Convivium Bonn

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"Apfel- und Birnenvielfalt"

05.11.2015

Als die Gäste die Räume betraten, in denen zur Tafelrunde eingeladen war, wurden sie vom Duft der vielen Äpfel empfangen, die Barbara Bouillon, Diplom Biologin von der Biologischen Station Rhein Sieg, in Körben mit Namen und der jeweiligen Beschreibung vorbereitet hatte.

Jenseits der gängigen Supermarktsorten Braeburn, Jonagold und Gala gab es ca. 75 regionale und überregionale Sorten zu entdecken, die manche der Gäste noch aus ihrer teilweise schon etwas länger zurückliegenden Kindheit kannten: Gravensteiner, Jonathan, Kaiser Wilhelm, Jakob Lebel, Cox Orange Renette, Ingrid Marie, James Grieve und zu allen diesen Sorten hatte Barbara interessante Details zu berichten. Es gibt sogar Äpfel, die sich "selbst pflücken" weil der Stiel so kurz ist, dass der Apfel sich beim Wachsen vom Ast drückt, weshalb für den Handel nur langstielige Sorten gezüchtet werden. Der Grünapfel, der seinem Namen alle Ehre macht, verwandelt sich bei Lagerung in einen gelben, schmackhaften Apfel mit goldgelben Backen. In der Bonner Umgebung gibt es kaum Bereiche ohne Apfel- und andere Obstbäume. Der Bonner Reisermuttergarten befindet sich in Meckenheim, denn Apfelbäume werden nicht durch Sämlinge vermehrt, sondern durch Pfropfen von Reisern auf wurzelstarke Unterlagen.

Gut, dass wir uns vor dem interessanten Vortrag an den mitgebrachten Köstlichkeiten gestärkt hatten. Auch hier hatten sich die Gäste am Thema orientiert und so gab es gebackene Blutwurst mit Äpfeln gespickt, Kürbis-Apfelquiche und viele leckere Käsesorten vom Bollheimer Hof und Ziegenkäse vom Ulmenhof mit selbst gemachtem Apfel Chutney.

Viele der Apfelsorten wurden verkostet, es gab auch, nicht so süße, sogar bittere und fade. Auch zu dem eher unbekannten Kapitel Wirtschaftsobst gab es eine köstliche Versuchsanordnung: gleich mehrere Apfel- und Birnensorten, wie Pastorenbirne, Juffernbirne und Ölligsbirne (schmeckt nicht nach Zwiebeln, sieht aber so aus) waren zuvor zu appetitlich duftenden Blechkuchen verarbeitet worden, sodass die Anwesenden in kleinen Probierportionen Geschmacksvergleiche anstellen konnten. Sehr lecker, sehr interessant! Wer die kleinen, steinharten Back- und Kochbirnen näher betrachtete, konnte vielleicht auch erahnen, wie mühsam es gewesen sein muss, diese graubraunen Billardkugeln in den Backstuben zu präparieren.

Übrigens haben wir uns im Laufe des Abends auch als Sprachforscher versucht, denn die Frage liegt nahe: Was hat die Gattungsbezeichnung Malus (Apfel) mit dem ebenfalls lateinischen Adjektiv malus (schlecht/böse) zu tun? Nix mit Adam und Eva, auch wenn uns das alle irgendwie überzeugt hätte. Denn Nachforschungen im Nachhinein haben ergeben:

malus (sprich maalus) (=Apfel) kommt vom griechischen μῆλον (dorisch μᾶλον), die Wurzel vom malus (sprich mallus) (=schlecht) liegt wahrscheinlich im frühitalischen, vorrömischen Dialekt des Oskischen, wo man die Wörter mallom und mallud rekonstruiert hat, die etwas ähnliches wie malus bedeutet haben könnten.

Ein Zusammenhang besteht also nur scheinbar, es handelt sich vielmehr um ein "Teekesselchen" oder anders ausgedrückt um ein Homonym. Das gleiche Wort hat verschiedene Bedeutungen, wie etwa im Deutschen der Arm nichts mit arm zu tun hat oder ein Satz (Sprache) nicht unbedingt etwas mit einem Satz (Sprung).

Quelle: http://www.gutefrage.net/frage/latein-wort-malusmalum#answers


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