Deidesheim, Cittaslow 2009

Convivium Pfalz

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Der Weißburgunderpreis 2011


Ilbesheim
Der kleine Ort Ilbesheim liegt eingebettet im Rebenmeer der Südlichen Weinstraße. Einmal jährlich am letzten Juliwochenende ist hier der Schauplatz eines der schönsten Weinfeste der Pfalz: Das Kalmitfest. Das Fest findet inmitten der Weinberge der Kleinen Kalmit statt, bei schönem Wetter reicht der Rundblick vom Nordschwarzwald über den Kraichgau nach Ludwigshafen, streift die Haardt mit dem Hambacher Schloß und endet mit dem Südpfälzer Drei-Burgen-Blick, dem Trifels, der Madenburg und der Landeck. Doch nicht nur die schöne Lage, auch der seit Jahren ausgetragene Wettstreit um den besten Weißburgunder der Pfalz, der in einer verdeckten Publikumsverkostung kulminiert, macht das Fest so attraktiv.

Die Kleine Kalmit mit der Kapelle

Die Kleine Kalmit
Der unscheinbare Hügel hat es in sich, entstand er doch im Tertiär während des Oberrheingrabeneinbruchs, vorwiegend aus Kalk- und Muschelablagerungen des ehemaligen Meerbodens. Die daraus entstandenen Kalksteinverwitterungsböden, eine Seltenheit in der Pfalz, eignen sich besonders für die Weißburgunderrebe, die hier optimale Wachstumsbedingungen findet. Lange bevor diese Sorte so nachgefragt war wie heutzutage, hatte die in Neustadt ansässige Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau an der Kleinen Kalmit eine Parzelle zu Versuchszwecken mit Weißburgunder bestockt. Gerade deshalb war es für die Ilbesheimer nahe liegend nicht nur die Historische Weinbergsanlage Kalmitwingert mit Weißburgunder zu bepflanzen, sondern auch die Besonderheit dieser Lage extra zu betonen. Die Ilbesheimer Winzer haben es geschafft die Weinberge an der Kleinen Kalmit aus der Weinlage Ilbesheimer Rittersberg herauszulösen und in die neue, geologisch homogene Lage Ilbesheimer Kalmit zu überführen. Ein Erfolg, dem ein großes gemeinsames Engagement zu Grunde liegt.


Der Weißburgunderpreis
Im Jahr 2002 begann derWeißburgunderpreis mit gerade mal 40 Weißburgundern aus der Verbandsgemeinde Landau-Land. Ziel war es, die Qualität dieser Rebsorte, die gerade an der Kleinen Kalmit optimale Anbaubedingungen findet, herauszustellen. Mittlerweile hat sich der Ilbesheimer Weißburgunderpreis zum beliebtesten Wettbewerb für Pfälzer Weißburgunder entwickelt. Im Laufe der Jahre wurden über 1500 Weine eingereicht und von Experten bewertet. Die Weine stammen aus dem aktuellen oder dem vorherigen Jahrgang und müssen trocken ausgebaut sein. Die Jury setzt sich zusammen aus einem Kreis von Önologen, Weinsachverständigen, Händlern, Journalisten und ausgewiesenen Weinkennern. Die Be-wertung erfolgt nach dem bekannten 100 Punkte-Schema. Die eingereichten Weine werden gleichmäßig auf vier Gruppen von Prüfern verteilt und verdeckt beprobt. Jede Gruppe ermit-telt aus ihrer Gruppe die acht besten Weine, diese werden zu einer Finalrunde vereint, die dann von allen Prüfern noch einmal bewertet werden. So schafft man es die zwischen 120 und 170 pro Jahr eingereichten Weine auf die Qualitätsspitze zu reduzieren. Der am höchsten bewertete Wein erhält den Jurypreis. Die acht besten Weine aus der Finalrunde werden dann am Samstag auf dem Kalmitfest in einer verdeckten Probe für den Publikumspreis be-reitgestellt. Dort nehmen dann zwischen 200 und 300 Personen teil. Die so ermittelten Ge-winner werden Sonntags in einer kleinen Zeremonie geehrt.
Die beiden Sieger (noch nie hat ein Weingut beide Preise gewonnen) erhalten die Wanderpokale, die vom Pfälzer Künstler Stefan Müller gestaltet wurden. Die aus Kalksteinen der Kleinen Kalmit gestalteten Skulpturen zeigen jeweils die Arbeit im Weinberg und im Weinkeller. Jedes Jahr wenn die Pokale am Kalmitfest zusammenkommen, bilden sie eine Einheit und zeigen, dass ein perfekter Wein nur unter Achtung der Natur und mit größtem Sachverstand in Weinberg und Keller entstehen kann. Ein Jahr lang werden die Kunstwerke bei den Gewinnerweingütern verbleiben und treffen wieder zusammen zum nächsten Weißburgunderpreis am Ilbesheimer Kalmitwingert.


144 Weine waren eingereicht

Die Probe 2011
In diesem Jahr wurden 144 Weine von 108 Pfälzer Weingütern eingereicht. Von den verkosteten Weinen waren mehr als 50 % QbA-Weine, in leichte Kabinettweine und Spätlesen teilte sich, fast paritätisch, die restliche Hälfte auf. Die Fachjury bestand aus 14 Personen. Die Vorrunde bot ein recht uneinheitliches Bild. So wirkten einige Weine noch grün und unfertig, viele wiesen eine recht spitze Säure auf, ein eindruck, der wohl den Witterungsbedingungen 2010 geschuldet ist. Ich hatte in meiner Gruppe mehrere Weine, die eher dem Typ Sauvignon Blanc entsprachen. Ein echter Favorit war nicht zu erkennen.
Bei der Finalrunde war das Bild dann homogener, aber auch hier war kein strahlender Sieger erkennbar. Die Weine waren durchweg alkoholreich, diese bleiben bei der sensorischen Prüfung einfach besser „hängen“, dennoch konnten sich einige leichtere Kabinettweine für die Finalrunde qualifizieren. Der Sieger des Jurypreises musste schließlich in einem Stechen ermittelt werden, auch dies ein Hinweis auf die breite Spitze. Durchsetzen konnte sich letztendlich das Weingut Schäfer aus Neustadt-Mußbach mit einer 2010 Spätlese.


Die acht Finalisten für die Publikumsprobe waren: (hier in der Reihenfolge der Probe)
Nr. 1: Weingut Valentin Ziegler Sohn, Weyher
Nr. 2: Weingut Wilker, Pleisweiler-Oberhofen
Nr. 3: Weingut Schreieck, Maikammer
Nr. 4: Weingut Hauck, Maikammer
Nr. 5: Weingut Gies-Düppel, Birkweiler
Nr. 6: Weingut Schäfer, Neustadt-Mußbach
Nr. 7: Weingut Aloisiushof, St. Martin
Nr. 8: Weingut Meyer, Heuchelheim-Klingen.
Bei der Publikumsverkostung war die Entscheidung dann eindeutiger, es gewann das Weingut Valentin Ziegler Sohn aus Weyher mit einer 2010er Spätlese. Jungwinzer Georg Meier, der dieses Jahr auch den Wettbewerb „Die junge Südpfalz - Das wächst was nach“ gewinnen konnte, ist uns beim Weyher Weinpanorama und bei den Weintagen im Frank Loebschen Haus in Landau bereits mit seinen Rieslingen positiv aufgefallen, da kann man noch einiges erwarten.


Zur Preisverleihung am Sonntag, 31. Juli 2011 um 18:00 Uhr waren zahlreiche interessierte Weinfestbesucher gekommen, was wieder beweist welchen Stellenwert dieser Preis mittlerweile beim Verbraucher genießt.
Nach einer Begrüßung durch die Vorsitzende der Vereinigung Gast und Wein, Silke Schunck, wurde durch die Vertreter der Politik, Nicolai Schenk, Thorsten Blank und Peter Hieb, ein kurzes Grußwort gesprochen. Anschließend wurden die Urkunden an die 6 Finalisten überreicht. Die pfälzische Weinkönigin Karen Storck und der 1. Kreisbeigeordnete Nicolai Schenk überreichten den Fachjurypreis an Frank Schäfer, der für das Weingut Schäfer aus Neustadt-Mußbach, den Preis entgegen nehmen konnte. Anschließend übergaben Sophie Rebholz, Weinprinzessin der Ferienregion Landau-Land gemeinsam mit dem 1. Beigeordneten der Verbandsgemeinde, Thorsten Blank, den Publikumspreis an Georg Meier,
den Vertreter des Weingutes Valentin Ziegler Sohn aus Weyher.
Ein Probierpaket mit den 8 Finalweinen kann bei Gast und Wein Ilbesheim bestellt werden. Informationen auf der Homepage des Ortes.


www.valentin-ziegler-sohn.de
www.weingutschaefer.com
www.ilbesheim.de


© 2011, Ulrich Kohnle


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