Slow Food Mainfranken_Hohenlohe

UNSERE INITIATIVEN

PROJEKTE                  Foto: © Eichelschwein GmbH

Arche des Geschmacks (Kandidat)

Urfänkisch: das Fränkische Gelbvieh

Foto: Manger

Foto: © Bay. Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön/Manger

Man kennt sie kaum noch, auch nicht in ihrer Ursprungsheimat, die Franken heißt. Vor allem Unter- und Oberfranken. Hier entstand sie vor über 100 Jahren: als Ergebnis einer Züchtung aus verschiedenen Rassen über einen Zeitraum von fast 100 Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts hatte man das Zuchtziel erreicht: ein grosses, leicht mastfähiges, einfarbig gelbes Zugrind, das zugleich eine gute Milchleistung und viel würziges, verhältnismäßig fettarmes, aber dennoch gut marmoriertes Fleisch erbrachte.

Ein Drei-Nutzungsrind
Das Fränkische Gelbvieh, auch Gelbes Frankenvieh, mit durchschnittlich 5.600 kg Milch im Jahr erzeugt zu wenig für eine Milchviehhaltung. Und seine Arbeitsleistung, für es auch gezüchtet wurde, ersetzt längst der Traktor. Heute ist es vor allem das Fleisch, das die wenigen, dieser Rasse treuen Bauern motiviert (neben Liebhaberei). Denn diese zeichnet sich durch vielerlei aus: die Tiere sind frühreif, sehr fruchtbar, kalben problemlos ab, sind frohwüchsig, lassen sich lange nutzen, haben einen gutmütigen Charakter, eignen sich sehr für Mutterkuhhaltung, liefern viel gut marmoriertes, feinfaseriges Fleisch von ausgezeichnetem Geschmack.

Das fränkische Gelbvieh ist heute noch in der Rhön, hier gilt’s als alte Rhöner Haustierrasse, und auch im Spessart vereinzelt anzutreffen. Die Welternährungsorganisation FAO und die GEH Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V..stuft die Rasse als „gefährdet“ ein. Um sie für unsere Region, ihre ursprüngliche Heimat, zu erhalten, engagieren wir uns. Ein erster, aber wichtiger Schritt ist ihre Aufnahme in die Slow Food Arche des Geschmacks.

Foto unten: © Jens Englert


Aufessen, was man erhalten will, ist das Motto eines Projektes, das Landschaftsschutz mit Artenschutz (vom Fränkischen Gelbvieh bis zur Pflanzenvielfalt) verbindet und dem Feinschmecker köstliche Genüsse eröffnet.
Von Karl-Heinz Kolb

Weitgehend verschwunden aus der Rhön ist das Fränkische Gelbvieh, einst die typische Rinderrasse dieses Gebirges. Doch es besteht Hoffnung: Dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Grünlandprojekt im Biosphärenreservat Rhön liegt das Fränkische Gelbvieh besonders am Herzen, ebenso wie der Bayerischen Staatsregierung: Sie hat es 2008 in seine Förderung zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen aufgenommen.

Entstanden ist die Rasse einst aus dem altfränkischen roten Rind. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das „Gelbe Frankenvieh“ das typische Rind in Rhön und Spessart. Ursprünglich als Drei-Nutzungsrind (Zug-, Milch-, Fleischleistung) gezüchtet, sind die Tiere hervorragend an die klimatischen und geologischen Verhältnisse der Rhön angepasst. Und sie eignen sich bestens für die Mutterkuhhaltung.

Rhöner Natur schmecken
Beim Genießen von Fleisch und Wurst vom Fränkischen Gelbvieh lässt sich die Rhöner Natur schmecken. Die an Blumen und Kräuter reichen Weiden des Mittelgebirges bringen eine besondere - und gesündere - Fleischqualität hervor. Vor allem dann, wenn ganzjährig statt mit Kraftfutter nur mit Raufutter (Gras, Grassilage, Heu) zugefüttert wird. So sehen es auch die Statuten des Grünlandprojekts vor.

Warum dieser Verzicht auf die sonst übliche Ausmast im Stall? Fleisch enthält im Fett mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA), die der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren kann und deshalb mit der Nahrung aufnehmen muss. Zu den PUFA zählen die Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Ein richtiges Verhältnis dieser beiden Fettsäureklassen zueinander (unter 5:1) kann eine Rolle in der Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Bluthochdruck, Diabetes, Arthritis und anderen Endzündungsprozessen sowie auch bei Krebserkrankungen spielen. Gras weist einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auf, weshalb auf der Weide gehaltene Rinder mit 2:1 ein deutlich vorteilhafteres Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren besitzen als mit Kraftfutter gefütterte Stalltiere. Die ganzjährige Weidehaltung schafft also nicht nur ein köstlich schmeckendes Fleisch, sondern ist auch, ernährungsphysiologisch deutlich höherwertig. Gleichzeitig lässt sich so eine artgerechte und umweltschonende Haltung der landwirtschaftlichen Nutztiere praktizieren.

Die bisherigen fünf Grünlandprojektpartner in der bayerischen Rhön (Einzellandwirte und Weidegemeinschaften) halten rund 150 Tiere des Fränkischen Gelbviehs inkl. Nachzucht. Alle Betriebe betreiben Mutterkuhhaltung und stellen daneben einzelne Ochsen auf. Die Jungtiere werden überwiegend als Jungrinder (Baby Beef) geschlachtet, ein Betrieb vermarktet Milchkälber. Alttiere werden zu einer speziellen Salami, dem „Rhön Schdegge (siehe unser Heft 1-08), zu Rinderschinken oder einem Rhöner Corned Beef von der Metzgerei Söder (Sandberg) verarbeitet.

Natur mitgestalten
Natürlich bringt die Beweidung neben den kulinarischen Freuden auch für die Natur ein großes Plus, denn nur eine offene Rhöner Landschaft ist auch künftig für Touristen wie Einheimische attraktiv. Weidetiere leisten dazu einen entscheidenden Beitrag. Sie gestalten Landschaften noch interessanter, wie die Almen in den Alpen belegen. Die Mischung aus bunten Blumenwiesen und vielgestaltigen, kräuterreichen Weiden lassen zusammen mit der „Gelben Kuh“ die Rhöner Kulturlandschaft zu einem auch kulinarisch großartigen Erlebnis für jung und alt werden.


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