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Slow Food Wurzeltour

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Impressionen von der "Slow Food Wurzeltour" in den Chiemgau

Feldbegehung und Spatendiagnose.


Das Ziel von Bio-Landwirt Stefan Schmutz ist ein fruchtbarer, also möglichst belebter Boden mit Regenwürmern, Bakterien und Pilzen.


Die Vorträge der Slow Food Wurzeltour fanden im alten Bauernhaus des Hofs "Chiemgaukorn" statt.


Vier Linsensorten wurden bei der Veranstaltung verkostet: Große Alblinsen (vorne links) und kleine Alblinsen (vorne rechts); Beluga-Linsen (hinten links) und Grüne Linsen vom Chiemgaukorn-Hof (hinten rechts).


Das vorbereitete Buffett.


Brot aus Chiemgaukorn-Mehl, gebacken von einer kleinen Bäckerei in der Region.


Geistige Nahrung.


Rupert Ebner, Vorstand von Slow Food Deutschland, beim Vortrag im Chiemgaukorn-Bauernhaus (stehend).


Slow Food Wurzeltour: "Ein fruchtbarer Boden ist unser wichtigstes Kapital."

11.12.2006 - Die Veranstaltungsreihe "Slow Food Wurzeltour" führte am internationalen Aktionstag von Slow Food an den Ursprung fast aller Lebensmittel: einen fruchtbarer Boden. Auf einem Bio-Hof im oberbayerischen Chiemgau erfuhren die Teilnehmer, wie er nachhaltig bewirtschaftet werden kann und welche glückliche und schmackhafte Rolle die Linse dabei spielt.

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Bodenfruchtbarkeit: „Slow Food Wurzeltour“ in den Chiemgau - Die Wiederentdeckung der Linse in der Landwirtschaft

Jedes Jahr am 10. Dezember begeht die internationale Slow-Food-Bewegung mit hunderten von Veranstaltungen in 170 Ländern den Terra Madre Tag.

Im Mittelpunkt des weltweiten Aktionstags stehen regionale Esstraditionen, eine reiche Vielfalt auf unseren Tellern und das Engagement für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem. Slow Food Deutschland möchte deshalb am Terra Madre Tag 2016 im Internationalen UN-Jahr der Hülsenfrüchte sehr herzlich einladen zur


„Slow Food Wurzeltour“ auf den Biobauernhof Chiemgaukorn in der Nähe von Trostberg.

In der Veranstaltungsreihe begeben wir uns diesmal zum Ursprung des Lebensmittels Linse. Wir erfahren mehr über die Renaissance dieser Hülsenfrucht und ihre wichtige Rolle in einer bodenschonenden Landwirtschaft. Diese erhält die Bodenfruchtbarkeit, fördert die Vielfalt auf dem Feld und auf dem Teller und bietet darüber hinaus Nahrung für Bestäuber und Brutmöglichkeiten für Ackervögel. Anschließend verkosten wir drei Bio-Linsensorten und weitere Gerichte aus hofeigenen Naturprodukten wie Urgetreide und Bayerischem Reis.

Termin: Samstag, 10. Dezember 2016, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr, dann Ausklang mit Buffet
Ort: Biohof Chiemgaukorn, Weiding 3, 83308 Trostberg, www.chiemgaukorn.de
Anreise Bahn: Von München über Mühldorf nach Kirchweihdach (1,5 h), dort Abholung (3 km) Anreise
Auto: 95 Kilometer von München/Hauptbahnhof über Landstraße


Hintergrund: Fruchtbarer Boden ist lebenswichtig. Weit über 90 Prozent aller Nahrungsmittel kommen aus dem Boden. In einer Hand voll Ackerkrume leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde. Monokulturen, Mineraldünger, Ackergifte und intensive Bodenbearbeitung können dieses Leben stark beeinträchtigen. Millionen Hektar fruchtbarer Boden gehen jedes Jahr durch Intensivlandwirtschaft verloren. Ein zentraler Aspekt der Bio-Landwirtschaft ist die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Sie setzt dabei u. a. auf vielfältige Fruchtfolgen, Mischkulturen und Leguminosen, beispielsweise Getreide im Gemenge mit Linsen.

Lange Zeit war der Linsenanbau in Deutschland nahezu erloschen. Ein Hauptgrund ist die schwierige Ernte. Im ökologischen Landbau wurde die Linse in den vergangenen Jahren wiederentdeckt, denn ihre schmackhaften Körner liefern auch wichtige Proteine für die menschliche Ernährung. Auf Linsenflächen sind häufig sehr viele Wildkräuterarten zu finden, die aufgrund der intensiven Landwirtschaft in ihrem Bestand bedroht sind und auf der Roten Liste stehen. Zudem finden dort Tierarten, die gehölzarmes Offenland als Lebensraum bevorzugen, oft einen passenden Lebensraum.

Bilder (von oben nach unten): Linsenfläche des Bio-Hofs Chiemgaukorn | © Chiemgaukorn;
Beluga-Linsen, wie sie auf dem Hof angebaut werden. | © HandmadePictures/Fotolia

Referenten:

  • Dr. Rupert Ebner, Vorstand Slow Food Deutschland e.V., Referent für Gesundheit, Klimaschutz und Umwelt, Stadt Ingolstadt
  • Dipl. Ing. agr. Julia Reimann, Bio-Landwirtin (Naturland), Chiemgaukorn Naturprodukte
  • Dipl. Ing. agr. Stefan Schmutz, Bio-Landwirt (Naturland), Chiemgaukorn Naturprodukte
  • Dr. agr. Fritz Feger, Gesellschafter reg.io GmbH/Gutes von hier, Slow Food Tübingen/Neckar-Alb 

Programm:

15:00 Uhr: Ankunft auf dem Hof Begrüßung und kurze Einführung

15:10 Uhr: Feldbegehung mit Stefan Schmutz, Dipl. Ing. agr.

15:40 Uhr: Vortrag im Bauernhaus mit Fragerunde „Vielfalt bewahren – auf dem Feld und auf dem Teller“. Mit:  Dipl. Ing. agr. Julia Reimann, Bio-Landwirtin (Naturland) Dipl. Ing. agr. Stefan Schmutz, Bio-Landwirt (Naturland)

16:30 Uhr: Querverkostung von vier Linsensorten: Belugalinsen (Chiemgaukorn); Grüne Linsen (Le-Puy-Linsen); große und kleine Alblinsen (Slow Food Presidio), mit Erläuterungen von Dr. Fritz Feger.

Ab 17:00 Uhr: Buffet mit Speisen aus Getreide, Linsen und Ölen des Biohofs Chiemgaukorn. Kostproben mit der Alblinse Zeit für Gespräche, Fragen und Genuss

Teilnehmer: Eingeladen sind Slow-Food-Mitglieder und Interessierte.

Über die „Slow Food Wurzeltour“:
 Lebensmittel kommen größtenteils als anonyme Produkte in den Handel und schließlich auf den Teller. Wo kommen sie her, wo wachsen sie, wie sehen sie vor der Verarbeitung aus, wie schmecken sie frisch, vor dem langen Weg zu uns? Die Veranstaltungsreihe „Slow Food Wurzeltour“ möchte Antworten auf diese Fragen geben. Die Teilnehmer machen sich auf zum Ursprung unserer Lebensmittel, zu den Wurzeln unserer Ernährung. Bei Hofbesuchen und Verkostungen stehen solche Erzeuger und ihre Produkte im Mittelpunkt, die täglich für den Erhalt und die Zukunft einer ressourcenschonenden, handwerklichen Lebensmittelerzeugung mit Rücksicht auf Mensch, Tier und Natur arbeiten und damit die Grundlagen für unsere Ernährung lokal wie global bewahren.

Das internationale UN-Jahr der Hülsenfrüchte: Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2016 als Internationales Jahr der Hülsenfrüchte ausgerufen. In der Resolution 68/231 weist die Generalversammlung in der Begründung u. a. auf die Rolle hin, „(...) die Hülsenfrüchten als Teil einer auf Ernährungssicherheit und gute Ernährung gerichteten nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion zukommt (...)“, und „(...) dass Hülsenfrüchte Leguminosen mit stickstoffbindenden Eigenschaften sind, die zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit beitragen und sich positiv auf die Umwelt auswirken können (...)“.

Die Veranstaltung ist ausgbucht!

Hinweis: Da wir am Anfang der Veranstaltung auf die Felder des Hofs gehen, bitte warme Jacke und feste Schuhe mitbringen. Die Felder grenzen direkt an den Hof.

Einladung zur Slow Food Wurzeltour als PDF herunterladen


Hof-Porträt Chiemgaukorn

300 Jahre alte Hofstelle, seit 2005 ökologisch bewirtschaftet Mitglied beim Anbauverband Naturland und bei Ökoqualität aus Bayern Familienbetrieb, bewirtschaftet von: Julia Reimann, Dipl. Ing. agr. und  Stefan Schmutz, Dipl. Ing. agr.

Besonderheiten: Direktvermarkter (Hofladen und Online-Shop), eigene Mühle, eigene Ölmühle, Nudelmanufaktur, eigene Rezeptentwicklung, besonders für Vegetarier (in der Familie wird vegetarisch gekocht)

Bewirtschaftete Flächen: Acker, Wald, Grünland, Streuobstwiesen

Nachhaltige Anbaumethoden: bodenschonende pflugarme Bewirtschaftung mit weiten Fruchtfolgen, Zwischenfrüchten, Untersaaten, Mischfruchtanbau und Leguminosen-Getreide-Gemenge; ohne Pestizide, ohne synthetische Düngemittel, ohne Gentechnik.

Hohe Agrobiodiversität: teilweise bis zu 20 verschiedene Pflanzenarten gleichzeitig auf den Feldern; außerdem gezielte Förderung von Feldlerchen durch sogenannte Lerchenfenster auf dem Feld.

Angebaute Getreidearten, unter anderem Ur-Getreide: Weizen, Roggen, Ur-Dinkel, Braunhirse, Hafer, Einkorn und Emmer. Weitere angebaute Feldfrüchte: Lein, Leindotter, Buchweizen, Hanf.

Angebaute Leguminosen: Der Hof gehört zu den ganz wenigen Höfen in Deutschland, der Linsen anbaut. Weitere angebaute Leguminosen: Erbsen, Bohnen, Klee.

Produkte: Getreide und Getreideprodukte (ganze Körner, Mehle, Grieße, Flocken, Kleie, Grütze, Schrot, Nudeln, Perl-Getreide); Beluga-Linsen, Leinsamen, Buchweizen, kaltgepresste Speiseöle (Leindotter, Lein, Hanf).

Preise: Wettbewerb „Bayerns beste Bio-Produkte 2015“ der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V., Gold (Bayerischer Reis) und Silber (Leindotteröl).

Bild oben: Bio-Hof Chiemgaukorn mit Leinfeld.  | © Tobias Haase

Bio-Hof Chiemgaukorn
Weiding 3
83308 Trostberg
Tel: 08621-806133
www.chiemgaukorn.de

Hofporträt Chiemgaukorn als PDF herunterladen

Rezept: Chiemgaukorn Linsensalat als PDF herunterladen


Bild links: Dipl. Ing. agr. Julia Reimann und Dipl. Ing. agr. Stefan Schmutz, die den Bio-Hof Chiemgaukorn bewirtschaften.  | © Thomas Sadler, schmeckthochdrei


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de