Slow Food Mainfranken_Hohenlohe

Geschmack - damit beginnt's   Foto: SF/Abtmeyer)

Gärten zum Lernen

Städter werden Bauern

Mal ehrlich: Wäre es nicht prima, sein eigenes Gemüse ernten zu können, den eigenen Salat erntefrisch zu verspeisen, mit eigenen Kräutern nach Herzenslust Speisen verfeinern? Und das möglichst in Bio-Qualität? Das von tegut initiierte Partnerschaftsmodell „Saisongärten“ macht’s möglich. Ein Bio-Bauer - hier Bauernhof Peter in Schwebheim - stellt Parzellen von 40 oder 80 qm zur Verfügung, bereitet den Boden fachgerecht vor und pflanzt in Reihen ca. 20 verschiedene Gemüse plus Kartoffeln, Kräuter und Salate. Der Städter pachtet eine oder mehrer Parzellen für eine Saison und pflegt ihn selbst. Die notwendigen Geräte stellt der Bio-Bauer. Ebenso das Wasser fürs Gießen und beregnet auch, wenn’s Not tut. Das Ernten ist wiederum des Pächters Aufgabe, eine Freude - auch für KInder - von Mai bis Oktober. Ein Nebeneffekt: schon nach einer Saison weiß man ganz viel über Gemüse und ihren richtigen Anbau und erkennt beim Kauf im Supermarkt oder auf Märkten das Gute. 

Der Bio-Landwirt - er hält auch Milchkühe, Ochsen und Hühner - Wolfgang Peter in Schwebheim, Hauptstr. 68, Tel: 09723-2538, verwirklichte dieses Konzept für 15 – 20 Saisongärten. Zudem kann man allerlei im Hofladen von der Frischmilch aus der "Milchtankstelle" bis zu Gemüsen, Eiern und Kräuter aus dem eigenen und befreundeten Bio-Betrieben kaufen.

"tegut" beendete 2012 sein Saisongärten-Engagement, Bauer Peter machte weiter, obwohl es noch keinen Profit abwarf. 2013 waren es  eine kleine Steigerung verbuchen: nun gartelten 11 Saisonpächter; das Convivium Mainfranken_Hohenlohe übernahm erneut die Pacht für Parzellen und stellte diese wiederum zwei jungen Familien zur Nutzung zur Verfügung. 2015 unterstützten wir wieder eine Familie, eine zweite fand sich leider nicht.

Nachhaltige Erlebnisse
Die beiden Familien Albrecht (Name von der Redaktion geändert) und Benkenstein wohnen zwar im Dorf des Bauern, freilich in einer Mietwohnung. Für beide Ehepaare und für die Kinder war der Saisongarten die erste Gartenerfahrung und der erste Kontakt mit Gemüseanbau; für die Kinder freilich war die Begegnung mit den Rindern, Hühnern und Kätzchen des Bauern das nachhaltigste Erlebnis – erstmals kamen sie diesen Tieren nah und waren fasziniert von ihnen. „Sie waren so begeistert von all dem Neuen“, sagen beide Mütter, „dass sie alles anfassen wollten.“ Völlig unerwartet traf beide Familien die Wüchsigkeit – vor allem des Unkrauts. „Als wir aus dem Urlaub kamen“, Ipek Benkenstein lächelt dabei, „war das Gemüse überwuchert, man sah es kaum!“ Den Druck der Ernte, wenn plötzlich viele Zucchini oder Salatköpfe im Korb landen, meisterten beide Frauen; für sie ist Kochen etwas Alltägliches. Und: „Das Gemüse frisch vom Acker schmeckt ganz anders!“, besser, wohlschmeckender als was man so im Supermarkt kaufe. Auch den Kindern schmeckte das Gemüse sehr gut, sagen die Eltern, freilich nicht jedes. Radieschen beispielsweise begeisterten nicht. Überraschend für alle war auch die Erfahrung, dass manches Gemüse nicht gedieh, Brokkoli und Gurken beispielsweise.

Auf die Frage, was das schönste Erlebnis gewesen sei, sagt Nadja Albrecht: „Die Fahrt auf dem grünen Wagen mit dem Traktor übers Land, vorbei an der Ochsenweide und den Feldern mit der Pfefferminze beim Abschlussfest. Und das gemeinsame Verspeisen von Essen, das die Saisongärtner mitbrachten“. Für Ipek Benkenstein, die beides nicht mitmachen konnte, war der „ganz andere Geschmack des Gemüses“ das Eindrucksvollste. Das ist auch der Grund, warum sie sich entschieden und eine andere Freundin überzeugt hat, auch 2013 das Angebot des Conviviums anzunehmen.

In den drei Jahren förderte das Convivium 21 Personen, darunter 12 Kinder, und den Bauern. 

Fotos: oben © Gerd Sych, unten © Bio-Bauernhof Wolfgang Peter


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