Kochrunde November 2010

Nach einer etwas längeren Pause fand am 27.11.10 wieder einmal eine Kochrunde in der „Fliese“ der Familie Bißoir in Neustadt statt.
 
Die Glücklichen, die bei der aufgrund der begrenzten Platzzahl erstmalig vorgenommenen Auslosung einen Platz ergattern konnten, trafen überpünktlich und erwartungsfroh ein.
Der Abend versprach diesmal kulinarische Exotik der besonderen Art, nämlich skandinavische Küche.
Wessen Erfahrungen sich hierbei, wie beim Verfasser selbst, auf den Imbissbereich hinter den Kassen eines großen schwedischen Möbelhauses beschränkten, konnte also nur dazulernen.
Unsere finnlandophile und -erprobte Kochrundenorganistatorin Katrin Bunner hatte zusammen mit der echten Schwedin Kerstin Kobicke die notwendigen Vorarbeiten und Einkäufe erledigt und eine stimmige Rezeptauswahl getroffen.
Kerstin hatte sogar schon die eine oder andere Leckerei vorbereitet. So durfte bereits beim Begrüßungssekt, einem Chardonnay Brut aus dem Hause Menger-Krug, der erste Hunger mit „Köttbullar“ (sprich Tschöttbuller), also den klassischen schwedischen Fleischbällchen, und einem Löffelchen des leckeren „Janssons frestelse“, einem Kartoffelauflauf mit Zwiebeln und schwedischen Anchovis (nicht zu verwechseln mit den bei uns üblichen Sardellen) und Sahne, gestillt werden.
Wie immer wurden nun die Rezepte des Abends verteilt und es fanden sich schnell Gruppen für die jeweiligen Gänge zusammen, als da waren:
 
Als Vorspeise „Matjesröra med skalpotatis“
Eine nicht gerade diätetische, aber sehr merkenswerte Variante unserer Matjes nach Hausfrauenart, mit hartgekochten Eiern, Saurer Sahne, frisch gemachter Mayonnaise, roter Zwiebel, Dill und rotem Kaviar. Dazu gab’s Pellkartoffeln (von der leckeren Presidiosorte Bamberger Hörnla) und Knäckebrot.
Zum Hauptgang „Halstrad lax med vermouth- och ärtpurèsas“
Gebratener Lachs auf einer Sauce aus Erbsen und Noilly Prat und Fischboullion, dazu Zuckerschoten. Die Sauce animierte mächtig zum Stippen. Die im Rezept vorgesehenen Shrimps wurden an diesem Abend verschont- sie waren nicht auffindbar.
Als süßer Abschluss „Kardemummamousse med varm hjortronsylt och crunch“
Eine sahnige Mousse mit einem Tick gemahlenem Kardamom, Moltebeerkonfitüre, gerösteten Haselnüssen und Pistazien.
 
Begleitet wurden die einzelnen Gänge diesmal nicht nur, wie sonst üblich, vom Wein (bemerkenswert hier: eine trockene Scheurebe vom Weingut Acham-Magin). Dem Anlass entsprechend konnte diesmal auch Bier getrunken werden. Für das Dessert und danach standen zudem schwedischer Punsch und Wodka nebst Preiselbeersirup bereit.
 
Zwischen den Gängen hatten die Kobickes noch Landeskundliches zusammengetragen und man konnte das eine oder andere über Schweden, z.B. über das am 13. Dezember stattfindende Luciafest oder auch Surströmming, erfahren. Bei letzterem handelt sich um in Salzlake eingelegte Heringe, die eingedost werden und dann (auch in der Dose) fröhlich vor sich hin gären, bis sich die Dose zu wölben beginnt. Was einem nach vorsichtigem Öffnen der Dose (Explosionsgefahr!) entgegenduftet, dürfte nichts für schwache Nerven und Mägen sein und teilt die Menschheit in Leute, die das mögen, und den überwiegenden Rest.
Glücklicherweise waren diesbezüglich an diesem Abend keine Eigenversuche vorgesehen. Nach den drei selbstgekochten Gängen wäre hierfür ohnehin kaum noch Platz gewesen.
Wobei für etwas Süßes durchaus eine Ausnahme gemacht werden konnte:
Kerstin hatte noch Kuchen gebacken und ein Stückchen Mandelkuchen musste dann doch noch probiert werden.
So konnten sich am Ende des Abends alle gut gelaunt und ebenso gut gesättigt auf den Heimweg machen.
Wenn, wie jedes Jahr zu Weihnachten, wieder mal der „Michel aus Lönneberga“ (der in Schweden ja eigentlich Emil heißt) über die Mattscheibe flimmert, kann man ja mal genauer hinschauen, was auf dem Katullt-Hof so aufgetischt wird. Vielleicht kommt einem jetzt manches hier bekannt vor.
 
(Thomas Grillmeier)


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