Angler Rind

Angler Rind a. Z.

 

Arche-Passagier seit 2008
Unterstützt von Slow Food Hamburg

Beschreibung des Passagiers

Angler Rind

Als Angler Rind alter Zuchtrichtung werden die Tiere der Rotviehrasse Angler Rind bezeichnet, die nicht mit anderen Rinderrassen zur Leistungsverbesserung gekreuzt wurden. Das Hauptverbreitungsgebiet des Angler Rindes liegt in der Region Angeln, einer Halbinsel im Nordosten Schleswig-Holsteins. Der erste schriftliche Hinweis auf das Angler Rind stammt aus dem 16. Jahrhundert. 1937 wurden 81.000 Angler Rinder in der Region gehalten, das waren 94 % des Rinderbestandes. Durch die Konkurrenz der schwereren und milchleistungsstarken „bunten“ Rinderrassen verminderte sich der Bestand dramatisch. Durch den hohen Fettgehalt der Milch von 5,4 % wurde das Angler Rind früher als die „deutsche Butterkuh“ bezeichnet. Diese positive Eigenschaft beschleunigte den Niedergang, als beim Milchpreis die Milchmenge höher bewertet wurde als die Milchinhaltsstoffe. Der Spruch der Milchviehhalter „Dat Fett mokt de Pries“ verlor seine Gültigkeit.

Im Jahr 2000 stellte man bei der Auswertung des Herdbuches fest, dass der Bestand des reinrassigen Angler Rindes nur noch aus 60 Tieren bestand, die zwischen 10 und 16 Jahren alt waren. Ein biblisches Alter für Rinder. Inzwischen ist der Bestand auf 360 weibliche und 10 männliche Tiere angewachsen. Dies war möglich, weil in Besamungsstationen noch 40 Jahre alte Besamungsportionen lagerten. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) ernannte es zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2002.

Diese Rinderrasse besitzt noch die ursprünglichen Eigenschaften, die bei Hochleistungsrassen nicht mehr so ausgeprägt vorhanden sind: ein ökonomisches Verhältnis von Gesamtfutteraufwand zur Milchleistung, hohe Milchinhaltsstoffe, Langlebigkeit, leichte Kalbungen und geringe Kälberverluste und eine hervorragende Marschfähigkeit (= gut zu Fuß). Wegen seiner Robustheit wurde es in großer Zahl in Länder mit rauem oder heißem Klima exportiert, wo es lange Wege für das Futter zurücklegen oder heißes Klima aushalten muss. Da auch der Eiweißgehalt sehr hoch ist und die meisten Väter Träger des Kappa-Casein-Gens sind, besitzt die Milch günstige Eigenschaften für eine gute Käsequalität. In Italien wurde aus diesem Grunde eine Herde des
Angler Rindes aufgebaut. Die Milch wird getrennt von der Milch anderer Rinderrassen zu Parmesan verarbeitet, damit das Ergebnis verglichen werden kann. Im Jahre 2006 war Italien der größte Importeur von Färsen des Angler Rindes.

Die Zukunftsentwicklung kann sehr vorsichtig als positiv bezeichnet werden. Die Robustheit könnte größere Bedeutung erlangen. Während die „Hochleistungsrassen“ heute 3 – 4 Kalbungen erleben, sind beim Angler Rind 7 Kalbungen möglich, die fast immer problemlos verlaufen. Allein für die Klauenpflege ist ein erheblich geringerer Aufwand erforderlich. Der Anteil der Grundfutterversorgung mit Gras, Klee und Grassilage zur Erbringung der Milchleistung beträgt bereits 50 %, so dass nicht zu viel Kraftfutter zugekauft werden muss. Dessen Preis auf dem Weltmarkt steigt wegen der Nachfrage nach Milchprodukten in Asien permanent.

Das Angler Rind hat ein zartes Fleisch mit einem geringen Bindegewebsanteil und einem guten Safthaltevermögen. Es lagert verhältnismäßig viel Fett intramuskulär ab. Dies macht das Fleisch wohlschmeckend. Käse, der nur aus der Milch des Angler Rindes hergestellt wurde, ist zur Zeit kaum verfügbar.


Die Region des Arche-Passagiers

Ursprungsregion der Züchtung:
Halbinsel Angeln in Schleswig-Holstein


Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Die Züchter:


Bezugsquelle:
Milchprodukte und Fleisch
Demeterhof Lehmann
24977 Langballig
www.lorenzenhof-langballig.de

Kontakt
:
Klaus Franzen
Slow Food Convivium Hamburg
kfn-hh@web.de



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