Slow Food auf Weißbiertour beim Weißbräu Unertl, 22.11.2014

Eine "weißbierige" Slow Food Chiemgau-Rosenheimer Land Veranstaltung für Wissbegierige in der Brauerei Unertl in Mühldorf.

Weißbier ist "die" bayerische Biersorte schlechthin und somit bietet der Besuch eines handwerklichen "Weißbräus" die Gelegenheit, den Besonderheiten dieser Sorte nachzuspüren. Das Interessa an dieser Veranstaltung war erfreulich groß, das anschließende Essen im Hammerwirt der krönende Abschluss.

Der Weißbräu Unertl wurde 1929 in Mühldorf gegründet und wird heute in der 3. und 4. Generation von Wolfgang und Wolfgang Alois Ertl geführt. Es werden ständig sechs Weißbierspezialitäten hergestellt, wobei die Bio-Dinkel-Weiße besonders hervorsticht, die in Kooperation mit dem Bio-Verband "Bioland" erzeugt wird und mittlerweile viermal Gold beim "European Beer Star"-Wettbewerb errang,  hieß es vielversprechend in der Einladung von Manfred Mödinger, "unserem" Dipl.-Brau-Ingenieur, Wasser- und Bier Sommeliér.

Wolfgang Alois Unertl führte die Slow-Food-Truppe durch die alten Gemäuer des "Weißbräus" in Mühldorf. Man erfuhr, dass Weißbier eigentlich in Bayern lange ein Nischenprodukt war, dass bereits der Großvater die Brauerei kaufte. Damals noch mit Hotelbetrieb, der 1988 verkauft wurde und man sich dann auf Weißbier spezialisierte. Einen fast katastrophalen Rückschlag erlitt das Unternehmen vor einigen Jahren auf Grund des Sabotage-Aktes eines Lehrlings, der der Mühldorfer Brauerei fast den Garaus gemacht hätte. Er setzte dem Biersud nämlich heimlich "schlechte" Bakterien zu, was in der Folge einen Verkauf des Bieres unmöglich machte. Es dauerte lange, bis man den "Fehler" fand und noch länger, bis die Kundschaft wieder Vertrauen in das Unternehmen fasste.

Unertl nimmt dies heute gelassen. Er, der eigentlich Heilpraktiker werden wollte, sieht das Leben spirituell und handelt entsprechend. Wir kauern im Malzlager auf den Säcken mit dem duftenden Rohstoff. Unter uns der Eichenboden. Unter dem befinden sich Edelsteine, die die Atmosphäre reinigen und positiven Einfluss auf alles Geschehen nehmen sollen. Unertl beschallt nächtens auch die Innenräume mit klassischer Musik. Als er versehentlich mal tagsüber die Lautsprecher eingeschaltert hat, hätte er einen Braumeister fast in den Wahnsinn getrieben, erzählt er schmunzelnd. Was für die meisten Hokuspokus ist: Unertl hält viel von diesen Dingen - er ist "Überzeugungstäter". So stehen auch prächtige Bergkristalle an verschiedenen Standorten. Dem Bier tut dies geschmacklich keinen Abbruch, ganz im Gegenteil! Vielleicht liegt der Geschmack auch an der artesischen Quelle, die die Brauerei mit Wasser versorgt? Dieses Quellwasser wird nicht künstlich hochgepumpt, sondern steht unter Druck und steigt deshalb aus eigener Kraft an die Oberfläche.

Das Mühldorfer Weißbier braucht bis zu vier Wochen, bis es in den Verkauf gelangt (Großbrauereien gelingt dieses "Wunder" schon nach 5 Tagen!), weil dem Lebensmittel die notwendige und natürliche Zeit der Reife gegeben wird.

Dem Bier wird 60% Weizenmalz und 40% Speziial-Gerstenmalz zugesetzt. Für die leichte Herbe im Bier kommt noch Hopfen dazu. Der Jahresausstoß beträgt ca. 14 000 Hektoliter. Die naturtrüben Sorten: Alkoholfreie-, Leichte-, Helle-, Dunkel-Gourmet-, Oberland-Export-Weiße, Mühldorfer- sowie das Bio-Dinkel-Weißbier. Die Philosophie das Hauses: "Das Lebendige Weißbier mit Liebe und Herz gebraut."

Beim abschließenden Bier-Menü beim Hammerwirt in Mühldorf-Hammer, wo Küchenmeister Albert Nagl das Bier-Menü vorbereitet hatte, ging Manfred Mödinger im Vorfeld auf die Geschichte des Bieres, bzw. des Weißbieres ein und Karin Löw, die Lebensgefährte Unertls und Bier-Soomelière, erklärte das jeweilige Getränk zum Essen. Ihr Tipp: Das Bier bei der Verkostung - anders als beim Wein - nicht auszuspucken, weil beim Bier das Schlucken für das Geschmackserlebnis wichtig sei, wurde mit Begeisterung befolgt (obwohl bei den meisten von uns die "Gefahr" des Ausspuckens von gutem Bier ohnehin nicht bestand).

Der Geschmack beim Weißbier wird über das jeweilige Getreide und über Hefesorten erzielt. Weißbier ist eine empfindliche Biersorte und wenn es beim Faßbier nicht genügend Durchlauf gibt, empfiehlt es sich, das Bier nur aus der Flasche auszuschenken.

Im Übrigen sind Zusatzstoffe im Bier sehr wohl erlaubt - wenn man sie hinterher wieder entfernt, erfahren wir. Aber das betrifft eher die "Großen" unter den Brauereien. Ein Tipp für Gicht-Geplagte: Weizenbier enthält weniger Purine als Gerstenbier, dafür Folsäure und Vitamin B 12. Das Bio-Dinkel-Bier, das es bereits seit 2001 gibt, wird nach dem 6-Elemente-Prinzip (1/6 Bio-Dinkelmalz, 2/6 Bio-Gerstenmalz, 3/6 Bio.Weizenmalz) gebraut und ist für Weizenallergiker eine echte Atternative. Nun gibt es nach diesem Prinzip auch eine alkoholfreie Variante: "FitamInn" nennt sich das Getränk.

Das Bier-Menü

Als Apéritiv gab's ein leichtes Weißbier, zum "Weißbier-Schaumsupperl mit frischen Kräutern und Hefeweckerl" mundete die Oberlandweiße. Zum "geschmorten Rinds-Schäuferl in dunkler Weißbiersoße, jungem Marktgemüse und Trebernknödel" passte die dunkle Gourmet-Weiße gut. Und zum "Dinkelbier-Parfait mit Malzhippen" (die angekündigten kandierten Rosmarinblüten fehlten, der der Rosmarin "nur wegen uns" offenbar keine Lust zum Blühen hatte) gab es Louis I., einen Weizenbock mit 8% Alkohol.

Nach dem schönen und interessanten Tag bedankte sich Manfred Mödinger im Namen der gesamten Gruppe bei Frau Löw und überreichte Ihr einen großen Blumenstrauß.

Beschwingt und heiter traten alle den Heimweg an.

Text: Herbert Zeilinger

Fotos: Frau Mödinger und Herbert Zeilinger

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