Beim Obermeyer in Tengling – eine körnerreiche Sommeridylle.

Wir besuchten den Demeter-Bauern Franz Obermeyer auf seinem Hof in Tengling, um uns seine Getreidefelder erklären zu lassen.

An einem perfekten Sommer-Samstag-Nachmittag, bei Temperaturen von über 30 Grad, ausgerüstet mit Sonnenhüten und leichter Kleidung, folgten wir dem charismatisch-kämpferischen Urgestein der Bio-Bauer Fraktion am Tachinger See, dem Franz Obermeyer auf seine Felder. Neben den äußerst informativen Einsichten in das Geschäft – und beim Franz – die Leidenschaft einer vollkommenen, nachhaltigen Bio-Bewirtschaftung , lernten wir die unterschiedlichen Bedürfnisse der Getreidesorten an Bodenbeschaffenheit, Fruchtfolge und Toleranz mit anderen Kulturpflanzen kennen. Alles, quasi so nebenbei, bei absolut überwältigendem Panorama auf den Tachinger See und die Gebirgsketten der Berchtesgadner- und Salzburger Alpen, deren höchste Gipfel gletscherweiß wie Diamanten herübergrüßten.

Wir trafen auf Leinsaatfelder, deren Samen bzw. deren Öl so wertvoll ist, prächtig stehende Dinkelfelder, den Lichtweizen, dem sogar spirituelle Fähigkeiten zugeschrieben werden, auf Emmer- und Einkorn-Felder, Roggen und Nacktgerste. Anhand der unterschiedlichen Gerstensorten erfuhren wird mehr über das Abspelzen der schützenden Häutchen, die das Korn umgeben. Immer weiterhinauf zu seinen oberen Feldern führte uns der Franz, dort, wo seine Kartoffeln wachsen und wo der Nackthafer bläulich-grün steht. Alle Felder sind durchzogen von natürlichen Wiesenblumen, den schönen Kornblumen, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnere und die heute den chemischen Spritzmitteln zum Opfer gefallen, so selten zu sehen sind, etwas Klatschmohn und die vielen Kleearten, die mit ihrem dichten Bodenwuchs den Boden vor dem Austrocknen schützen, gerade jetzt, wo die Sommerhitze ihren Tribut zollt. Ein kleines Laubwäldchen ist in den letzten zwei Jahrzehnten auf einem abschüssigen, früheren Weide-Wiesenstück vom Franz angelegt worden, eingetreten senkte sich die Temperatur gleich um ein paar Grad und wir genossen die schattige Kühle, genauso wie eine Rehkuh, die sich kaum erkennbar im Schatten niedergelassen hatte. Der Franz meinte, er müsse der Natur etwas zurückgeben, das man ihr geraubt hatte und den Kleintieren einen Lebensraum schaffen.

Das wunderbare Panorama vor Augen kehrten wir nach 2 ½ Stunden intensiver Erfahrungsaufnahme zurück in die Scheune des Bauers, wo wir noch viele Fragen an ihn hatten und er ein leidenschaftliches Plädoyer für Bio, Demeter, Ernährung und Zukunft der nachhaltigen, kleinbäuerlichen Landwirtschaft hielt. Ich glaube, wir haben uns alle vorgenommen noch selektiver, noch kritischer unsere Wahl beim Einkauf unserer Lebensmittel zu treffen und ganz besonders auf den „Obermeyer“-Stempel der einfachen Packpapierpackungen mit Körnern und Mehl zu achten. Unser Essen, in dem so ein Produkt steckt, wird uns sicherlich noch mehr schmecken und ein bisschen glücklicher machen.

Wir wären keine Slow-Food-Leute, wenn wir den Tag nicht mit einem opulenten Essen, bei philosophischen und lustigen Gesprächen in einem idyllischen Garten am hohen Flussufer der Salzach beschließen würden. Wir waren beim Pritzlwirt in Pritz bei Burghausen, zu finden in unserem Genussführer, aber leider nur noch bis Ende August aktiv.

Einen schönen, genussvollen Sommer allen!

Text: Helga Geistanger / 30.06.2019

 

Tengling Getreidefeld

Tengling auf dem Feld

Kornblumen

Auf dem Feld

Im Weizenfeld

Franz Obermeyer erklärt

Weizen & Kornblumen

Bio Bauer Franz Obermeyer

Franz Obermeyer

Regional aus dem Rupertiwinkel    Demeter

Pritzlwirt

Ausklang beim Pritzlwirt

Fotos: Helga Geistanger / Wolfgang Hirschpointner

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