Region: Bergisches Land
Passagier seit: Mai 2010
Gefährdung: nur noch von wenigen Bäckern hergestellt
Die Burger Brezel ist eine kunstvoll geschlungene Dauerbackware aus fettarmem, leicht gesüßtem Hefeteig. Sie wird seit dem 18. Jahrhundert im Bergischen Land rund um Schloss Burg (Solingen) nach traditionellen Rezepten in Handarbeit hergestellt. Ein verwundeter Franzose aus dem Burgund, der bei einem Unterburger Bäcker einquartiert war, soll die Kunst des Brezelbackens um das Jahr 1795 mit ins Bergische Land gebracht haben. Fortan lebten viele Familien in Solingen-Burg und später auch in den Nachbarorten Wermelskirchen, Wuppertal oder Remscheid von der Brezelbäckerei. Die Bäcker vertrieben ihre Ware in großen Kiepen im gesamten Bergischen Land und auch darüber hinaus.
Aktuell gibt es nur noch zwei Betriebe, die die Burger Brezel in handwerklicher Tradition produzieren. Da es bis heute keine Maschine gibt, die derart aufwändige Brezeln schlingen kann, ist die Burger Brezel nach wie vor ein sehr arbeitsintensives Backwerk. Branchenkennern zufolge hat diese Tatsache sowie die zunehmende Technisierung und marktübliche Sortimentsgestaltung dazu geführt, dass das Burger Original vom Aussterben bedroht ist. Die staubtrockene, krosse Gebäckspezialität erfreut sich jedoch bis heute bei Einheimischen und Fremden großer Beliebtheit. Denn sie findet seit über 200 Jahren als Kinder- und Diätnahrung sowie als haltbarer Reiseproviant Verwendung.
Die Burger Brezel unterscheidet sich optisch durch ihren - je nach Größe des Gebäcks - mindestens vier- bis fünffach geschlungenen Brezelknoten sowie durch ihre gleichmäßige Form von herkömmlichen Brezeln. Um den sogenannten „Schnackenstock“ (wörtlich übersetzt „Peitschenstiel“, d.h. Brezelknoten) zu schlingen, wirft der Bäcker einen langen, gerollten Teigstrang in die Luft und „spinnt“ ihn dann mit der Hand. Charakteristischerweise wird die Burger Brezel bereits wenige Stunden nach dem Backen hart und knusprig.
Ihre Kruste ist goldbraun, was ihr einen typischen, zwieback-ähnlichen Röstgeschmack verleiht. Das kunstvoll gestaltete Gebäck zeichnet sich zudem durch eine feine Krume (Porung) aus.
Während die verkehrsübliche Bezeichnung für die Spezialität aus dem Bergischen „die Burger Brezel“ heißt, sagen und schreiben die Einheimischen viel lieber „der Burger Bretzel“ (mit kurz gesprochenem e).
Die Burger Brezel ist neben verschiedenen Brotsorten der Region, Bergischen Gusszwiebäcken, Waffeln, Kuchen, Honig, Apfel-, Birnen- oder Rübenkraut, Butter, Quark und Käse, Wurst und Schinken sowie Milchreis mit Zimt und Zucker wesentlicher Bestandteil der „Bergischen Kaffeetafel“, einer bunt zusammengewürfelten und kulinarisch sehr üppigen Mahlzeit. Man „zoppt“ (tunkt) das „dröche“ (trockene) Gebäck dabei gerne in den Kaffee. Im Zentrum der Tafel steht im Übrigen die „Dröppelmina“ („dröppeln“ = tropfen, „Mina“ = Kurzform von Wilhelmine, geläufiger Name für eine Dienstbotin), eine Kaffee-Kranenkanne aus Zinn.
Das Bergische Land war früher eine ausgesprochen arme Region, die sowohl landwirtschaftlich als auch industriell von Tuch- und Eisenwarenproduktion geprägt war. Im 18. Jahrhundert etablierte sich mit der Bergischen Kaffeetafel das „Koffiedrenken met allem dröm on dran“ (Kaffeetrinken mit allem drum und dran), zu dem jeder Eingeladene für gewöhnlich etwas zu Essen beisteuerte. Die Bergische Kaffeetafel ist bis dato ein Symbol für Bergische Gastlichkeit und wird heute in der Gastronomie gerne als traditionelle Gruppen-Mahlzeit angeboten.
Bäckerei Erich Veith
Familie Zollmarsch
Wermelskirchener Str. 17, 42659 Solingen-Oberburg
Tel. 0212-46838
Bäckerei Hösterey
Rüdiger und Sabine Hösterey
Friedrich-Ebert-Str. 104, 42117 Wuppertal-Elberfeld
Tel. 0202-306180
Slow Food® Deutschland e.V.
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