Weideochse vom Limpurger Rind

Region: Württemberg

Presidio seit 2009

Die älteste Rinderrasse Württembergs

Die Limpurger Rinderrasse entstand nach dem 30-jährigen Krieg in der ehemaligen Grafschaft Limpurg südlich von Schwäbisch Hall aus Kreuzungen des dort noch vorhandenen Roten Landviehs mit dem Allgäuer Vieh.

Die Weiden und Hänge der hügelig-bergigen Landschaft Limpurgs, des Welzheimer Waldes und des Albvorlandes mit ihren tiefen Flusstälern von Lein, Rems und Kocher prägten die Rasse ebenso wie die Jahrhunderte lange Bedeutung des Rindviehhandels, insbesondere der Ochsen.

In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft dieser Region dienten die Tiere als so genannte Dreinutzungstiere, die neben der Arbeitsleistung auch Milch und Fleisch lieferten. Bereits im 18. Jahrhundert war das Mästen der Ochsen insbesondere in Hohenlohe eine der wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten. Sie verhalf den Bauern dieser Region zu beachtlichem Wohlstand, da die Tiere mit gutem Gewinn verkauft werden konnten. Schon in Texten des 19. Jahrhunderts lobte man das besonders geschmackvolle, zarte und saftige Fleisch der Limpurger Ochsen, das überwiegend in die Städte außerhalb der Region - bis nach Frankreich und in die Schweiz - verkauft wurden. Man war gerne bereit, einen höheren Preis für die Limpurger Ochsen mit ihrer hervorragenden Fleischqualität zu bezahlen.

Das Fell der einfarbigen, mittelgroßen Rinder variiert von hellgelb bis rotgelb. Die bodenständige und älteste noch existierende Rinderrasse Württembergs zeichnet sich durch Ausdauer, gute Bemuskelung, eine kräftige tiefe Brust, regelmäßig gestellte Gliedmaßen mit harten Klauen, einem feinen Knochenbau und günstigen Mutterkuheigenschaften aus. Die Ochsen vom Limpurger Rind werden im Vergleich zu den Kühen ungewöhnlich groß und schwer und liefern somit einen sehr hohen Schlachtertrag. Sie weiden während der Vegetationsperiode und nur mit hofeigenem Raufutter und hofeigenem Getreide gefüttert – ohne jegliche Zugabe von Soja, Mais oder Maissilage. Ihr Fleisch ist besonders saftig, feinfaserig und zart mit optimaler Fettabdeckung und Marmorierung; es hat einen klaren, intensiven und würzigen Rindfleischgeschmack.


Geschichte des Presidio

1835 wurde der Landwirtschaftliche Bezirksverein von Aalen und Schwäbisch Gmünd in der Ursprungsgegend des Limpurger Rindes gegründet, um unter anderem die Züchtung der Limpurger Rinderrasse zu fördern. Ende des 19. Jahrhunderts zählte man noch 56.000 Tiere. Mit Einführung der Motorisierung in der Landwirtschaft hatte sich die Situation radikal verändert: 1963 registrierte das Herdbuch nur noch einen Bullen und 17 Kühe. Daneben gab es noch mehrere hundert Tiere in Nicht-Herdbuchbetrieben. In den achtziger Jahren galt die Rasse als fast gänzlich ausgestorben.

Die 1987 gegründete Züchtervereinigung Limpurger Rind fasste die noch vorhandenen Tiere zusammen und betreut sie seitdem in einem Erhaltungs-Zuchtprogramm. Das Presidio „Weideochse vom Limpurger Rind“ wurde 2009 in Zusammenarbeit mit der regionalen Züchtervereinigung Limpurger Rind e.V. in Schwäbisch Hall gegründet und arbeitet gemäß nachhaltiger und traditioneller Methoden in der Züchtung, Haltung, Mast und Fleischreifung. Heute leben im Produktionsgebiet – nach wie vor das ursprüngliche – wieder ungefähr 420 ins Herdbuch eingetragene Kühe mit entsprechender Nachzucht.

Da diese Zahl noch zu niedrig ist, werden keine Jungtiere geschlachtet, sondern nur die zur Zucht ungeeigneten Färsen. Von den männlichen Kälbern wird bislang der größere Teil als ca. 11 Monate alte Jungbullen geschlachtet, falls sie nicht für die Weiterzucht genutzt werden. Der kleinere Teil hingegen wird als Weideochsen aufgezogen. Das delikate Fleisch der Weidochsen vom Limpurger Rind war schon im 19. Jahrhundert in der Spitzengastronomie hoch geschätzt. Für diese hohe Fleischqualität will man in Zusammenarbeit mit einigen ausgewählten Metzgereien und Restaurants einen gerechten Marktpreis finden und damit der Züchtervereinigung helfen, die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren.


Was bisher erreicht wurde

- Das Mindestlebensalter der Ochsen wurde von 24 auf mittlerweile 30 vollendete Lebensmonate heraufgesetzt; in der Praxis hat sich ein Mindestlebensalter von 34 - 38 Monate eingependelt. Die Festlegung auf 36 Monate Mindestalter wird angestrebt, doch wird das noch eine Weile brauchen, da dies Auswirkungen auf den Preis und die Marktakzeptanz hat.

- Ein Markenzeichen wurde geschaffen und in die deutsche Markenzeichenrolle eingetragen. Dieses Markenzeichen erhalten nur Ochsen, die den definierten Markenkriterien und Vorschriften genügen hinsichtlich Rasse, Region, Alter, Haltung, Fütterung, Fleischreifung.

- Das Convivium hat schon seit einigen Jahren auf der Startseite seiner Webseite www.slowfood-htm.de einen Hinweis, wo man Fleisch vom Limpurger Weideochsen kaufen bzw. in welchen Restaurants man es angeboten bekommt. Zudem hat das Presidio hat dafür gesorgt, dass die Züchtervereinigung eine eigene Webseite verwirklicht hat.

- Limpurger Weideochsenfleisch wird seit Jahren auf der Slow Food Messe Stuttgart präsentiert und verkauft. Außerdem war das Presidio 2010 beim Salone del Gusto in Turin mit einem Stand präsent. Bei verschiedenen anderen Messeveranstaltungen von der Grünen Woche in Berlin bis zum Maimarkt in Mannheim und in regionalen Messen wurden neben Limpurger Rindern auch da und dort ein Ochse präsentiert.

- Anlässlich des Terra Madre Tages 2009 wurde das Terra-Madre-Netzwerk "Weideochse vom Limpurger Rind" ins Leben gerufen und mit einer Presseinformation bekannt gemacht. Seit 2010 informieren Nachrichtenbriefe regelmäßig über Neuigkeiten, Kauf- und Genussmöglichkeiten des Limpurgers in der Region. Allgemein berichten Fernsehen und Presse ausführlich und zahlreich über den Limpurger Weideochsen, z.T. sehr ausführlich.

- 2010 wurde ein Züchter von Limpurger Weideochsen mit dem Agrarkultur-Preis Hohenlohe in der Kategorie "Biodiversität" ausgezeichnet.

- Ein Werbekonzept für Plakate, Thekenaufsteller und Roll-ups bzw. ähnliche Großaufsteller wurde entwickelt. Die Hohenlohe Gesellschaft finanzierte die Entwicklung einer Broschüre, die zur Konsumenten- wie auch zur Verkaufsunterstützung eingesetzt werden soll. Die Broschüre wird erstmals 2012 zum Einsatz kommen.

- Es gelang, einen weiteren Metzger in Hohenlohe für den Vertrieb zu gewinnen. Damit sind nun vier Metzgereien in der Region für Konsumenten aktiv: Bauer's Brotzeit, Tauberbischofsheim-Distelhausen; Jagsttal-Metzgerei Zinsler, Mulfingen; Metzgerei Häußler, Künzelsau; Metzgerei Hespelt, Schwäbisch Hall-Hessental.

- 2013: Die Europäische Kommission hat den Weideochsen vom Limpurger Rind in die Liste der geschützten Ursprungsbezeichnungen (g. U.) aufgenommen. Die Anerkennung der EU für das außergewöhnlich geschmacksstarke und feine Fleisch der Limpurger Weideochsen bedeutet einen großen Erfolg für die Anstrengungen des Slow Food Presidio-Projekts "Weideochse vom Limpurger Rind" zum Erhalt dieser traditionsreichen Rinderrasse.


Kontakt

Produzentenreferent
Dieter Kraft
(0 79 04) 70 07 35 19
Limpurger@Rind-BW.de

Presidiokoordinator
Hans Werner Bunz
(0 97 21) 47 36 74
bunz@slowfood-htm.de

Das Presidio wird unterstützt von:
Züchtervereinigung Limpurger Rind e.V.
Marketinggesellschaft Baden-Württemberg (MBW)
Hohenlohe Gesellschaft
Slow Food Hohenlohe-Tauber-Main-Franken


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de