Region: Region Bamberg, Bayern
Passagier seit: Dezember 2005
Gefährdung: Kultivierung unter konventionellen Bedingungen unwirtschaftlich
Das „Bamberger Hörnchen“ ist von einer Fach-Jury zur „Kartoffel des Jahres 2008“
gewählt worden. Die Prämierung fand am 28. April auf der Fachtagung „Knollenvielfalt
auf der Kippe? “ in Hannover statt.
Das Bamberger Hörnchen wird in der Mundart seines fränkischen Herkunftsgebietes auch
„Bamberger Hörnla“ oder „Bamberger Hörnle“ genannt. Sie ist ein Beispiel für eine vom
Aussterben bedrohten alten Landsorte. Mit der Wahl des „Bamberger Hörnchens“ setzten
die Juroren ein deutliches Zeichen für ihren Fortbestand.
Mit ihren fingerförmigen Knollen steht sie für die Gruppe der Kipfler-, Hörnchen- und
Zapfenkartoffeln. Diese Kartoffelgruppe wurde bereits in der ersten deutschen
Kartoffelmonographie 1819 erwähnt. Die Knollen sind dünn, fingerlang und eher klein.
Die niedrigen Stauden blühen weiß. Ihre Besonderheit ist der hervorragende, leicht
nussige Geschmack und die feste Konsistenz der Hörnchenkartoffel. Die Fleischfarbe ist
hellgelb. Als regionale Spezialität konnte sich das „Hörnle“ in Franken behaupten.
Ausschlaggebend dafür war das zähe Festhalten der Franken an Traditionen und an der
fränkischen Regionalküche.
Früher wurden die Knollen per Hand gepflanzt und geerntet. Mit dem verstärkten Einsatz
von Kartoffelpflanz- und Erntemaschinen ab 1950 verschwand die Sorte weitgehend aus
dem Feldanbau, denn die länglichen Knollen sind für eine maschinelle Bearbeitung kaum
geeignet. Überlebensmöglichkeiten boten lange Zeit nur der Gartenbau und die
Direktvermarktung.
Doch die geschmacklichen Qualitäten der Sorte haben sich weit über die Region hinaus
herumgesprochen. Langsam erweitert sich der Kreis engagierter Landwirte, Gärtner und
Köche, die sich trotz aller Schwierigkeiten um die Ausweitung des Anbaus bemühen. Eine
Erhaltungszucht wurde mit dem Ziel organisiert, qualitativ einwandfreies Saatgut für den
gewerblichen und den privaten Anbau zur Verfügung zu stellen. Jeder Verbraucher kann
sich anschließen, indem er Kartoffeln der Sorte Bamberger Hörnchen kauft und isst. Mit
dem Kauf von Regionalprodukten unterstützten Konsumenten regionale Kleinerzeuger
und praktizieren „nachhaltigen Konsum“.
Die Auszeichnung „Kartoffel des Jahres“ wurde zum dritten Mal vergeben. Damit soll für
die Erhaltung der Kartoffelvielfalt sensibilisiert werden. Im vergangenen Jahr wurde die
Kartoffelsorte „Linda“ und im Jahr 2006 die blaufleischige Sorte „Blauer Schwede (Blue
Congo) gekürt. 2008 hat die UNO zum „Internationalen Jahr der Kartoffel“ erklärt.
Der Initiativkreis engagiert sich ganz konkret für die Bewahrung einer der feinsten Kartoffelsorten vor dem Verschwinden. Die Schwerpunkte des Engagements:
• Erhaltungszüchtung in Franken zur Erzeugung gesunden Pflanzgutes
• Eintragung einer geschützten regionalen Herkunftsbezeichnung
• Sicherung durch wirksamen Sortenschutz
• Vergrößerung der Anbaufläche in Franken
• Förderung des Ökologischen (Bio-)Anbaues in Franken
• Verbesserung der Werbung und Vermarktung
Derzeit sind 13 Erzeuger im Initiativkreis engagiert:
Harald Albrecht, „Harald´s Kartoffelkiste“
Zaugendorfer Str. 16, 96179 Rattelsdorf
Valentin Balling, Kartoffelbau
Hauptstr. 46, 97618 Hollstadt
Irmgard und Werner Bernhardt, Gemüsebau
Schwebheimer Straße 23, 97469 Gochsheim
Adalbert Eichelsdörfer, Gemüsebaubetrieb
Dörfleinser Str, 58, 96103 Hallstadt
Johannes Hubert, Gasthaus „Schwarzes Ross“
Kitzinger Str.4, 97359 Schwarzach a. M.-Hörblach
Rainer Lesch, Kartoffelbau
Hauptstr. 19, 97253 Gaukönigshofen
Gertrud Leumer, „Mussärol Bamberger Kräutergärtnerei“ („Naturland“)
Nürnberger Str. 86, 96050 Bamberg
Rainer Ludwig, Gartenbau
Mollengasse 4, 97526 Sennfeld
Hans Jürgen Mohl, Biolandhof,
In Abtsdorf 14, 96158 Frensdorf
Stefan Schäbler, „Grashüpfer“ Schäbler´s Biohof,
Kreuzstr. 19a, 97837 Erlenbach-Tiefenthal
Doris und Werner Tröppner, „Naturhof Tröppner“
Järkendorf 22, 97357 Prichsenstadt
Peter und Christiane Weckert, Kartoffelbau,
Am Löhlein 5, 97359 Schwarzach a.M.-Düllstadt
Robert Werner, Biolandgärtnerei
Weißbergstr. 8, 96170 Priesendorf
Weitere Erzeuger in Franken sollen für das Bamberger Hörnla gewonnen werden. In Kürze wird ein Förderverein für das „Bamberger Hörnla in Franken“ gegründet und die Anerkennung als „Förderkreis“ der internationalen „SlowFood Stiftung für die biologische Vielfalt“ angestrebt.
Unter den alten Landsorten, die seit wenigen Jahren die Kartoffelliebhaber begeistern, ragt das Bamberger Hörnla durch seinen besonders feinen Geschmack heraus. Es war deshalb in seiner fränkischen Heimat nie ganz vergessen und auf den regionalen Wochenmärkten stets zu haben, wenn auch nur in kleinen Mengen. Bis ins späte 19. Jh. reicht die Erinnerung zurück, die Kartoffel ist aber wohl älter. Ihre Entstehung in Bamberg ist nicht nachgewiesen, aber sehr wahrscheinlich, ist sie doch an die Boden- und Klimaverhältnisse des Bamberger Beckens vorzüglich angepasst.
Die Pflanze ist kleinwüchsig mit dünnem, zartem Kraut und blüht schneeweiß. Ihre Knollen sind klein, fingerförmig und leicht gekrümmt. Die hauchdünne Haut ist hellockerfarben mit einem leicht rötlichen Schimmer, der von den Augen ausgeht und dort auch am intensivsten ist. Das Fleisch ist sattgelb, dicht und fest.
Das Bamberger Hörnla wurde nie züchterisch bearbeitet. Von Schädlingen und Krankheiten wird es bevorzugt heimgesucht. Der hohe Pflegeaufwand bei sehr niedrigem Ertrag macht es auch bei den Erzeugern zum reinen Liebhaberprodukt. Die Anbaufläche in Franken wird auf 7ha geschätzt (das sind 0,002% der deutschen Kartoffelanbaufläche). Die aktuelle Gefährdung der Sorte ist vor allem dem Umstand zuzuschreiben, dass das echte Bamberger Hörnla immer häufiger ersetzt wird durch ähnliche, aber ertragreichere Sorten wie die alte französische Landsorte „La Ratte" und durch ausgesuchte kleine Knollen anderer festkochender Sorten.
Der delikate, leicht nussige Kartoffelgeschmack verbindet erstaunliche Feinheit mit intensiver Fülle. Das Geschmackserlebnis wird vollendet durch das angenehme Gefühl von sanfter Festigkeit beim Kauen. Auf der Zunge ist das Bamberger Hörnla zartweich-saftig und doch bissfest ohne jede Annäherung an klebrigen Brei oder mehlige Brösel. Diese „speckige" Konsistenz und die feinen, intensiven Aromen machen das Bamberger Hörnla einzigartig.
Es entfaltet seine Eigenart am besten bei Gerichten, denen die speckige Konsistenz der Kartoffel erst den richtigen Glanz verleiht. In der Bamberger traditionellen Küche ist sie dem Festtagskartoffelsalat vorbehalten. In der fränkischen Regionalküche begleitet sie in Butter geschwenkt oder leicht gebräunt Fisch- und Fleischspeisen, feine Gemüse und natürlich den fränkischen Spargel.
Initiative für einen Förderkreis “Bamberger Hörnla in Franken“
c/o Georg Lang
An der Aurach 12,
97514 Oberaurach
genius.loci.georg.lang@web.de