Dioxin in Lebensmitteln

Dass Dioxin ein gefährliches Gift ist, das sich im menschlichen Körper ansammelt und auch Krebs erzeugen kann, ist hinlänglich bekannt. Es gibt kein Medikament, mit dessen Hilfe Dioxin im Körper wieder abgebaut werden kann. Erst nach ca. 10 Jahren beginnt von selbst ein langsamer Abbauprozess in den menschlichen Fettzellen.
 
Der Dioxin-Fund in Futtermitteln macht deutlich, dass es an der Größe der agrar-industriellen Betriebe und an der Dimension der Fabriken zur Massentierhaltung liegt, wie unüberschaubar und schwer kontrollierbar die gesundheitsbedrohlichen Risiken sind, die daraus entstehen. Das Futter für die Nutztiere in den riesigen Betrieben kommt von Futtermittelproduzenten, die die einzelnen Bestandteile des Mischfutters – bis zu 30 Komponenten – zu möglichst niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt einkaufen.
 
Was diesem Mischfutter beigemengt wird, hat mit Nahrungs- oder gar Lebensmitteln oft nur wenig zu tun. Bezeichnender Weise wird dieses Produkt als Futtermittel und nicht etwa als Tierfutter bezeichnet.
 
Es ist gut, dass die Mehrheit der Verbraucher immer sensibler wird für die Qualität von Eiern und Fleisch und sich zu Produkten aus artgerechter Tierhaltung hinwendet. Zur artgerechten Tierhaltung gehört auch artgerechtes Tierfutter. Es ist keineswegs eine rückwärtsgewandte Idylle, wenn sich Verbraucher wünschen, dass Geflügel soweit wie möglich mit Korn gefüttert wird, sondern eher eine Perspektive für eine gesündere Lebensmittelproduktion. Man sollte in den Eierschachteln das vorfinden was auf den Eierschachteln abgebildet ist!
 
Eine Orientierung zu artgerechter Tierhaltung können die Richtlinien der Verbände des ökologischen Landbaus, wie Bioland, Demeter oder Gäa geben. Dazu gehört, dass der Umfang der Nutztierhaltung an die Fläche des Hofes gebunden ist und das Tierfutter in aller Regel betriebsintern produziert wird. Wenn es nicht vom eigenen Hof kommt, stammt es aus der Region und ist deshalb überschaubar. Alle Zufütterungen zum üblichen Tierfutter aus ökologischem Anbau dürfen nur bei drohender Mangelernährung eingesetzt werden. Die Zusammensetzung der Futtermittel ist transparent geregelt. Der Einsatz von Fetten und konventionellen Pflanzenölen für die Futtermittelherstellung ist bei allen ökologischen Verbänden grundsätzlich verboten.
 
Auch nicht zertifizierte bäuerliche Kleinbetriebe füttern bevorzugt mit eigenem Futter und ergänzen mit regionalen Produkten.
 
 
Slow Food setzt sich nicht erst unter dem Eindruck dieses neuerlichen Skandals dafür ein, dass
 
•          die Qualität und die Zuverlässigkeit der Kontrollen in der Agrarindustrie nicht noch weiter abgebaut, sondern gesteigert werden, weil die Selbstkontrolle der Branche völlig versagt. Verbraucherschutz darf nicht den Charakter einer Skandal- und Krisenbekämpfung haben, sondern es muss ein vorsorgender Schutz sein;
 
•          verschärfte Haftungsregeln für alle an der Nahrungskette Beteiligten - beginnend bei den Herstellern industriellen Tierfutters – geschaffen werden und bei kriminellem Handeln rasche strafrechtliche Konsequenzen gezogen werden.
 
Vorrangig jedoch muss
 
•          die bäuerliche Landwirtschaft, die sowohl an der artgerechten Tierhaltung als auch an der Sicherheit gesunder Lebensmittel aufgrund klarer und transparenter Richtlinien orientiert ist, stärker gefördert werden. Die handwerkliche Verarbeitung von Fleisch und allen tierischen Lebensmitteln sowie die regionale Vermarktung müssen ausgebaut und unterstützt werden;
 
•          die Nutztierhaltung muss grundsätzlich wieder an die bewirtschaftete Fläche des Hofes gebunden sein.
 
 
Slow-Food-Mitglieder wollen sich die Freude an gutem, sauberem Essen nicht verderben lassen. Wir unterstützen die bäuerliche Landwirtschaft durch gezielten Einkauf. Wir suchen und kennen die Produzenten der Region. Auch in der Weiterverarbeitung steht für uns die handwerkliche Leistung, eine Herstellung mit guten Grundprodukten und ohne Geschmacksverstärker und andere Zusatzstoffe im Vordergrund.
 
 
Marianne und Helmut Wager
Convivienleitung

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