Menschen und Bienen – ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr

Das angebliche Bienensterben ist ein vieldiskutiertes Phänomen. Wenn die Bienen sterben, so die landläufige Befürchtung, dann ist auch die Zukunft der Menschheit in Gefahr. Doch wie sehr sind unsere Bienen wirklich gefährdet? Und was bedeutet das für uns? Ein neues Buch renommierter Wissenschaftler, erschienen im Oekom-Verlag, liefert Antworten.

Bienen leben schon deutlich länger auf der Erde als Menschen und begleiten ihre Geschichte wohl seit Urzeiten. Bis zu 30.000 Bienenarten gibt es weltweit. Zweifellos sind sie beliebte und geeignete Protagonistinnen einer ökologischen Gefährdungsdebatte – wenn auch erst seit ca. 10 Jahren. Vor allem seit dem häufig als "mysteriös" dargestellten Phänomen der "Colony Collapse Disorder (CCD)" rückte die Besorgnis um die Bienen stärker in den Focus. Bei diesem Phänomen verlassen die adulten Bienen den Stock und lassen die Brut zurück, die folglich stirbt. Die Bienen verschwinden auf unerklärliche Weise, sie verlassen uns... Dass es für dieses Verschwinden bis dato keine eindeutig geklärten Ursachen gibt, beflügelt einmal mehr die Vermutungen einer tiefer liegenden ökologischen Krise.

Gefahr abnehmender Populationen besteht

"Von einem allgemeinen Bienensterben kann freilich vorerst keine Rede sein", schreibt Herausgeber Stephan Lorenz in seiner neuen Publikation "Menschen und Bienen. Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr". Und dennoch: die Gefahr von abnehmenden Populationen besteht. Mögliche Ursachen dafür können Krankheiten und Parasiten, Habitatverluste durch Monokulturen, Chemieeinsatz und GVOs in der Landwirtschaft, der weltweite Handel mit Bienenprodukten, vermehrte Bienentransporte für Bestäubungszwecke sowie Auswirkungen des Klimawandels und nicht zuletzt die Abnahme der Bienenhaltung sein. Aber welche reale Gefahr stellen Bienenrückgänge eigentlich dar – auch für uns Menschen? Bei der Beantwortung dieser Frage rückt zweifellos die Bedeutung der Bestäubung in den Vordergrund – vor allem in der Landwirtschaft, denn der Bedarf an Bienenbestäubung steigt in Europa beinahe fünf Mal so schnell an wie die Bienenhaltung. Das ist besorgniserregend, lässt sich auf der anderen Seite aber auch als eine gute Nachricht verstehen, denn der steigende Bestäubungsbedarf setzt ökonomische Anreize für mehr Bienenhaltung. Eine nahende ökologische Katastrophe lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Diskussionsbeiträge aus Wissenschaft und Praxis

Die Rolle der Bienen bestimmt sich im Zusammenleben von Menschen und Bienen und verändert sich dabei immer wieder. Ab wann Bienen als gefährdet zu gelten haben, welche Ursachen dafür anzugeben sind und welche Konsequenzen das hat, hängt vermutlich wesentlich von gesellschaftlichen Entwicklungen, Deutungen, Interessen und Zielen ab. Das neue, von Stephan Lorenz und Kerstin Stark herausgegebene Buch versammelt Diskussionsbeiträge aus Wissenschaft und Praxis, Natur- und Sozialwissenschaft, Agrar- und Kulturwissenschaft sowie Industrie und Naturschutz. Lorenz und Stark machen deutlich, dass die Probleme, aber auch die Positionen und Debatten um das Bienensterben vielschichtiger und kontroverser sind als oftmals angenommen.

Stephan Lorenz / Kerstin Stark (Hrsg.),
Menschen und Bienen. Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr

246 Seiten
ISBN-13: 978-3-86581-713-6
Erscheinungstermin: 04.06.2015
29,95 Euro / 30,80 Euro (A)
Verlag: Oekom

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