Weideochse vom Limpurger Rind

Weideochse vom Limpurger Rind

Die älteste Rinderrasse Baden-Württembergs

 

Arche-Passagier seit 2005
Unterstützt von Slow Food Mainfranken-Hohenlohe

Beschreibung des Passagiers

Das „Limpurger Rind“, auch als „Leintäler Rind“ bekannt, ist die älteste Rinderrasse Württembergs. Entstanden nach dem 30-jährigen Krieg aus Kreuzungen des Roten Landviehs mit Allgäuer Vieh hielt sie sich bis heute rein. Ihren Namen hat sie von der Grafschaft Limpurg, dessen von tief eingegrabenen Flusstälern durchschnittenes Hügelland mit Höhen bis über 500 Meter sowie die Haltungsbedingungen und klein-bäuerlichen Wirtschaftsverhältnisse die Rasse prägten. Im angrenzenden Hohenlohe wurden - des Fleisches wegen - vor allem die Ochsen gemästet; ein seinerzeit hochprofitables Geschäft,  was im 19. Jhdt. für heute noch sichtbaren Wohlstand sorgte.

Die einfarbigen Rinder in Tönungen von hellgelb bis rotgelb sind mittelgroß; die Weideochsen hingegen werden ungewöhnlich groß und schwer. Die Rasse zeichnet sich aus durch gute Bemuskelung, kräftige, tiefe Brust und regelmäßig gestellte Gliedmaßen mit harten Klauen, feinem Knochenbau; bei den Kühen zudem durch günstige Mutterkuheigenschaften, während bei den Weideochsen  Härte und Mastfähigkeit hervorstechen.

1897 zählte man noch 56.000 Limpurger Rinder, 1963 nur noch einen Bullen und 17 Kühe im Herdbuch. In den 1980er Jahren war die Rasse fast ganz ausgestorben. Heute verzeichnet das Herdbuch der Züchtervereinigung Limpurger Rind wieder knapp 500 Tiere, davon 420 Kühe. Wegen der geringen Population werden keine Kälber geschlachtet, sondern frühestens Färsen, soweit sie nicht zur Zucht nötig sind. Nicht als Vererber gekörte Bullenkälber leben als Weideochsen.


Geschmack des Passagiers

Schon im 19. Jhdt. lobte man, dass insbesondere die Limpurger Ochsen ein „ganz vorzüglich zartes, saftiges und wohlschmeckendes Fleisch“ liefern, das man sogar über die Landesgrenzen hinaus transportierte „wo für feinere Fleischqualität auch ein entsprechend höherer Preis bezahlt“ wurde. Sie waren maßgeblich beteiligt an dem seinerzeit von Pariser Feinschmeckern geprägten Markenbegriff „Boeuf de Hohenlohe“, ein heute wieder zu Ehren gekommener und geschützter Begriff (g.g.A.).

Heute freilich sind Weideochsen vom Limpurger Rind mit ihrem außergewöhnlich geschmacksstarken und feinen Fleisch eine eigenständige Kategorie, für die eine "Geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.) bei der EU in Brüssel angemeldet ist. Nur Limpurger Weideochsen aus dem traditionellen Zuchtgebiet (Limpurger Berge, Welzheimer Wald, Ostalb-Vorland) sowie aus dem angrenzenden Hohenlohekreis sind dafür zugelassen, vorausgesetzt weitere Bedingungen sind erfüllt:

Die Ochsen müssen langsam wachsen und dürfen deshalb nur weiden und im Winter mit Wiesenheu gefüttert werden; jede Beigabe von Soja und dessen Erzeugnisse oder Maissilage ist verboten. Weiterhin dürfen die Ochsen erst ab dem 25. Monat geschlachtet werden (seit 2010 sogar erst ab dem 31. Monat). Und das Fleisch muss unvakuumiert am Knochen reifen.

Das Angebot ist naturgemäß noch klein: 2005 wurden 15 Limpurger Weideochsen geschlachtet, 2006 vielleicht 25. Das Fleisch vermarkten die Züchter meist direkt. Abnehmer ist vor allem die regionale Top-Gastronomie.  Doch gibt es inzwischen auch einige Metzgereien, z.B. Bauers Brotzeit in Tauberbischofsheim-Distelhausen, die gelegentlich „Limpurger Boeuf de Hohenlohe“ anbieten.


Grund der Gefährdung

Selten gewordene Haustierrasse.


Die Region des Arche-Passagiers

Limpurger Berge, Welzheimer Wald, Ostalb-Vorland, Hohenlohekreis, Kreis Schwäbisch Hall.

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Die Produzenten:

Gerhard Vogel, Archehof , Welzheim-Eberhardsweiler

Martin Mayer, Obersontheim - Engelhofen

Friedrich Hess, Gaildorf-Eutendorf

Gerhard Rieger, Heuchlingen – Holzleuten

Vollzugsanstalt Kleincomburg, Schwäbisch Hall

Gottfried Winter, Abtsgmünd – Laubach

Johannes Kruck, Mulfingen – Unterer Railhof

Rainer Hofmann, Blaufelden – Wittenweiler

Harald Glasbrenner, Tüngental

und andere.

Weitere Adressen:

Züchtervereinigung Limpurger Rind
Werner Ehmann
Vorsitzender
Walklensweiler 7
71543 Wüstenroth
Tel. (0 79 45) 25 84

Die Förderer:

Züchtervereinigung Limpurger Rind Slow Food Hohenlohe-Tauber-Main-Franken


Presidio

Der Weideochse vom Limpurger Rind ist eines der vier Presidi in Deutschland. Mehr Informationen zu dem internationalen Presidi-Projekt der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt finden Sie hier.

Aktuelle Informationen rund um den Weideochen vom Limpurger Rind finden Sie beim Convivium Hohenlohe-Tauber-Main-Franken. Bitte klicken Sie hier.


Bilder: © Slow Food Archiv (3)


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