausch und Vernetzung: Ein wachsendes Netzwerk

Eins der wichtigsten Resultate dieser internationalen Veranstaltung ist der Austausch und die Vernetzung auf verschiedensten Ebenen, z.B. thematisch, regional und international: Die deutsche Delegation, die sich untereinander vernetzt und das Netzwerk ausbaut; die Viehzüchter aus aller Welt, die sich untereinander austauschen und voneinander lernen; die Begegnung von Slow Foodies mit Kollegen aus anderen Ländern; die Vertreter aus dem globalen Norden, die den Geschichten der indigenen Gemeinschaften und ihrer Betroffenheit durch den Klimawandel lauschen und dadurch neue Einsichten über das eigene Handeln bekommen können. Auch die Teilnehmenden aus ganz Europa trafen sich hier zu einem Treffen und nutzen die Gelegenheit, um eine gemeinsame Aktion zu planen: Die EU-Aktionstage Ende Oktober 2018. Die Gespräche und Austauschmöglichkeiten, die sozusagen am Rande des Events geschehen, tragen Früchte, denn daraus ergeben sich neue Einsichten und Ideen für die eigenen Aktivitäten zu Hause und eben Anknüpfungspunkte, an die man vorher nicht gedacht hätte. So durfte Slow Food Deutschland zum Beispiel auch die Vertreter des neu gegründeten nationalen Vereins Slow Food Russland begrüßen und sie mit der deutschen Chef Alliance vernetzen. In diesen Gesprächen liegt die Kraft des Netzwerkes, das durch Terra Madre Salone del Gusto Kraft schöpft und wächst.

Bild oben: Wichtiger Teil der Veranstaltungen - Gespräche und Austausch. | © Sharon Sheets


Terra-Madre-Parade

Teilnehmende der Terra-Madre-Parade | © Sharon Sheets


Teilnehmende der Terra-Madre-Parade | © Sharon Sheets


Aussteller im Deutschland-Bereich beim Terra Madre Salone del Gusto

Fickenschers Backhaus


Brauerei Clemens Härle


Deutsche Knoblauch Räucherei


Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall


Andechser Molkerei


Hohenloher Holunderzauber


Alle Ausstellerfotos:  © Sharon Sheets

 

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