Sommerfest im malerischen Dorf Amerang beim Poidl, 19.07.2014

Treffen in Amerang, 19.07.2014

"Immer, wenn ich meinen Arm hebe, dann wird's ein wenig kritisch", meinte Sepp Stein, "Odl"-Produzent in Amerang. Seinen Riesenspaß dabei hatte dann auch offensichtlich er selbst: Denn mit einem Lanz-Bulldog (ein echter Oldtimer) wurden die Teilnehmer der Slow-Food-Runde aus dem Chiemgau-Rosenheimer Land auf einem kleinen (ungefederten) Hänger in die Bilderbuchlanschaft rund um Amerang gefahren und im Zuge dessen teilweise kräftigst durchgerüttelt.

Bergab und in den Kurven empfand man die Geschwindigkeit auf den Feldwegen ohnehin höher, als sie tatsächlich war - festhalten und (bei den Handzeichen Sepps) in den "leichten Sitz" gehen, war durchaus empfehlenswert. Während der Fahrt bei Kaiserwetter durch die herrliche Landschaft mit Bergblick, gab es immer wieder einen kurzen Zwischenstopp zum Schauen und Entspannen. Genügend Zeit blieb auch, um ein Foto zu machen. Während der Fahrt war es unmöglich eine unverwackelte Aufnahme zu machen.

So auch bei dem neu errichteten Bauernhof, dem Gutshof "Weng", der Familie Freiberger, die neben Murnau-Werdenfelser-Rindern, Mangalitza-Wollschweinen, Fränkischen Landgänsen und Sulmtaler Hühnern (allesamt vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen) hält. Dazu kommen am Hof novch Zuchtpferde der Rasse Pura Raza Espaniola. Alle Tiere können sich in ihrem Umfeld frei bewegen. Bei guten Witterungsbedingungen werden die Mangalitza -Wollschweine und die Hühner zusammen auf die Weide gelassen, eine ideale Symbiose. Die Schweine wühlen die Erde durch, die Hühner scharren im gelockerten Boden nach Fressbarem und sie entfernen bei den Wollschweinen die Parasiten.

Während 1 Mitarbeiter alle Tiere versorgt, versorgt die Gärtnerin die Bienen, pflegt die Hochbeete, Gewächshäuser und Obstbäume am Hof.

Fleisch und Gemüse werden unter anderem in der in Amerang neu eröffneten "Hofstub'n" weiterverarbeitet. - wieder ein Vorzeigeprojekt der Familie Freiberger. Der "Hostub'n"-Koch, Sagi Angelousis erläuterte seine Philosophie und meinte einführend: "Der heilige Geist hat mir ein Kochtalent gegeben, so wie er jedem Menschen sein Talent in die Wiege gelegt hat". Das meinte er nicht ironisch, denn Anspruch und Verantwortung gegenüber der Kreatur und den Lebensmitteln spiegeln sich auf der Karte des gemütlichen, mit Wandgemälden ausgetatteten Restaurants wider.  Sein Ehrgeiz, ausschließlich frische, saisonale, regionale und wenn möglich, biologische Produkte zu verwenden - "aus Respekt für Natur und Kreatur" - wird hoffentlich von immer mehr Gästen honoriert.

Weiter ging's in Sepp Steins "Odl"-Werkstatt. Den beliebten Kräuterlikör "Odl" gibt es in konventionneler Qualität und in Bie-Qualität. Das Rezept basiert auf dem Wissen von Sepps Großvater, der sich und seine Gäste schon vor 70 Jahren an dem Kräuterloikör erfreute. Viele, teils aufwändige Schritte sind notwendig, bis die hochwertigen Kräuter, alle aus der Region, veredelt in Flaschen landen. Sepp Stein ist mit seiner "Odl"-Werkstatt  Slow-Food-Unterstützer im Chiemgau-Rosenheimer Land.

Danach folgte eine Führung durch die Ameranger Gastgronomie, angefangen beim Poidl "Feine Kost am Bach" (dem schönen und gut ausgestatteten Feinkostladen Renate Steins, Sepps rühriger Ehefrau), dem "Wirth von Amerang", der "Hofstub'n" und den fast fertiggestellten Neubauten des Ameranger "Haus-und-Hof-Architekten" Rudolf Rechl, bis man schließlich im Familienhotel der "Steins" beim Abendessen "landete". Man saß dort noch bis spät in die Nacht bei mediterranen Temperaturen im Gastgarten des Hotels.

Danke an Renate und Sepp Stein für den kurzweilig und interessant gestalteten Nachmittag, das gute Essen (nebst hausgemachten Eis), das alle sichtlich genossen - und die meisten froh waren, dass ihre Bandscheiben und das gesamte Nervenkostüm intakt blieben

Text und Fotos: Herbert Zeilinger

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