Genießen? Was braucht es dazu?
Eine Geschmacksprobe der besonderen Art fand in den Räumen des Deutschen Hausfrauenbundes in Augsburg statt. Es ging darum, den eigenen Geschmacksinn ganz bewusst zu erleben. Dazu traten Tüten- und Fertiggerichte mit ihren künstlichen Zusätzen und Aromen gegen Selbstgemachtes aus frischen Lebensmitteln, Gewürzen und Kräutern gegeneinander an.
Die Köche und Slowfood-Mitglieder Gerhard Frisch-Frauenschuh und Peter Michalczyk hatten dafür einige Lebensmittel und Gerichte vorbereitet. Es nahmen insgesamt 31 Personen an dem Vergleich teil. Dazu wurden auch die Augen verbunden, um sich ganz auf den Geschmack konzentrieren zu können.
Und das waren die wichtigsten Ergebnisse:
Die Grundgeschmacksarten salzig – bitter und süß konnten alle Teilnehme unterscheiden.
Eine typische Tütensuppe gegen das „natürliche“ Pendant konnten 14 Personen unterscheiden.
Bei einem Pichelsteiner Eintopf schafften es 10 Personen.
Das „echte“ Gulasch konnten 10 erkennen.
Bei einer Tomatensoße war das 24 möglich.
Frische und gekaufte Spätzle erkannten 29 auseinander.
Echte Bratensoße konnten 12 vom Kunstprodukt unterscheiden.
Bei Ketchup gelang das 19 Teilnehmern.
Bei Parmesankäse erkannten 26 Personen den Unterschied.
Bei einem Schokoladenpudding war das 18 möglich.
Interessant war dabei, dass selbst Personen, die diese Kunstprodukte so gut wie nie verwenden und noch „richtig“ kochen, einiges nicht unterscheiden konnten.
Die Rezepturen der Lebensmitteltechniker machen es dank neuer Techniken, dem Zulassen immer mehr neuer Zusätze immer schwerer, Künstliches und Natürliches zu unterscheiden. Unser Gaumen gewöhnt sich aber auch sehr schnell an diesen Geschmack. Umso wichtiger ist es, schon bei Kindern, den Geschmacksinn so zu schulen, dass sie wieder den natürlichen Geschmack von Lebens-mitteln erkennen und schätzen lernen. Ganz abgesehen davon, dass diese Ernährung aus der Chemieküche krank macht! Und das sollte dann auch den manchmal erhöhten Aufwand bei der Speisenzubereitung wert sein, der übrigens auch durchaus Spaß machen kann.
Geschmacksproben wie diese sind eine Möglichkeit dazu, dieses Vorhaben zu erreichen. Und dann klappt es auch wieder mit dem Genießen!