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Gentechnik: Keine Mehrheit für Genmais im EU-Parlament

31.1.2017 – Vergangene Woche stimmte der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel im Europäischen Parlament darüber ab, ob bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzensorten in der Europäischen Union zugelassen werden sollen.  Das Abstimmungspatt zeigt, dass es für eine solche Agrarpolitik keine Mehrheit in Europa gibt.

Der Agrarausschuss, der aus Experten der Regierungen der Mitgliedsstaaten besteht, hat vergangenen Freitag über die Zulassung von mehreren Genmaissorten beraten. Die EU-Kommission hatte dem Ausschuss die Erneuerung der Zulassung zum Anbau der Monsanto-Genmaissorte Mon810 und die Neuzulassung der Sorte BT11 von Syngenta sowie TC1507 von Dupont vorgelegt. "Weder für die Zulassung noch für ein Verbot gab es eine qualifizierte Mehrheit," berichtet das Ausschussmitglied Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen) über die Abstimmung. Die Entscheidung geht nun zurück an die Europäische Kommission.

Ursula Hudson, Mitglied des Vorstands von Slow Food International und Vorsitzende von Slow Food Deutschland: „Die Abstimmung zeigt wieder einmal, dass es in Europa für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) keine ausreichende Unterstützung gibt. Letztes Jahr haben 17 europäische Länder ein klares Nein zum Anbau von GVO geäußert und diese auf nationalem Gebiet verboten. Einige dieser Länder, darunter Griechenland, Italien und die Niederlande, haben sich heute bei der Abstimmung auf europäischer Ebene für eine Autorisierung ausgesprochen, beanspruchen für sich aber die Möglichkeit diese Substanzen in ihren Ländern zu verbieten: Pure Heuchelei. Unsere Entscheider sollten ein für allemal zur Kenntnis nehmen, dass niemand in Europa GVO will. Sie sollten die Zulassungen für GVO stoppen und anfangen, über die echten Fragen zu diskutieren: wie man in ländlichen Gegenden eine prosperierende Wirtschaft und ein gesundes Lebensmittelsystem schaffen kann und dabei gleichzeitig die Ziele des Pariser Klimaabkommens und die Nachhaltigen Entwicklungsziele erreichen kann.”

Erzwungene Industrialisierung der Landwirtschaft

Slow Food ist der festen Überzeugung, dass GVO sowohl eine Gefahr für die biologische Vielfalt darstellen als auch für das Wohlbefinden der ländlichen Gemeinschaften und der Bürger: „Transgene Landwirtschaft ist der letzte Schachzug eines landwirtschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systems, das Landwirte mehr und mehr ihrer Produktionsmittel beraubt. Gleichzeitig verlagert es die Kontrolle über Nahrung immer stärker in die Hände der multinationalen Konzerne. Mit GVO bewegen wir uns langsam aber sicher in Richtung einer forcierten Industrialisierung der Landwirtschaft, bei der die Nutzpflanzen keinerlei historische, kulturelle oder gastronomische Verbindung mehr zu dem Herkunftsgebiet und den Menschen haben, die dort leben. Das stellt eine zunehmende Bedrohung für das Überleben des traditionellen Saatguts und sogar der ländlichen Gemeinschaften an sich dar.”

Quelle: Pressemitteilungen von Greens/EFA group in the European Parliament sowie von Slow Food vom 27. Januar 2017

Bild: Genmais. Aus der der Sonderausstellung "Entwicklungen – 60 Jahre Entdeckung der DNA-Struktur" des Museums für Naturkunde in Berlin.  | © Museum für Naturkunde Berlin / Quelle: Wikicommons / Lizenz

Mehr Informationen:

Ständiger Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwiclung (AGRI) des Europäischen Parlaments

Slow Thema: Agrarpolitik (Aktionen, Informationen, Positionen)


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