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UNSERE INITIATIVEN

PROJEKTE                Foto: © Eichelschwein GmbH

Arche des Geschmacks

Unser Achepassagier Nr. 14: Fatschenbrunner Hutzelbirne

Fotos: © Franz Hümmer

Das Eintrocknen von Baumfrüchten wie Apfel und Birne war einst, also noch vor 70 Jahren, eine Überlebenstechnik der armen, meist nur kleine Flächen bewirtschaftenden Dörfler. Durch sorgsames Darren gelang ihnen ein fast verlustfreies Konservieren der vitamin- und energiehaltigen Früchte - lebensnotwendig bei ihren meist ziemlich einseitigen Speisen. Man nutzte auch den eigenen Flecken Erde vielfältig: nicht nur der Boden wurde bewirtschaftet, sondern auch das Stockwerk darüber durch Obstbäume. Die Bäume pflanzte man so, dass man Zugang zu den Früchten hatte ohne dabei die Getreide, Kartoffel- und Rübenpflanzen zu beschädigen. Und die Grünflächen um die Bäume boten Futter fürs eigene Vieh. Die Hochstammbäume verbesserten das Kleinklima, ihre Wurzeln hielten den Boden fest und das Pflügen nach dem Pflanzen zwang sie in die Tiefe. Sie waren keine Konkurrenten für die Ackerfrüchte.

Hand- und Präzisionsarbeit
Die Äpfel und Birnen werden zwischen September und Ende Oktober geerntet. Mit langen Stangen vom Baum geschüttelt, sortiert man anschließend: die weniger guten fürs Schnapsbrennen, die guten fürs Verhutzeln. 10 Hutzeldärren gibt es noch heute in Fatschenbrunn (aber nur einen Hutzelerzeuger), vor 50 Jahren waren es noch 32. Ist schon die Baumpflege und Ernte Handarbeit, so ist sie es erst recht beim Darren: Waschen der Früchte, sie auf die Därrgitter schütten und diese in die holzbefeuerte Därre einschieben, immer wieder mit Holz das Feuer füttern und die Därrgitter Stufe um Stufe in der auf 60° C beheizten Trockenkammer nach oben versetzen bis die Früchte so verhutzelt sind, wie sie sein sollen. Das alles ist Präzisionsarbeit für die perfekte Konsitzenz der Früchte. Die kleine Hutzel enthält dann 80 Prozent der Vitamine der großen Birne - eine Vitaminbombe.

Vielfältig im Geschmack
30 verschiedene Birnensorten gedeihen auf den Fatschenbrunner Baumfeldern. Deshalb bietet ein Päckchen davon immer viele aromatische Geschmackserlebnisse, deren Spanne weit auseinander klaffen kann: von fruchtig süß bis leicht herb-sauer, ja sogar delikat bitter. Auch ihre Konsistenz ist verschieden: von fruchtig-fleischig bis fest-trocken. Die Früchte lassen sich vielseitig verwenden: Einfach roh essen und die Verschiedenheiten genießen, aber auch sie zerkleinern und damit Backwerk verfeinern. Oder Füllungen beispielsweise von Gans und Ente, Nicht minder interessant wären sie als Zutat für Füllungen von Teigtaschen, im Lebkuchenteig, im Müsli und in Desserts. Sogar gibt es heute Hutzellikör und Hutzelschnaps, mit denen weitere Verfeinerungen möglich sind.

Wo zu kaufen?
Bei Franz Hümmer, Rieneckstr. 7, 97514 Fatschenbrunn, Tel: 09529-373, Internet: www.hutzeln.net


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