Convivium Ostfriesland

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Mit der Kräuterhexe durch die Meeden

Morgens hat es noch wie auch Kübeln geschüttet und alle Aussichten auf eine trockene Veranstaltung getrübt, aber am Nachmittag scheint bereits wieder die Sonne vom blauen Himmel und strafte alle Pessimisten Lügen.

Unsere kleine Gruppe steht im Sonnenschein auf dem Gulfhof Klein Burhafe und wartet. Denn wir haben eine Verabredung mit einer echten Kräuterhexe.Dagmar Michel heisst sie und bereits seit 10 Jahren zeigt sie Interessierten die unscheinbare Vielfalt auf den Wiesen und an Wegesrändern unserer Region. Heute will sie uns zeigen, was es alles auf den Wiesen rund um den Gulfhof zu entdecken gibt, und da man den Großteil der Wildkräuter auch essen kann, wollen wir anschließend aus den Kräutern einen Kräuterquark zubereiten.

Als unsere Kräuterhexe dann erscheint, wirkt sie schon ein bisschen furchteinflößend. Nein, eine schwarze Katze sitzt nicht auf ihrer Schulter und auch eine Eule oder ein Rabe sind nicht in Sicht, aber wir werden in ihrer Gegenwart schon etwas stiller.

Und dann geht es los. Gleich am ersten Wiesenstück bleibt sie stehen, beugt sich nieder und erklärt uns, was es dort alles zu sehen gibt.

Klar, Löwenzahn, kennen wir doch alle, und dass man die jungen Blätter im Salat verarbeiten kann, wissen wir auch. Aber dass man aus den Blüten Gelee kochen kann, ist uns neu. Und natürlich erkennen wir auch die Brennessel und Giersch, Gärtners Lieblingsunkraut. Im Salat oder auch als Füllung in Ravioli allerdings hervorragend zu verarbeiten. Nur ein paar Zentimeter daneben wächst der breitblättriger Wegerich, seinen Verwandten, den Spitzwegerich, der sich zu Hustensaft verarbeiten lässt, wächst ein paar Meter weiter den Weg hoch.

Eifrig sammeln wir alles, was Dagmar Michel uns zeigt, unsere Körbchen füllen sich zusehends und wir probieren das eine oder andere.

Taubnessel, Gundermann mit den hübschen blauen Blüten (o ja, den habe ich auch im Garten!), Sauerampfer, Vogelmiere, und hier: Wiesenkerbel. Damit man ihn nicht mit Schierling verwechselt, sollte man immer auf die Stengelform achten: kantig, nicht rund wie beim Schierling, erklärt uns die Kräuterhexe.

Wie, Schierling? Hier in Ostfriesland? Wir sind starr vor Staunen. Wir Großen haben natürlich vom berühmten Schierlingsbecher gehört oder gelesen, den der griechische Philosoph Sokrates 399 v. Chr. als zum Tode Verurteilter trinken musste, aber dass Schierling auch hier bei uns zu finden ist, wäre uns bislang nicht in den Sinn gekommen.

Insofern gut, dass wir darauf hingewiesen wurden. Beim Wildkräutersammeln scheint es oft wie beim Pilzesammeln zu sein: Was man nicht eindeutig indentifizieren kann, läßt man am besten stehen.

Unsere kleine Karawane bewegt sich nun durch den alten Obstgarten vom Gulfhof. Jetzt ist erstmal eine kleine Pause angesagt. Dagmar Michel öffnet ihre Tasche und holt zwei Flaschen heraus: Holunderbeersaft für die Kinden und ein Aufgesetzter für die Großen. Wir genießen den kräftigen Schluck, und lassen dann unsere Blicke wieder über den Boden schweifen. Inzwischen können wir einige Pflanzen unterscheiden und unsere Entdeckerlust ist erwacht.

Was ist das hier? Rauke. Und das hier ist doch Schafgarbe, nicht wahr? O ja, und noch so ein Gärtners Liebling: die Quecke. Ebenso ausdauernd im Garten wie Giersch.

Ackerdistel, Klee, Ackerschachtelhalm – langsam kommt der Hunger.

Unsere Ausbeute ist gut, also zurück zum Gulfhof. Dort köcheln bereits Pellkartoffeln vor sich und die lange Tafel ist eingedeckt und wartet nur auf uns. Aber erst werden noch die Kräuter gewaschen und die kleine Herma häxelt zusammen mit Antje und Jürgen gekonnt die Kräuter. Das Messer ist bedenklich groß und scharf, aber wer sagt denn, dass Kinder nicht auch damit fertig werden können! Dann ab damit in den Quark, einmal kräftig umrühren und zu Tisch!

Zusammen mit den Pellkartoffeln und Schinken und einem Glas Grüner Veltliner für die Erwachsenen ein leckerer Abschluss eines interessanten Nachmittages.


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