Region: südlicher Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt
Passagier seit: März 2006
Gefährdung: traditionelles Herstellungsverfahren, nur noch wenige Hersteller
Milbenkäse ist ein „Trüffel" unter den Käsesorten, seine ungewöhnliche Geschmacksvielfalt ist sehr geschätzt. Er wird aus getrocknetem Magerquark hergestellt. Die Grundlage sind dafür Ziegen-, Schafs- oder Kuhmilch.
Der Käse lagert viele Wochen in Kisten mit speziellen Käsemilben. Hier erfährt der Quark seinen Reifeprozess. Die Milben fermentieren den Käse. Damit er nicht von ihnen aufgefressen wird, werden die Milben mit Roggenmehl gefüttert. Dieser Prozess kann ein viertel bis hin zu einem halben Jahr in Anspruch nehmen und erfordert eine intensive und individuelle Betreuung. Weil die Milben im Winter eine Ruhephase haben, kann der Käse auch nur saisonal vom Frühjahr bis zum Herbst hergestellt werden. Das Besondere des Milbenkäses ist die extrem lange Haltbarkeit, die bei einzelnen Exemplaren bis zu 30 Jahren nachgewiesen werden konnte.
Der Geschmack des Milbenkäses ist vergleichbar mit einem besonders würzigen Harzer Käse. Die speziellen Aromen sind jedoch nur schwer zu benennen und bilden einen für den Milbenkäse typischen Geschmack mit einer leichten Bitter-note. Der Käse ist im besten Reifezustand bernsteinfarben und die Textur ist mittelfest bis hart.
Milbenkäse schmeckt nicht nur, sondern kann auch homöopathisch wirken. Er hat positive Auswirkungen auf den Verdauungstrakt und die Darmflora und kann einen Beitrag gegen Allergien leisten.
Schon seit mehr als 300 Jahren ist der Milbenkäse nachweislich im Altenburger Land bzw. in Würchwitz angesiedelt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts ist diese traditionelle Art der Käseherstellung immer mehr in Vergessenheit geraten. Während die Milbenkäse-Tradition spätestens nach den zweiten Weltkrieg in den anderen Orten ausgestorben war, haben sie in Würchwitz einige Familien weiter gepflegt. Heute ist der Käse in der Region nicht nur ein kulinarisches Unikum, sondern zieht auch Besucher aus aller Welt an.