Treffpunkt und Auftakt dieser SlowFood-Expedition war das Distelhäuser Brauhaus der zu den freien Brauern gehörenden Brauerei und SlowFood Förderer gleichen Namens in Distelhausen bei Tauberbischofsheim. Die Begriffe saisonal und regional werden hier wirklich gelebt. Auf der ansprechenden Speisekarte finden sich wunderbar zubereitet ein Sauerbraten vom heimischen Wildschwein mit Blaukraut, Grünkerntrambele und eingelegte Winterbock-Essig-Zwetschgen, gebratene Medaillons von der Taubertaler Lachsforelle mit Kartoffel-Lauchgemüse und Rotweinbutter oder auch Grünkernteigtaschen mit Salbei-Kürbissoße. Favorit bei den Getränken war dabei eindeutig das kernige Distelhäuser Landbier.
Danach ging es weiter nach Wertheim zum Hotel Schwan, in dem für die Teilnehmer Zimmer reserviert waren. Es folgte dann eine Stadtführung durch die mittelalterlichen Gassen mit ihren bedeutenden Baudenkmälern, den schönen nach oben vorspringenden Fachwerkhäusern und anderen interessanten Details, wie zum Beispiel die Markierungen, die die Hochwasserstände der an der Mündung der Tauber in den Main liegenden Stadt mit Jahresangabe anzeigten. Über all dem ragt die beherrschend liegende Burg Wertheim, das Wahrzeichen der Stadt.
Nächste Anlaufstelle der Reise war dann das Weingut der Familie Schlör in Reicholzheim/Taubertal, das zu Wertheim gehört. Auf fünf Hektar kultiviert die Winzerfamilie die Rebsorten Müller-Thurgau, Kerner, Silvaner, Riesling und Weißburgunder, sowie die 2007 mit dem deutschen Rotweinpreis ausgezeichneten Schwarzriesling und Spätburgunder, die wir nach einer gelungenen und engagierten Exkursion mit Konrad Schlör durch seinen Weinberg der Lage „Reichholzheimer Forst“ natürlich auch im Rahmen einer Weinprobe verkosteten, in der wir noch mehr über die Philosophie des Winzers erfuhren. Eine dazu passende deftige Vesper ließ das ganze dann in einen wirklich schönen Abend münden. Zu diesem gemütlichen Beisammensein gesellte sich später auch noch der in der Nähe wohnende Vorsitzende von SlowFood Deutschland Otto Geisel.
Am nächsten Morgen nach Frühstück und Auschecken hieß der nächste Programmpunkt Quittenlehrpfad in Volkach/Astheim, ein 1998/99 ins Leben gerufenes, unterfränkisches Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten, das dem fortschreitenden Verlust von alters abhängigen Quittenbäumen entgegenwirken soll. Und wenn das auch im noch Moment relativ unspektakulär klang, so sollte es sich doch zu einem weiteren Highlight dieser Reise entwickeln. Marius Wittur, Initiator und Führer durch den ca. 4 km langen Weg begrüßte uns zu diesem wirklich spannenden Thema, beginnend mit der historischen Flur der sog. Rangenteile, was soviel wie Hangteile heißt, der Geschichte der Quitte, der Philosophie dieses Projektes, über Pflanzenkundliches und Spektrum der Quittenverarbeitung einschl. Rezepten bis hin zur Quitte als Heilfrucht und deren Mythologie & Symbolik und schließlich der Astheimer Perlquitte. Zu dieser muß erwähnt werden, daß diese Sorte zu den sogenannten Ureinwohnern Bayerns (Bereich Unterfranken) zählt und zudem als Archepassagier von SlowFood nominiert ist. Und aus einer anderen Quittensorte, einer speziellen Mostsorte namens Mustea wurde und wird jetzt wieder ein wunderbar aromatischer Quittenwein und Secco mit gleichem Namen hergestellt. Was dann auch direkt vor Ort probiert wurde und absolut weiter empfohlen werden kann.
Genauso wie diese Führung durch den Quittenlehrpfad.
Mehr zu dieser wunderbaren Frucht kann man im Internet auf mustea.de nachlesen.
Den kulinarischer Schlußpunkt der Reise bildete dann noch das Weinfest in nahe liegenden Nordheim, auf dem die örtlichen Winzer die Harmonie ihrer Weine zu fränkischen Spezialitäten, wie Blaue Zipfel, gebratenes Saiblingsfilet, Winzersteak und andere Köstlichkeiten unter Beweis stellten.