Convivium Nordhessen

Kontakt: Dr. Hanns E. Kniepkamp, Auf dem Scharfen 6, Spangenberg-Schnellrode
Telefon: 05663-7255
E-Mail: nordhessen (at) slowfood.de
Kontakt

Startseite > Slow Food vor Ort > Nordhessen > Aktivitäten > Slow Food Nordhessen für gentechnikfreie Lebensmittel

Slow Food Nordhessen für gentechnikfreie Lebensmittel

Am 8. April 2008 trafen sich in Niedermöllrich (Schwalm-Eder-Kreis) Befürworter gentechnikfreier Lebensmittel. Mit dabei war auch Slow Food Nordhessen sowie der Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht. Beide gehören zu den Erstunterzeichnern der Niedermöllricher Erklärung und gaben eigene Statements ab.


Die Niedermöllricher Erklärung

Gute Lebensmittel ohne Agrogentechnik
Niedermöllricher Erklärung

Die gentechnische Manipulation von Kulturpflanzen beinhaltet unvorhersehbare Risiken für die Landwirtschaft und unsere natürlichen Ökosysteme.
Die Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel in großer Mehrheit ab.

Mit ihrem praktischen Handeln setzen sich die Unterzeichner dieser Erklärung dafür ein, dass in unserer landwirtschaftlich geprägten Region Nordhessen hochwertige Lebensmittel erzeugt und möglichst in regionalen Zusammenhängen verarbeitet und vermarktet werden.

1.Landwirte verpflichten sich, keine gentechnisch manipulierten Kulturpflanzen anzubauen.
Futtermittel sollten nach Möglichkeit aus dem betrieblichen oder regionalen Kreislauf stammen. Wo dies nicht möglich ist, werden nur Futtermittel eingesetzt, die nachweisbar gentechnikfrei sind.

2.Unternehmen des Lebensmittelhandwerks ( Bäckereien , Metzgereien, Molkereien,  Brauereien)  verpflichten sich, keine genveränderten landwirtschaftlichen Rohwaren einzusetzen. Bei der Erzeugung von Milch und Fleisch dürfen keine genveränderten Futtermittel eingesetzt worden sein.

3. VerbraucherInnen, Umwelt- und Verbraucherorganisationen, Parteien und Verbände sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterstützen diese Zielsetzung und fordern die Bevölkerung auf, bei der Wahl ihrer Lebensmittel gentechnikfrei- gekennzeichnete Ware bei Anbietern Ihres Vertrauens zu bevorzugen.


Statement von Slow Food Nordhessen

Hanns Kniepkamp, Convivienleiter:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Lassen Sie mich zuerst zwei, drei Worte zu Slow Food sagen, da diese Organisation erst langsam in das Bewusstsein der Nordhessen dringt.
Slow Food wurde 1989 in Italien als Gegenbewegung zur Fast Food Welle ins Leben gerufen. Gründer waren Journalisten, die dem Geschmack der Lebensmittel eine Lobby geben wollten. Inzwischen ist daraus eine weltweite Bewegung mit fast 100.000 Mitgliedern geworden. Deutschland ist der drittgrößte Mitgliederverband hat 8000 Mitglieder und ist nach Regionen gegliedert. Eine solche regionale Gliederung heißt Convivium, das kommt aus dem lateinischen und bedeutet nichts anderes als Tafelrunde.
Diese regionale Organisation beschäftigt sich vor Ort damit, die Ziele von Slow Food umzusetzen. Es sind drei Hauptziele, auf die wir unser Augenmerk richten:

Eine Lobby für den Geschmack zu sein, darauf hin zu wirken, dass alle in dem Prozeß der Lebensmittelherstellung Beteiligten  nach dem Grundsatz von gut, sauber und fair handeln, und dass wir uns für die Erhaltung der Biodiversität einsetzen.

Zu jedem Punkt ein Beispiel.
Hochwertig hergestellte Rohprodukte und handwerklich verarbeitete Lebensmittel brauchen bei der Verarbeitung keine Geschmacksverstärker und Aromen. Sie besitzen von sich aus Geschmack.

Gut sauber und fair bedeutet, dass Produkte gut schmecken müssen, sauber, nachhaltig und resourcenschonend hergestellt sind und jedem der im Produktionsprozeß beteiligt ist ein angemessenes Auskommen sichert.

Erhaltung der Biodiversität bedeutet, die biologische Vielfalt zu erhalten, den Landwirten nicht durch Patente das Recht zu nehmen, Zugriff auf ihr eigenes Saatgut und ihre Tiere zu nehmen und sie so ihrer Existenz zu berauben.

Daraus abgeleitet hat das Slow Food Convivium Nordhessen den Förderverein der Nordhessischen Ahlen Wurscht gegründet und das Spezialitätenfestival Nordhessen Geschmackvoll! organisiert.

Wir vertreten die Meinung, dass es kein Nebeneinander von gentechnisch veränderten und nicht gentechnisch veränderten Pflanzen geben kann. Die Verunreinigung von Saatgut, Maschinen und Geräten ist nur mit allergrößtem Aufwand zu vermeiden. Es kommt zu einem Rückgang der Biologischen Vielfalt, da durch Pollenflug und Bestäubung durch Bienen die gentechnisch veränderten Eigenschaften übertragen werden. 

Das heißt zur grünen Gentechnik gibt es aus unserer Sicht nur Null Toleranz. 

Und ganz nebenbei erhebt sich die Frage brauchen wir das und wem nützt es?

Aus diesem Grund unterzeichnet Slow Food Nordhessen die Niedermöllricher Erklärung und unterstützt das Bestreben um eine gentechnikfreie Region.


Statement vom Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht

Dieter Rohde, Vorsitzender:

Der Förderverein hat sich zum Ziel gesetzt, die traditionelle Herstellung der Ahlen Wurscht zu bewahren. Dies geht aber über die Herstellung hinaus und beinhaltet auch die Haltung und Fütterung der Schweine. Das was wir Metzger wünschen, ist ein Schwein, das auf Grund der Fütterung ein festes ausgereiftes Fleisch besitzt und langsam gewachsen ist. Nur das garantiert, daß daraus auch eine gute Ahle Wurscht herzustellen ist.
Über Jahre hinweg wurde in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft das Schwein für die traditionelle Hausschlachtung mit Kartoffeln, Gras und Getreide großgezogen. Dies war ausreichend proteinreiches Futter um den Schweinen die Qualität zu geben, die eine gute Ahle Wurscht ergab.
Auf Grund der Umstrukturierung in der Landwirtschaft, den sich daraus ergebenden größeren Betrieben, und des Preisdruckes, hat sich die Fütterungspraxis von Kartoffeln und arbeitsintensiven Erbsen hin zu billigem Soja als Proteinlieferant verschoben.
Wir als Förderverein können beim besten Willen nicht erkennen, welche Vorteile eine grüne Gentechnik bei der Fütterung der von uns benötigten Schweine bringt. Wir sind für Vielfalt, die durch gentechnische Manipulation im höchsten Maße eingeschränkt wird, und deren langfristigen Auswirkungen leider nur unzureichend überprüft sind.
Wir unterstützen daher die Initiative für eine Gentechnik freie Region, da dies nur im großflächigem Verbund, wirkungsvoll umzusetzen ist.
Wir möchten aber auch die Landwirte ermuntern, Strategien zu entwickeln, wie mit Futtermitteln, die traditionell in Nordhessen angebaut werden, die Schweine groß zu ziehen sind.


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 246 259 39 - E-Mail: info@slowfood.de