Presidi
Foto: Limpurger Rind | Stefan Abtmeyer
Presidi sind konkrete Beispiele einer neuen, nachhaltigen Landwirtschaft. Sie erhalten lokale Ökosysteme, regionale Traditionen und schaffen Lebensmittel von unverwechselbarer Qualität. Eine Qualität, die nur erreicht wird, wenn die Bedürfnisse von Umwelt, Mensch und Tier nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in Einklang gebracht werden.
Das Presidio-Projekt wurde im Jahr 2000 von der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt ins Leben gerufen, da erkannt wurde, dass man Veränderungen nicht herbeireden, wohl aber gestalten kann. Während die Arche des Geschmacks Schützenswertes beschreibt, auflistet und damit vor dem Vergessen bewahrt, übernimmt das Presidio aktive Förder- und Schutzaufgaben. Ein Presidio (ital. für Schutzraum) versteht sich dabei als ein Netzwerk von engagierten Landwirten, handwerklich arbeitenden Lebensmittelproduzenten, interessierten Händlern, Köchen, wissenschaftlichen Experten und bewussten Verbrauchern, welche sich zusammen aktiv um den Erhalt von bestimmten Pflanzensorten, Tierrassen, Lebensmitteln und Kulturlandschaften einsetzen.
Die gemeinsamen Aktivitäten eines Presidio gestalten sich nach folgenden Kriterien:
Qualität und Nachhaltigkeit - zukunftssichernd für die Landwirtschaft
Qualitativ hochwertige Lebensmittel, deren ökologisch-nachhaltige Herstellung sowie die Verankerung in der kulturellen Identität einer Region sind auch die Grundlage dafür, den Erzeugern ein angemessenes Einkommen zu sichern und damit eine berufliche Perspektive für kommende Generationen zu erhalten. Damit wird eine nachhaltige, bäuerlich geprägte Landwirtschaft und eine handwerkliche Lebensmittelproduktion ermöglicht, die sowohl wirtschaftlichen, als auch ökologischen und soziokulturellen Ansprüchen gerecht wird.
Bewahren der Kultur und Identität einer Region
Jedes Presidio ist einzigartig, da es an eine bestimmte Region und deren Tradition, Kultur und Landschaft gebunden ist. Pflanzen, Tiere, Rezepte und Herstellungsweisen sind von regionalen Rahmenbedingungen geprägt oder aus ihnen hervorgegangen. Ob Streuobstwiesen des Albtraufs, fränkischer Grünkern, Weideochsen vom Limpurger Rind oder Bamberger Hörnla – sie alle sind fest mit einer bestimmten Region verbunden – und damit einmalig.
Aufgaben und Aktivitäten
Der besondere, ortsgebundene Charakter eines Presidio bedeutet vielfältige naturgemäß Aufgaben und Aktivitäten. Engagement für die lokale Artenvielfalt, neue Kommunikation- und Marketingmaßnahmen, Teilnahme an nationalen wie internationalen Messen und Märkten, Zusammenarbeit mit Tourismusbehörden, der internationale Austausch und Kontakt mit Fachkollegen oder wissenschaftlichen Experten - die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Akteure des Presidio-Netzwerks auch. Koordiniert werden die Presidio Aktivitäten von dem zu gründendem Förderverein, dem alle Produzenten und mindestens ein Slow Food Mitglied des örtlichen Conviviums (= Slow Food Ortsgruppe) angehören. Die Leitung liegt in den Händen des Vertreters der Produzenten und dem Slow Food Mitglied.
Wie wird ein Presidio gegründet?
Um Presidio zu werden ist es nicht zwingend notwendig, schon Passagier der Arche des Geschmacks zu sein, auch wenn dies der Regelfall ist. Wichtigere Vorrausetzungen sind die Einzigartigkeit des Produkts, dessen regionale und historische Verankerung sowie dessen traditionelle und nachhaltige Erzeugung. Zudem sollten schon festere Strukturen existieren, also eine Gruppe von Förderern und Interessierten, welche sich bereits für den potentiellen Presidio-Kandidaten engagiert. Sind diese Voraussetzungen vorhanden, kann man sich an die Arche - Kommission wenden, welche prüft ob die Voraussetzungen für ein Presido erfüllt werden und die notwendige Dokumentation übernimmt. Aussichtsreiche Kandidaten werden bei der Internationalen Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt vorgeschlagen. Bei einem Besuch der Stiftungsexperten vor Ort wird dannüber die Aufnahme in die internationale Presidio-Gemeinschaft entschieden.
Fotos: Die vier deutschen Presidi präsentierten sich auf der internationalen Slow Food Messe "Salone del Gusto" in Turin im Oktober 2010 | K. Heuberger
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