Moorschnucke (Diepholzer)

Beschreibung des Passagiers

Die Moorschnucke, auch Weiße Hornlose Heidschnucke genannt, hat sich in Jahrhunderten zu einer der leichtesten deutschen Schafrassen in den Moorgebieten Niedersachsens entwickelt. Die Rasse entstand wahrscheinlich durch Einkreuzung einer hornlosen schlichtwolligen Landschafrasse in die Population der grauen gehörnten Heidschnucke. Heute wiegt diese Landschafrasse circa 40 Kilogramm bei einer Widerristhöhe von 50-55 Zentimetern und hat ein mischwollig weißes Haarkleid. Moorschnucken sind bekannt für ihre guten Muttereigenschaften.

Hervorragend angepasst an das Leben in Moorniederungen sind Moorschnucken ein unverzichtbarer Partner bei der Renaturierung der Moore und sorgen im Rahmen von Naturschutz und Landschaftspflege für deren Erhaltung. Indem sie auch Baumschösslinge – zum Beispiel Birken – beweiden, halten sie die Landschaft offen und pflegen so einen Lebensraum für viele wilde, vom Aussterben bedrohte einheimische Tier- und Pflanzenarten.

Die Schafe ernähren sich von Grünfutter. Zufütterung mit hofeigenen Futtermitteln ist bei tragenden Mutterschafen und nach Zwillingsgeburten vorgesehen.

Gefährdung des Passagiers

Noch 1936 zählten 94 Prozent des Gesamtschafbestandes der Moorgebiete Niedersachsens zu den Moorschnucken. Schafe waren damals für die Bauern der Region nur eine zusätzliche Erwerbsquelle. Mit der Intensivtierhaltung verschwanden die Moorschnucken von den Höfen und wurden zu einer vom Aussterben bedrohten Haustierrasse. 1974 waren nur noch 40 Tiere im Herdbuch registriert.

Erwerbbarkeit des Passagiers

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Vier Schäfereien, die jeweils in einem Naturschutzgebiet liegen, haben sich zur “Arbeitsgemeinschaft Diepholzer Moorschnucke“ zusammengeschlossen: Die „Schäferei Ulenhof“ beweidet das Rehdener Geestmoor. Der „Schäferhof Teerling“ beweidet das Neustädter Moor, die Bleckriede, das Holzhauser Bruch, die Kirchdorfer Heide und das Pestruper Gräberfeld. Der „Schäferhof am Dümmer“ beweidet die Naturschutzgebiete Ochsenmoor und Westliche Dümmerniederung sowie außerhalb der Pflegesaison die Huntedeiche und den Dümmerdeich. Als Teil des Naturschutz- und Landschaftspflegebetriebs beweidet die „Schäferei der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel“ das Freistätter Moor sowie das nördliche Wietingsmoor.

Als “Diepholzer Moorschnucke“ werden nur reinrassige Tiere vermarktet, die von diesen vier Schäfereien stammen. Bezogen werden können Fleisch (ganze oder halbe Schlachtkörper) sowie Wurstwaren. Angeboten werden die Produkte auch in der Gastronomie.

Regionale Bedeutung des Passagiers

Die Diepholzer Moorniederung liegt im Süden Niedersachsens und erstreckt sich vom Dümmer See bis an die Weser. Sie wird überwiegend von den Landkreisen Diepholz und Nienburg gebildet. Die unter “Diepholzer Moorschnucke“ vermarkteten Schafprodukte stammen ausschließlich aus dieser Region. Gehütet wird ganzjährig mit Hunden

Geschmack des Passagiers

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Das Futter der Moorschnucken besteht überwiegend aus Wildpflanzen wie Pfeifengras, Seggen und Sauerampfer, Baumschösslingen (unter anderem Birken), Besen- und Glockenheide, Moosen sowie Blaubeeren. Hinzu kommen zum Beispiel Pilze und Flechten.

Aufgrund der besonderen Ernährung, der vielen Bewegung und des langsamen Wachstums – das Schlachtgewicht von 15 Kilogramm wird erst nach 18 Monaten erreicht – weist das Fleisch eine exzellente Struktur und dunkle Farbe auf. Auch gebraten bleibt es zart und sein würzig-vollaromatischer, wildbretartiger Geschmack kommt gut zum Ausdruck.

Spezielles Know-how zur Erzeugung des Passagiers

Die “Arbeitsgemeinschaft Diepholzer Moorschnucke“ ist in Kooperation mit Slow Food Diepholz entstanden. Die vier Schäfereien tauschen untereinander Informationen zur Hütehaltung und zur Pflege der Moore aus und vermarkten gemeinsam die von den Moorschnucken gewonnenen Produkte: Fleisch, Wolle und Felle. Für die regionale Herkunft aus der Diepholzer Moorniederung bürgt das von der EU verliehene Zeichen der geschützten Ursprungsbezeichnung (g. U.).

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Das jeweilige Angebot ist zu finden unter www.moorschnucke.de.

Weitere Informationen

Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH):
Rassebeschreibung der Hornschnucke

Bilder: © Stefan Abtmeyer (3)