Slow Food Mainfranken_Hohenlohe

NAHRUNG FÜR GEDANKEN          Foto: H. Riegel

Gute Erfahrungen

Junge Bauernfamilie mit alten Rassen

Gülchsheim. Manuel Lehner hat in seinen 30 Jahren viel erreicht. Der junge Tierwirt für Geflügelhaltung führt zusammen mit seiner gleich ausgebildeten Frau Christina erfolgreich einen „Naturland“ zertifizierten Biohof im Vollerwerb im mittelfränkischen Gülchsheim östlich vom unterfränkischen Aub. Ihr Hof ist klein, weit unter dem Durchschnitt deutscher Bauernhöfe: nur 13 Hektar statt knapp 601 - zu klein nach heutiger Lehrmeinung für Vollerwerbsbetriebe. Und doch gelingt’s: Wagemut, Klugheit und Konsequenz strafen Statistiken Lügen. Der Hof, von Christinas Eltern im Jahr 2010 übertragenes Erbe an ihre Tochter, sollte, so wollten es Christina und Manuel, keiner

der reinen Landwirtschaft sein, sondern der Veredelungswirtschaft mit konsequent ökologischer Produktion. Also wandelten sie den Hof zum Geflügelhof um mit Legehennen und Hähnchenmast, Enten und Gänsen, die Ackerflächen zu Weiden und Futterlieferanten. Schon 2011 erhielt ihr Hof das Zertifikat „Naturlandhof“ durch den „Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.“. Und so füttern die Lehners ihr Geflügel mit selbst Angebautem: Mais, Weizen, Hafer, Gerste, Leguminosen und auch Triticale (Züchtung aus Weizen und Roggen), alle Arten selbst fortpflanzungsfähig, ihre Körner somit als Samen nutzbar.

Vielfalt und Seltenes als Konzept

Nur Legehennen und Masthähnchen waren den Lehners nicht genug. Enten, Gänse, Schafe, Ziegen und Rinder kamen hinzu – allerdings ganz seltene Arten: Fränkische Landgänse (Kandidat für die Slow Food Arche des Geschmacks), Murnau-Werdenfelser Rinder (Arche-Passagier), Coburger Fuchsschafe (in Bälde), Thüringer Waldziegen (Kandidat) und Burenziegen. Als Landschaftspfleger ernähren sich die Rinder wie die Schafe und mit ihnen die Ziegen weitgehend selbst in der Vegetationszeit, oftmals auch schwer zugängliche Habitate beweidend, für Manuel Lehner zeitraubend einzuzäunen. In der kalten Jahreszeit leben Schafe, Ziegen und Rinder auf dem Hof in Laufställen mit Stroheinstreu, gefüttert mit eigenem, ökologisch erzeugtem Futter.

 Das Geflügel weidet beim Hof – auch die Legehennen: rund 2.500 der Hybridrasse „Lohmann-Sandy“. Mit zwei großen, mobilen Legeställen mit Ausgang zur Weide wandern sie mehr als eineinhalb Jahre von Grünfläche zu Grünfläche. Die abgeweideten regeneriert Lehner durch Einsäen von Leguminosen, vor allem Luzerne. Auch die Masthähnchen (die auch Hühnchen sein dürfen) haben große Auslaufflächen und werden mindestens drei Monate alt, nicht wenige auch älter. Endet das Hühner-, Hähnchen-, Enten- und Gänseleben, geschieht dies in fast vertrauter Umgebung: Nach geruhsamer Nacht im Stall auf dem Hof schlachtet sie Manuel Lehner fachgerecht nebenan im hofeigenen, EU-zertifizierten Schlachthaus. Ebenso die Lämmer und Zicklein sowie die Schafe und Ziegen. Und die Rinder? Die schlachtet Manuels mit den Tieren vertrauter Bruder fachgerecht im Schlachthaus des Klosters Münster-Schwarzach. Freilich erst nach einer möglichst langen Lebenszeit.

Die Webseite www.naturlandhof-lehner.de gibt einen Einblick. Dabei entdeckt man auch, dass Bio-Nudeln mit 42 Prozent Eigehalt (!) angeboten werden: Die Eier dafür liefert der Hof. (-hwb)


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