Lesung mit Frau Dr. Martha Schad im Gasthaus Emelka
Bert Brecht – der erste „SlowFoodler“?
Diesen Eindruck konnte man schon mal bekommen, als Helmut Wager, Vorsitzender des Conviviums Augsburg, die Veranstaltung mit Frau Dr. Schad einleitete. Sie las aus ihrem Buch „Komm und setz dich, lieber Gast“ und handelt von den Ess- und Trinkgewohnheiten Bert Brechts und seiner (zweiten) Frau Helene Weigel.
Dazu gab es natürlich auch das passende Menü. Dafür sorgte Slowfood Mitglied und Küchenmeister Peter Michalczyk, der die Gerichte mit Zutaten, die Zeit und Region hergeben, vorstellte und kochte. Sie stammen übrigens alle aus dem Rezeptbuch der Helene Weigel.
Los ging es mit einer Bierzwiebelsuppe, die, obwohl ohne Fleischbrühe gemacht, nichts an Geschmack vermissen lies.
Anschließend beschrieb die Autorin dann einige Augsburger Alltagsszenen der Familie Brecht rund um das Essen. Man lernte Bert Brechts kulinarische Vorlieben kennen. Er bevorzugte die bodenständige Küche und schätze das bayerische Bier sehr. Und man erfuhr auch, wie er in Berlin über die Mehlspeisen seine Helene kennenlernte.
Nächster Gang: Ein Wiener Backhendl, außen knusprig und innen saftig mit schwäbischem Kartoffelsalat, schön schlonzig, so wie man ihn eben in Schwaben am liebsten mag, oder, als vegetarische Alternative, ein Schwammerl-gulasch mit amerikanischem Kartoffelpudding. Natürlich wieder von bester Qualität und Geschmack.
Die Zeit im Exil in Skandinavien, Paris, London und Kalifornien und dann daran anschließend seine Aufenthalte in Dresden und Berlin sind die nächsten Stationen aus Brechts Leben, von denen Frau Schad genüsslich zu berichten weiß.
Ebenso ein Genuß der süße Abschluß des Menüs: Mohnnudeln und Marillen-Topfenknödeln, die sich in jeder Beziehung den vorangegangen Gerichten nahtlos anschließen.
Den literarischen Endpunkt bildete eine Zitat von Helene Weigel, gefragt nach ihrem Anteil an Brechts Literaturwerk: „Ich habe gut gekocht“. Dem braucht man nichts mehr hinzuzufügen.
Zusammenfassend ist zu sagen, wenn Kultur und Kulinarisches auf diese Weise aufeinander treffen, ist höchster Genuß garantiert.