Beim Fischer Lex auf der Fraueninsel

Der Fraueninsel-Fischer und die Chiemsee-Renken

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Wir trafen uns am späten Vormittag – die Anreise bedarf der Überfahrt mit dem Schiff - vor dem Haus des Fischers. Nach ein paar Schlechtwetter-Tagen hatten sich etwa zwei Dutzend Mutige eingefunden. Bei der Überfahrt hob sich der Wolkenschleier und legte die schneebedeckten Bergspitzen frei, die im graublauen Pastelldunst auszumachen waren. Als wir den Fischer trafen, kam die Sonne hervor und der Frühling verströmte bald seine wohlige Wärme.

Der Chiemsee-Fischer Thomas Lex begrüßte uns vor seiner „Fischküche“, hier wird der gefangene Fisch gesäubert, filetiert auch geräuchert und sonst verarbeitet – nur „gekocht“ wird er eigentlich nicht, das machen die Restaurants, die der  Fischer beliefert.

Die Familie Lex ist seit mehreren Generationen auf der Fraueninsel ansässig; seit Mitte des 19. Jahrhunderts im aktuellen Wohnhaus und seither Berufsfischer. Auch die beiden erwachsenen Söhne der Familie Lex werden diese Tradition weiterführen.

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Nun erfuhren wir von unserem sympathischen Gastgeber alles über den eigenen Beruf, die Ausbildung, die Genossenschaft aller 16 Chiemseefischer, die Vergabe der Fischereirechte durch den Bayerischen Staat (der See gehört dem Land Bayern). Besonders interessant war die Schilderung der Bewirtschaftung des Sees: Im Winter wird den gefangenen Renken (dem wichtigsten Fisch im See) der Laich abgestreift. Dieser wird befruchtet und in eine eigene Brutanlage gebracht. Nach den Schlüpfen und einigen Wochen Wachstum wird die Brut wieder im Chiemsee verteilt. Im März waren das nun 80 Millionen Stück. So garantiert man die Nachhaltigkeit des Renken-Vorkommens. Die Nachfrage ist groß, nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei den Kormoranen, die sich in den letzten Jahrzehnten kräftig vermehrt haben.

Wir erfuhren, welch andere Fischarten im See leben, welche Lebensräume sie haben und wie sie gefangen werden. Fischer Lex gab auf viele Fragen kompetent und offen Antwort. Wir haben alle viel Neues erfahren und viel gelernt. Jetzt kann man mit ganz neuem Gefühl und Bewusstsein eine Chiemsee-Renke essen und genießen.

Nach so viel Theorie meldete sich unser Appetit auf „Renke“ und wir überfielen geradezu die liebe Frau Lex in ihrem kleinen Fischladen und forderten Semmeln mit am Morgen frisch geräucherter Renke oder mit Renken-Matjes ein. So saßen wir bald am Chiemsee-Ufer und ließen uns die Spezialitäten munden. Danach verstreute sich die Gruppe und jeder ging seiner Wege. Einige spazierten über die Insel, andere stillten weiteren Fisch-Appetit in einem der Restaurants, weitere besuchten die interessante, geschichtsträchtige Benediktiner-Abtei oder die Souvenirläden. Es war ein perfekter Chiemsee-Fraueninseltag.

Vielen Dank an Fischer Lex und an Sankt Petrus , der die Sonne gesandt hat.

Bericht: Helga Geistanger

Fotos: Helga Geistanger und Wolfi Hirschpoltner

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