Region: Filderhochebene, südlich von Stuttgart, Baden-Würtemberg
Passagier seit: Juli 2005
Gefährdung: es gibt nur noch wenige Anbauer von Filder-Spitzkraut.
Das Filder-Spitzkraut ist eine selten gewordene und sehr geschmackvolle Untervarietät des weißen Kopfkohls mit der charakteristischen „Spitze“: s. Bilder. Es hat weniger und feinere Blattrippen als der Rundkohl; das Blatt ist zarter, feiner und milder im Geschmack.
Bei Filderkraut – ein Sammelbegriff für alle Kopfkohle der Filderregion - handelt es sich um eine Spezialität mit jahrhundertealter Tradition. Die einzigartige Bodenstruktur der Filderebene, vorwiegend fruchtbare Lößlehmböden mit hoher Nährstoffversorgung und einem konstant hohen Feuchtegehalt, sowie das spezielle Mikroklima bieten ausgezeichnete Wachstumsbedingungen für Weißkohl.
Mit der Industrialisierung und Mechanisierung verlangte die Sauerkonservenindustrie zunehmend Rundkraut, da dieses komplett maschinell verarbeitet werden kann. Als Folge ging der Anteil von Spitzkraut auf 10% (derzeit ca. 40 ha) der Gesamtanbaufläche von Kraut zurück. Von den zuvor ca. 20 Sauerkrautfabriken existieren heute noch drei. Zur erschwerten maschinellen Verarbeitung – so ist z.B. das Ausbohren des sehr langen und kräftigen Strunks beim Spitzkraut für die Sauerkrautherstellung nur mit einer speziellen Maschine möglich (s. Bild) – kommt noch die geringere Ausbeute gegenüber dem Rundkohl, das das Spitzkraut saftiger ist.
Filderkraut hat eine jahrhundertealte Tradition. Die erste urkundliche Erwähnung des Krautanbaus auf den Fildern stammt aus dem Jahre 1501. Das Spitzkraut stellt eine pflanzliche Besonderheit dar. Bis heute ist unklar, ob es durch Mutation oder Züchtung entstanden ist. Nach neueren Überlieferungen soll seine Züchtung auf die Mönche des säkularisierten Denkendorfer Kloster zurück gehen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Spitzkraut im Jahr 1772 durch den Bernhäuser Pfarrer Bischoff, der über den Krautanbau auf den Fildern schrieb:
“Das weiße Spitzkraut ist das einzige (Kraut), welches hier gepflanzt wird. Was das Filderkraut besonders geschätzt macht, ist seine feine Zartheit in den Blättern, seine weiße Farbe und überhaupt ein besserer Wohlgeschmack, worin es sich von dem in anderen Gegenden Gepflanzten auszeichnet.“
Die Direktvermarktung spielt besonders bei den Kleinerzeugern von Spitzkraut eine bedeutende Rolle. Die traditionelle Verbundenheit spiegelt sich in der Tatsache wieder, dass das Saatgut für Spitzkraut immer als sog. Haussorte der jeweiligen Betriebe anzusehen ist, und in Eigenregie gezüchtet wird. Bis heute werden keine Samen und Setzlinge über die Region hinaus vertrieben und es werden auch keine Fremdzüchtungen von Spitzkohl akzeptiert. Spitzkraut wird in erster Linie auf Wochenmärkten und in Hofläden angeboten, gelegentlich auch in Lebensmittelgeschäften mit einem gehobenen Sortiment. Selbst die Industriekrauterzeuger bauen bis heute Spitzkraut für den Eigenbedarf an.
Kimmichs Sauerkonserven
72631 Aichtal, www.kimmichs.de
Slow Food Stuttgart