Slow Food Mainfranken_Hohenlohe

NAHRUNG FÜR GEDANKEN          Foto: H. Riegel

Gute Erfahrungen

Sir Quickly - Slow Food für Menschen mit wenig Zeit

Oder wie man preisert Kulinarisches mit Qualität, Individualität, Vielfalt und knappem Zeitbudget verbindet.

Von Hans-Werner Bunz

Die schmale Gasse lag im Schatten, als der Bad Neustadter Matthias Straub und die Bergisch-Gladbacherin Christiane Haak (Foto: Holger Riegel), beide erfahrene Köche, in sie eindrangen. Nichts deutete in diesem Moment darauf hin, dass ihr Leben hier neu beginnen würde. Ihr Ziel war die „Suppenküche“ im Herzen Würzburgs, Hundert schnelle Schritte vom Marktplatz, deren Inhaberinnen nicht mehr Suppe kochen wollten. Die beiden jungen Köche, damals – 2003 – gerade mal 33 Jahre alt, aber wollten: vor allem sich selbständig machen. Sie hatten nur ein kleines Budget, aber dafür großen Mut – und eine Idee: Eine kleine Kantine für Großstadt-Menschen, also Leute mit wenig Zeit, die aber dennoch abwechslungsreich essen wollen, aber nicht immer nur Fleischernes, wie in den Dönerbuden, Bratwurst-Imbissen und Burgerbratereien.

„Wir sind Köche, die kochen wollen“
Die „Suppenküche“ gefiel ihnen zwar nur bedingt, doch die Architektur war passend: klein, aber dennoch groß genug, vorne ein Raum für die Gäste und nach hinten der offene Raum für die Arbeit. Denn offen sollte er sein: „Wir sind Köche, die kochen wollen – und das soll man sehen.“ Kurz und gut: Mathias Straub, Slow Food Mitglied bereits seit einigen Jahren, und seine Lebenspartnerin Christiane Haak unterschrieben den Mietvertrag. Einige kleine Umbauten waren notwendig, der Durchblick sollte größer werden, neues Mobiliar – Stehtische - wurde angeschafft. Und dann eröffneten sie ihr „Sir Quickly“; der Name spielt sowohl an auf das bayerisch-unbekümmerte Lebensgefühl in der Kultfernsehserie „Irgendwo und sowieso“, wo der dicke Ottfried Fischer alias Sir Quickly mit Hut und weißem Anzug auf seiner NSU „Quickly“ (ein Moped) alles „a bisserl anders“ macht, als auch auf das  gastronomische Konzept: Fein soll’s sein und schnell muss es gehen – aber schön langsam.

Flexibilität war von Anfang an eine Voraussetzung für den Erfolg. Da eine Lüftung fehlte, konnte anfänglich Gebratenes wegen der Geruchsentwicklung nicht auf die Karte, sondern nur Gekochtes. Mit Angebotsexperimenten erforschte man die Kundenakzeptanz. Inzwischen wissen sie längst, was ihre Kunden wollen: Drei täglich wechselnde, frisch, saisonal und kontrastreich gekochte Gerichte, die – wenn man so will –  sich auch als Menü verspeisen lassen: Suppe bzw. Vorspeise, Hauptgericht, Dessert, vegetarisch von Montag bis Donnerstag, lediglich freitags ist Fischtag – sehr passend in einer Bischofsstadt. Immer im Angebot sind zwei Snacks: Burritos, eine  Art Pfannkuchen aus Weizenmehl nach mexikanischer Art, verschiedenartig gefüllt, sowie Gemüse-Sandwiches.

Wir wollen etwas gut machen, besser als andere,
ist das Motto im Sir Quickly. Das fängt schon beim Kaffee an, eine Leidenschaft von Matthias Straub. Die Karte für die Woche wird in der Woche davor festgelegt und auch im Internet publiziert (www.sir-quickly.info). Fertige Rezepturen gibt es kaum, sie ergeben sich erst während des Kochens der Gerichte, wobei auch aufs aktuelle Wetter eingegangen wird. Gelernt haben beide dieses Kochen à la minute in Mövenpicks „Marché“ in München, nur eine ihrer zahlreichen beruflichen Stationen. Das Gemüse liefert ein lokaler Gastronomieversorger, der in der Region einkauft. Den Fisch bringt die Deutsche See ins Haus. Das Brot kommt täglich von einer kleinen Würzburger Bäckerei, das Mehl für Selbstgebackenes wird in Straubs Heimatstadt Bad Neustadt gekauft, direkt von der Ballingsmühle. Auch aus der Rhön und zudem von einem Slow Food Förderer stammt Trinkbares: Bionade.

Erfolgsrezept für Individualisten
Die ständig wechselnde Karte verlangt Einfallsreichtum und ein hohes Können von den beiden. „Man muss etwas gut machen für den täglichen Bedarf“, daran glauben beide. Der Lohn sind viele Stammgäste, von denen die Mehrzahl täglich erscheint, andere in größeren Abständen. Doch auch neue Gäste kommen – und werden oftmals schnell zu Stammgästen. Und nicht wenige sind treu seit Anbeginn – es gibt nur wenige gastliche Stätten, die das von sich sagen können. „Essen mit Sinn“, dieser Sir Quickly-Wahlspruch könnte zur kulinarischen Fanfare werden, gäbe es mehr junge Köche, die sich dem Fastfood-Einheitsbrei auf diese Art entgegenstemmen würden. Sie wären die wahren Retter unserer kulinarischen Alltagskultur.

Tagesbistro Sir Quickly – Essen mit Sinn, Herzogenstr. 5, 97070 Würzburg, Tel: 0931-4679401, geöffnet Mo-Fr 11-16 Uhr    Foto: Sir Quickly


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