Slow Food Nürnberg besuchte die Slowcity Hersbruck

logo-slowcitylogo.gifUm es gleich vorweg zu sagen: es war eine schöne und äußerst informative Veranstaltung.

Aber nun der Reihe nach:
Was ist eigentlich eine Slowcity ?
Die Slowcity - Bewegung (cittaslow) ist eine aus der Slowfood - Bewegung hervorgegangene „Vereinigung lebenswerter Städte“. Diese Vereinigung von (in der Mehrzahl italienischen) Kleinstädten bemüht sich um die Umsetzung der Prinzipien von Slowfood, über den kulinarischen Aspekt hinaus, in der Stadtplanung, der Umweltpolitik und der Förderung regionaler Traditionen und Spezialitäten.
Die erste von inzwischen vier deutschen „Slowcitys“, ist das mittelfränkische Hersbruck, 30km östlich von Nürnberg.

Der Startpunkt unseres Besuches war der Marktplatz von Hersbruck.
Bei der Begrüßung durch den Bürgermeister, Herrn Plattmeier, erfuhren wir viele Hintergründe über die Slowcity - Bewegung sowie über die Entwicklung in Hersbruck seit der Ernennung zur Slowcity.

Nach einem Blick vom Rathausturm ging es zur Streuobstwiese, wo uns der Vorsitzende der Streuobst – Initiative Ottmar Fischer kenntnisreich über die Geschichte der Streuobstwiesen und die Aktivitäten zur Wiederherstellung dieses wichtigen landschaftlichen Elements informierte.
Die Mitglieder der Initiative besitzen zum Teil eigene Streuobstwiesen und organisieren unter anderem mittels der mobilen Obstpresse eine Verarbeitung der jeweiligen Ernteerträge.
Darüber hinaus hat man vor kurzen gemeinschaftlich eine große Streuobstwiese am Rande von Hersbruck durch Neupflanzungen erweitert.
Wir durften den köstlichen, aus Streuobst hergestellten, naturtrüben Bio-Apfelsaft probieren, der alleine schon einen hinreichenden Grund für die Arbeit der Initiative darstellt.
Der Apfelsaft wird inzwischen sehr erfolgreich mit Unterstützung der Hersbrucker Brauerei Bürgerbräu vermarktet.

Zur Stärkung mittels Kaffee und Kuchen bzw. Weizenbier und Wurstplatte ging es dann in den „Grünen Baum“ in Kühnhofen, wo uns der Wirt Hans-Peter Eberhard über „Heimat auf’m Teller“ informierte.
Diese Vereinigung von Produzenten und Gastronomen will dem Gast Produkte aus heimischer Produktion näher bringen. Die beteiligten Wirte haben in Ihrem Programm ständig eine eigene Speisekarte mit Gerichten aus heimischen Grundstoffen, inklusive Informationen zur Herkunft der verwendeten Produkte.
Dadurch kann sich der Gast auf angenehme Weise von der Qualität der Lebensmittel aus der heimischen Region überzeugen und nebenbei einen Beitrag zur Förderung der regionalen Lebensmittelproduktion leisten.
Ein eigenes Kontrollsystem des Vereins stellt darüber hinaus sicher, dass die verwendeten Zutaten ausschließlich von den angegebenen Produzenten stammen und die Regeln des Vereins gewissenhaft eingehalten werden.

Als nächstes stand das Projekt „Hutanger“ auf dem Programm, über das uns Herr Heinlein vom Naturschutzzentrum Wengleinpark informierte.
Der Hutanger war seit dem Mittelalter ein wichtiges und typisches Landschaftsmerkmal der Hersbrucker Alb. Er diente der jeweiligen Ortschaft als gemeinschaftlicher Weideplatz, eigener Dorfhirte inklusive. Leider verschwanden die Hutanger aber spätestens seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr aus dem Landschaftsbild.
Der Dorfhirte dürfte inzwischen unwiederbringlich der Vergangenheit angehören (viele interessante Informationen zur Hirtenkultur kann man im Hirtenmuseum in Hersbruck erhalten), aber der Hutanger soll wieder in die Landschaft integriert werden. Am Beispiel des Hutangers von Altensittenbach konnten wir uns von der Schönheit dieser Einrichtung überzeugen. Im Moment wird versucht Landwirte zu motivieren, Ihr Vieh wieder auf den Hutangern weiden zu lassen. Das Fleisch dieser, natürlich aufgewachsenen, Tiere ist natürlich ebenfalls von besonderem Interesse.

Weiter ging es nach Unterkrumbach zu den Möbelmachern, wo uns unser Freund Herwig Danzer über den Initiativkreis Holz aus der Frankenalb aufklärte.
Die Idee bevorzugt heimisches Holz zu nutzen und zu verarbeiten erspart nicht nur unnötige Transportwege, sondern sichert auch den Erhalt der heimischen Wälder und das Einkommen der örtlichen Waldbauern.
Nebenbei haben wir auch einiges über den Unterschied zwischen Naturholzmöbeln und Naturholzmöbeln gelernt und durften einen köstlichen Frankensekt probieren.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Bauer in Hersbruck, ebenfalls Mitglied bei „Heimat auf’m Teller“.
Aber auch da ging es nicht nur um die hervorragende Küche von Peter Bauer, sondern wir konnten auch einiges über die Idee der „Miniköche“ erfahren. Bei diesem Projekt werden Kinder von professionellen Köchen ausgebildet und eignen sich ernsthaft und mit großem Eifer Kenntnisse über Gerichte, Produkte und Tischkultur an.

Im gemütlichen Gespräch ging damit ein rundum gelungener und informativer Tag zu Ende.

Unser besonderer Dank gilt, neben den oben erwähnten Experten, die nicht nur kenntnisreich, sondern auch mit viel Herzblut bei der Sache waren, auch Johannes Michel vom Stadtmarketing Hersbruck, der den Tag hervorragend organisiert und begleitet hat.

Wir möchten in Zukunft verstärkt mit der Slowcity Hersbruck zusammenarbeiten, denn die vorgestellten und vergleichbare Projekte und Initiativen verdienen unsere volle Unterstützung.

Weitere Informationen

zu Hersbruck unter
www.hersbruck.de

zur Streuobstwiese bei der
Streuobstinitiative
Ottmar Fischer
Appelsberg 1
91224 Pommelsbrunn
Tel.09154/8699


zu Heimat auf’m Teller unter
www.heimat-aufm-teller.de
zu den Miniköchen ebenfalls bei Heimat-auf’m Teller oder unter
www.minikoeche.de

zum Hutanger unter
www.hutanger.de und
www.naturschutzzentrum-wengleinpark.de

zum Holz aus der Frankenalb unter
www.die-moebelmacher.de und
www.iniholz.de