Besuch bei einem echt bayerischen Rind, 16. September 2015

Ein echt bayerisches Rind - das Murnau-Werdenfelser Rind, oder: "eine Love-Story zwischen Bauer und der besonderen Kuh"

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Etwas nördlich des Tachinger Sees, bei der Abzweigung von Wiesmühl nach Töring, auf halber Strecke nach Tittmoning, liegt der Hof der Familie Wagner. Das blumengeschmückte Bauernhaus ist umgeben von einer Streuobstwiese und grünen Weiden. Hier ist auch das Zuhause von vier Murnau-Werdenfelser Kühen, liebevoll "Murnis" genannt, sechs Kalbinnen und drei allerliebsten Kälbchen. Dazu kommt noch eine Kuh der Südtiroler Grauviehrasse, ein Grauviehochs und seit gestern ein weiteres Grauvieh-Kälbchen, das auf der Weide geboren wurde. Am Mittwoch, bei meinem Besuch, ist die Kuh-Mama noch übermütig auf der Weide galoppiert.

Ich war dort zu Besuch, zusammen mit einem unserer SlowFood Mitglieder und Aktivisten Wolfgang und wir haben uns von der Bäuerin ihre Murni-Lieblinge vorstellen lassen.

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"Das Murnau-Werdenfelser Rind ist eine sehr robuste Rasse mit harten Klauen, hervorragenden Muttereigenschaften und einer sehr langen Lebensdauer. Es ist perfekt an die verschiedensten Landschaftsformen Bayerns angepasst.", so steht es in der Informationsbroschüre über Rinderrassen.

Außerdem erfahren wir, dass diese Rinderrasse auf der Roten Liste der "extrem gefährdeten" Rassen steht und es nur noch knapp 200 Milchkühe - vor allem im Allgäu und Murnauer Moos - in Bayern gibt. Die Milchleistung beträgt nur etwa 60% der deutschen Durchschnittskuh und das ist wohl der Grund, warum ihre Haltung nicht mehr interessant war.

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Wir treffen also Kuh "Rehlein" (Tochter von Resi) und  Co. auf der Weide hinter dem Haus, werden freundlich begrüßt, indem gleich eine dieser schönen, aber kräftigen Kuh-Damen auf uns zutrabt und sich gerne den Kopf kraulen lässt. Ein bisschen mulmig ist mir schon, dreht sie doch die Hörner lustig hin und her und kommt mir dabei recht nahe. Sonst lässt man uns Besucher gewähren, ist ja die Bäuerin dabei, die vertraulich extra ausgiebig bestupst wird. Nebenan stehen ein paar Pferde des Nachbarn, mit denen offensichtlich ein freundschaftliches Verhältnis besteht. Die sechs Kalbinnen grasen etwas weiter entfernt auf einer Weide, in Sicht- und Hörweite. Wir werden Zeuge der speziellen Murni-Sprache und dem "Zugemuhe" der Familienmitglieder.

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Der saubere Stall wird gezeigt, der nur nachts als Unterschlupf dient, dort wird auch das Melken durchgeführt. Hier haben sich zwei ganz kleine Kälbchen zurückgezogen, sie wollten nicht in der heißen Sonne des Altweibersommer-Tages sein. Wir erfahren, dass die Murnis nur Gras von der Weide oder Heu fressen, im Winter wird noch der s.g. Bruch (Getreidebruch aus Weizen und Mais) zugefüttert - so wie das früher von allen Klein-Milchbauern in unserer Gegend gehandhabt wurde. Man merkt das gleich am Geruch: der streng-saure Geruch, den man sonst aus Ställen aufnimmt und sich penetrant in der Kleidung festhängt, ist nicht vorhanden. Meine Jacke, die ein Kälbchen hingebungsvoll beleckte, musste zwar in die Waschmaschine wegen der Flecken aber nicht wegen des Geruchs. Frau Wagner erklärte uns auch, warum es so wichtig ist, dass den Rindern die Hörner belassen werden. Das Horn hat eine Funktion bei der Verdauung des Rindes, außerdem unterstützt es das Imunsystem der Kuh.

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Außer den Rindern wohnt hier noch ein buntes Federvolk: Cröllwitzer Puten, Sulmtaler Hühner, Altsteirer Hühner, Lakenfelder Hühner und ein Paar Cayugaenten. Das Hühnervolk hat viel Freiheit und nur Respekt vor Hofhund Maxi.

Die wertvolle Milch der Murnis - sie enthält besondere Milchproteine - wird ausschließlich ab Hof verkauft. Schon von der Straße aus ist das "Milchhäusl" zu sehen, davor grüßt eine freundliche Holzkuh. ier kann man sich an einem Spenderautomaten selbst seine Milch einfüllen und das köstliche "Weiß" mit nach Hause nehmen. Köstlich ist nicht übertrieben; ich selbst bin eigentlich ein "Milchmuffel", diese Milch jedoch hat mich völlig überzeugt.

Euch vielleicht auch?

Man findet sie hier: Familie Alois und Eva Wagner, Kumbergöd 1, 84529 Tittmoning

(Text Helga Geistanger, Fotos: Wolfgang Hirschpoltner Foto 3 + 5), Helga Geistanger)

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