Angler Sattelschwein

Beschreibung des Passagiers

Angler Sattelschwein

Als in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die fetten Jahre des Wirtschaftswunders in Deutschland begannen, läutete dies den Niedergang der fetten Schweinerassen ein. Gefragt wurde mit steigendem Wohlstand mageres Fleisch. Gegenüber den „modernen“ Schweinerassen war der Speckmantel zu dick, der Fleisch- und Schinkenanteil zu gering. Im Jahre 1991 gab es nur noch neun Sauen und einen Eber in Schleswig-Holstein. 1936 wurden über 80.000 Angler Sattelschweine und davon rund 52.000 in der Region Angeln - ihrem Ursprungsgebiet zwischen der Flensburger Förde und der Schlei - gehalten. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) ernannte es zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 1990.

Das Angler Sattelschwein verdankt seinen Namen dem „weißen Sattel“, der sich über die Schulter und die Vorderbeine hinzieht. Es ist eine großrahmige, robuste, anspruchslose und vitale Rasse, bei der das Gewicht der Sauen 300 kg und der Eber 350 kg betragen kann. Positive Eigenschaften sind die außergewöhnliche Fruchtbarkeit, hervorragende Muttereigenschaften, sowie eine ausgezeichnete Fleischbeschaffenheit. Als guter Futterverwerter eignet es sich hervorragend für ökologisch wirtschaftende Betriebe mit Hütten- und Weidehaltung.

Bis zum 19. Jahrhundert wurde in Schleswig-Holstein das Marschschwein gehalten, vom dem das Angler Sattelschwein abstammt. Um 1926 wurde die englische Wessex-Saddleback-Rasse eingekreuzt. Im Jahre 1934 sprach der Reichsnährstand ein Verbot der Rasse aus. Wahrscheinlich waren die Tiere nicht blond genug. 1937 wurde das Verbot aufgehoben. Südlich des Nord-Ostseekanals durften aber nur Sattelschweinsauen gedeckt werden. Als Sattelschweineber dort mit Sauen anderer Rassen anbändelten, erklärten die Bauern „Dat is de Bewies, dat Swin swemmen köönt“. Angler Sattelschweine und das Schwäbisch-Hällische Schwein wurden wechselseitig gekreuzt. Eine Kreuzung des Bunten Bentheimer Schweins mit dem Angler Sattelschwein fand nicht den Beifall der Bentheimer Züchter.

Im Jahre 1992 entwickelte sich das Angler Sattelschwein zum „Wendegewinner“. Engagierte Züchter konnten mit Unterstützung des Schweinezuchtverbandes Schleswig-Holstein und der Landesregierung von der ehemaligen LPG Hirschfeld in Sachsen 50 Sauen und 4 Eber des Sattelschweins erwerben, die dort als genetische Reserve gehalten wurden. Inzwischen dürfte der Bestand bei rund 230 Sauen und 12 Ebern liegen. Im Jahre 1996 wurde in Angeln der „Förderverein Angler Sattelschwein“ gegründet.

Geschmack des Passagiers

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Das Angler Sattelschwein besitzt eine hohe Stressresistenz, die Auswirkungen auf die Fleischbeschaffenheit, die Marmorierung und den Gehalt an intramuskulärem Fett hat. Die Erkenntnis daraus: das gesunde Schwein braucht Speck auf den Rippen. Für die Qualität des Fleisches sind auch die Weidehaltung und ein langsames Wachstum von Bedeutung. Diese Eigenschaften führen zu den sensorischen Qualitäten wie Aussehen, die Verarbeitungseigenschaften und den Geschmack des Fleisches, des Schinkens und der Wurstwaren. Ein Schweinebraten, mit einer knackigen Kruste und einer Fettschicht darunter sowie das saftige Fleisch sind ein geschmackliches Erlebnis, das auf die Genießer wartet.

Die Region des Arche-Passagiers

Die Halbinsel Angeln in Schleswig-Holstein.

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Die Züchter:

Biolandhof Heiner Iversen
Svensteen 8
24960 Munkbrarup
Tel. (0 46 31) 74 24
Fax (0 46 31) 38 52
www.urlaub-biohof.de

Hubert Hochreiter
Dorfen 10
84508 Burgkirchen
Tel. (0 86 79) 6 78
Bezug ab Hof nach telefonischer Vereinbarung

Weitere Züchter sind beim Förderverein Angler Sattelschwein e.V.
www.angler-sattelschweine.de zu finden. 

Bezugsquellen:

Biohof Spannbrück (Bioland)
24409 Gulde
Tel. (0 46 42) 2 94
www.biohof-spannbrueck.de

Fleischerei Thordsen
Am Ochsenmarkt 33a
24937 Flensburg
Tel. (04 61) 50 36 00

Kontakt:

Klaus Franzen
Slow Food Convivium Hamburg
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Bilder: © Heyka Glißmann (2), Slow Food Archiv (1)