Diepholzer Gans

Alte deutsche Gänserasse aus Niedersachsen

   
Arche-Passagier seit 2017
Unterstützt von Slow Food Diepholz

Beschreibung des Passagiers

Optische Merkmale sind die aufrechte Körperhaltung, das reinweiße Gefieder, ein schlanker, nicht dickbackiger Kopf mit orangefarbenem Schnabel, ein mittellanger, schlanker, schmal aufgesetzter und aufrecht getragener Hals, ein mäßig gestreckter Rumpf mit geradliniger, nur mäßig abfallender Rückenpartie und rötlichen Füßen.

Die Diepholzer Gans ist ein Weidetier und eine der wenigen noch existierenden Landgänserassen. Sie stammt ursprünglich von Moorniederungen aus dem Umkreis von Diepholz in Niedersachsen. Die mageren Weiden brachten dort relativ kleine Landschläge hervor. Aus diesen wurde die Diepholzer Gans herausgezüchtet, die wesentlich leichter ist als die Gänse heutiger Hybridlinien. Seit 1925 ist diese als eigenständige Rasse anerkannt.

„Charakteristisch für die Diepholzer Gans sind ihre hohe Widerstandsfähigkeit, die ausgezeichnete Marschfähigkeit und die sehr gute Futterdankbarkeit“, beschreibt der Herdbuchverein die Tiere. Sie gilt zudem als sehr fruchtbar. Auch in den heutigen Zuchtstämmen sind bei den weiblichen Tieren der Bruttrieb sowie das Betreuen und Führen der Gössel bewahrt worden. Damit ist die Diepholzer Gans für nachhaltige Geflügelhaltung prädestiniert. Heute wird sie als mittelschwere Gänserasse eingestuft. Bei reiner Weidehaltung mit geringer Zufütterung erreicht sie knapp fünf Kilogramm.


Gefährdung des Passagiers

 
Bis über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinaus trieben Züchter die Gänse als typisches Produkt der Region Diepholz in Herden für die Vegetationsperiode auf moornahe, zeitweilig überschwemmte, karge Weiden. Dort lebten und brüteten die Gänse in der Regel ohne besondere Aufsicht. Ab Spätherbst wurde ein Teil auf den Höfen gemästet, der andere Teil der Gänse gelangte in Herden zu Fuß in die weitere Umgebung bis nach Bremen, Oldenburg, Osnabrück und sogar bis ins Ruhrgebiet. Dort wurden sie als Martins- oder Weihnachtsgans verkauft. Für die Hochleistungszucht erweist sich die hervorragende Eigenschaft Genügsamkeit als wirtschaftlicher Nachteil: Heutige Hybride erreichen mit Kraftfutter Schlachtgewichte um zehn Kilogramm. Zudem verlor die Diepholzer Gans ihren Lebensraum: Sie benötigt in extensiver Haltung relativ viel Weideplatz. Aber Gemeindeweiden wurden abgeschafft und immer mehr Moorweiden kultiviert.

In den 1980er-Jahren galt die Diepholzer Gans als fast ausgestorben. Dann aber setzte eine bewusste Nachzucht ein, die auch zum Wiederaufleben des Herdbuchs geführt hat. Dennoch ist sie weiterhin in Gefahr: In der roten Liste wird sie als „stark gefährdet“ (Kategorie 2) geführt (gemeinsame Liste alter und einheimischer Geflügelrassen in Deutschland der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e.V. und des Bunds Deutscher Rassegeflügelzüchter).


Erwerbbarkeit des Passagiers

Heinrich Bollhorst aus Diepholz begann in den 1980er-Jahren, wieder Diepholzer Gänse zu züchten. Er gilt als ihr Retter. Heute engagieren sich ausschließlich Hobbyzüchter für die Diepholzer Gans, wobei nur wenige mehr als 50 Tiere halten. Die wirtschaftliche Bedeutung der Diepholzer Gans ist gering. Dass sie ausschließlich von Hobbyzüchtern gehalten wird, beschreibt auch die agrarische Bedeutung. Aber in jüngerer Zeit haben Schäfer Interesse bekundet, die Diepholzer Gans wieder auf extensive Weiden zu treiben und kommerziell zu nutzen.

Dem Herdbuchverein gehören zur Zeit (Mitte 2017) 60 Mitglieder an. Die Haltung auf traditionellen Extensionsflächen ist, wenn überhaupt, selten. Die Regel sind heute hofnahe Flächen mit Ställen, in denen sie nachts vor Fuchs (und Wolf) geschützt werden können.


Regionale Bedeutung des Passagiers

In jüngster Zeit hat sie aber wieder einen festen Platz im Bewusstsein der Bevölkerung in der Region Diepholz erreicht. Ihre Existenz wird mit einem gewissen Stolz wahrgenommen. Das schlägt sich auch im erzielbaren Verkaufspreis nieder. Mit ca. 12 Euro pro Kilogramm wird vom Kunden ein deutlich höherer Preis als für Supermarktware akzeptiert.

Angesichts der überschaubaren Zahl der Halter ist der Markt für die Diepholzer Gans klein. Zumeist wird sie von den Kleinzüchtern zu Martini, häufiger aber zu Weihnachten an Freunde und Bekannte abgegeben. In den sonstigen Handel gelangt sie derzeit nicht. Jährlich im November findet seit einigen Jahren in der Kreisstadt Diepholz als Stadtfest der „Gänsetag“ statt, der die Popularität der Rasse in ihrer heimatlichen Region wieder stark befördert hat. Er wird in Zusammenarbeit der Fördergemeinschaft lebendiges Diepholz und des Herdbuchvereins durchgeführt.


Geschmack des Passagiers

Solange die Diepholzer Gans in Weidefütterung gehalten wird, entwickelt sie sich zu einem relativ fettarmen Tier. Beim Braten gibt sie erheblich weniger Fett ab als Gänse von Hybridlinien. Dabei bleibt das Fleisch zart. Wird in den letzten Mastwochen reichlich zugefüttert, zum Beispiel Hafer, wie in der Region üblich, so legt sie deutlich an Gewicht zu, was weitgehend auf Fettansatz entfällt.


Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Der Herdbuchverein wird geführt von:

Horst Johanning
Masch 1
49356 Diepholz
Tel. (0 54 41) 32 28
johanning.horst@googlemail.com

Züchter (in der GEH Nordwest organisiert):

Heinrich Bollhorst
Wiesengrund 18
49356 Diepholz

Arche Wilhelminenhof
Angelika + Michael Balz
Große Heide 2
9456 Bakum

Arche-Hof
Freidorfer Hachetal
Heinrich Dreyer
Freidorf 8

Lars Degen
Alter Damm 1
49179 Ostercappeln-Venne

Horst Johanning (Herdbuchführer)
Masch 1
49356 Diepholz

Carmen Richter
Auf dem Höfel 4
49453 Dickel

Schäferei am Dümmer
Michael Seel
Fischerstatt 119
49448 Stemshorn

Heinrich Schierholz
Pennigsehler Weg 39
27246 Borstel

Ulf Schütte
Brinkstr. 4
4963 Bohmte-Huntenberg

Wolbert Schnieders-Kokenge
Wiesenweg 22
49356 Diepholz

Jan Teerling
Schmiedestr. 13
27232 Sulingen

Kay Trinkler
Fuchsweg 43
28857 Syke

Michael Wilmsmann
Zum Schullenmoor 4
32369 Rahden-Varlheide


Bilder: © Wolbert Schnieders-Kokenge


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