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NAHRUNG FÜR GEDANKEN      (Foto: H. Riegel)

Gute Ideen

Tierwohl oder die artgerechte Tierhaltung

Artgerecht: Fleckvieh-Milchkühe auf der Weide (Foto: Bio-Bauernhof Peter, Schwebheim)

Durch den global wachsenden Konsum von Fleisch erleben wir schon seit langem eine enorme Zunahme der industrialisierten Tierhaltung. Beispiel Schweine: In den letzten 60 Jahren wuchs die Schweinehaltung in Deutschland von 12 Millionen auf über 28 Millionen Tiere; pro Schweinehalter wuchs sie jedoch von fünf auf deutlich über 1.000! Gleichzeitig verschlechterte sich massiv das Schweineleben in vielen Betrieben: Die meisten leben auf Spaltenböden ohne je eine Möglichkeit zu haben, nach Schweineart in einem natürlichen Boden wühlen zu können. Nicht weniger brutal werden die meisten Hühner und Puten gehalten. Und auch die Hochleistungsmilchkühe haben kein sonniges Leben. Außerdem haben sie alle ein ganz kurzes Leben.

Die Tiere werden als Produktionsmaschinen gesehen. Geflügel ist so degenerativ gezüchtet, dass die armen Tiere fast nur aus Brust bestehen und gegen Ende ihres armseligen Lebens kaum auf den eigenen Beinen stehen, geschweige denn laufen können. Schweine müssen in Boxen leben, die kaum größer sind als sie selbst, Milchkühe werden mit eiweißüberschüssigem Kraftfutter gemästet, das vor allem nur den Labmagen beansprucht, statt mit Gras, wofür das Rind vor allem seinen Pansen, Netz- und Blättermagen hat, um daraus Milch zu produzieren. In der Massentierhaltung werden Masthähnchen kaum älter als einen Monat, Schweinen gönnt man höchstens vier, maximal sechs Monate und die Hochleistungsmilchkuh kommt nach durchschnittlich 2,5 Laktationsperioden, also im Durchschnitt mit kaum fünf Jahren, zum Schlachter. Deutschland ist der Schlachthof Europas. Und produziert weit mehr Fleisch als die eigene Bevölkerung verspeist: Export heißt das Sehnsuchtswort der Rinder-, Schweine- und Geflügelbarone, fleißig gefördert durch die Politik.

Um kein Ko-Produzent für die Massentierhalter zu werden, können Slow Fooder eigentlich nicht anders entscheiden, als mit dem Einkauf ein Ko-Produzent artgerechter Tierhalter zu sein.

Hans-Werner Bunz


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