Region: Rhön, Bayern/Hessen/Thüringen
Passagier seit: Juni 2005
Gefährdung: seltene Haustierrasse
Das eher großwüchsige Rhönschaf ist eine der ältesten deutschen Schafrassen und seit mindestens dem 16. Jahrhundert in der Rhön verbreitet, einem Vulkangebirge in der Mitte Deutschlands. Es ist speziell den rauen Gebirgsbedingungen angepasst – die höchsten Berge sind knapp 1.000 Meter hoch, die Durchschnittstemperaturen sind gerade mal 5 – 7° Celsius, reichlich Regen, viel Nebel und Wind gibt’s außerdem. Charakteristisch ist das Gesicht des Rhönschafs: ein schlanker, hornloser Kopf mit schwarzem Gesicht und römischem Nasenprofil. Das Vließ aus grober, wenig gekräuselter Wolle beginnt hinter den Ohren. Die langen, weißen, unbewollten Beine enden in kleinen, harten Klauen – perfekt fürs raue und felsige Terrain. In der Vergangenheit war es ein Zweinutzungsschaf, heute ist vor allem das zarte, würzige Fleisch gefragt. Zugleich wird es auch als „Landschaftspfleger“ eingesetzt; denn das Landschaftsbild der Rhön mit seinen offenen Fernen, der oftmals heideähnlichen Landschaft und den Streuobstwiesen sind ein Ergebnis der Jahrhunderte langen, einst weitverbreiteten Beweidung.
In den höheren Lagen ernährt sich das Rhönschaf von Magerwiesen und Buschsprößlingen; in den niederen Lagen „mäht“ es die Streuobstwiesen. Im Gegensatz zu anderen Rassen, deren Lämmer bereits mit 3 bis 5 Monaten schlachtreif sind haben die Lämmer des Rhönschafs erst mit etwa 8 bis 11 Monaten das richtige Schlachtgewicht. Die extensive Fütterung mit dem nährstoffarmen Futter der Magerwiesen der Hochlagen begründet die lange Mastdauer.
Während im 19. Jahrhundert jährlich bis zu 80.000 Rhönschafe nach Frankreich getrieben wurden, in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts man noch 30.000 zählte, gab es 1975 in Westdeutschland nur noch 300 Tiere. Heute weiden wieder rund 4.000 Rhönschafe in der Rhön; dennoch zählt die Rasse nach wie vor zu den gefährdeten Haustierrassen.
Das Fleisch der Rhönschafe ist außerordentlich wohlschmeckend. Berühmt wurden die Schafe, als Napoleon - bei seinem Rückzug 1813 in der Rhön aufgehalten – von ihrem Fleisch zu essen bekam und so begeistert war, dass er den Import von Schlachttieren durch Wanderherden von der Rhön bis nach Paris veranlasste. Das Fleisch der Tiere war danach dort so begehrt, dass sie wohlklingende Namen bekamen wie „mouton de la reine“ (königliches Schaf), was die hohe Qualität dokumentieren sollte.
Das Fleisch von Lamm und Schaf ist durch das langsame Wachstum relativ kurzfaserig und daher zart. Durch das reiche Kräuterangebot der kargen Wiesen erhält das Fleisch zusätzlich einen leichten Wildgeschmack, der beim Lamm fein und zart, beim Schaf und Hammel ausgeprägter und würziger zur Geltung kommt.
Einige Rhöner Metzger werden gerühmt für ihre Würste und Schinken, bieten inzwischen gesuchte Lammspezialitäten: Geräucherte Schinken und Salami sowie Leberwurst, weißen Pressack und Rotwurst. Viele regionale Gastronomen haben alte Rhönschafgerichte wiederentdeckt oder sogar neue Spezialitäten geschaffen; bei Gasthöfen der Wirtevereinigung „Aus der Rhön, für die Rhön“ gehören Genüsse vom Rhönschaf sogar zum täglichen Standard.
Die Produzenten
Weitere Rhönschafhalter vermittelt die GEH - Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen, Geschäftsstelle, Postfach 1218, 37202 Witzenhausen, Telefon: 05542-1864, Fax 05542-72560, geh.witzenhausen@g-e-h.de
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